Erstellt am 14. August 2014, 08:24

von APA Red

Keine US-Rettungsmission im Nordirak?. Ein US-Militäreinsatz im Nordirak zur Rettung von Flüchtlingen ist laut US-Verteidigungsministerium eher unwahrscheinlich.

Spezialeinheiten seien nach Erkundungen im Sinjar-Gebirge zu dem Schluss gekommen, dass sich dort wesentlich weniger Menschen befänden als bisher angenommen. Nach US-Luftschlägen sei es vielen gelungen, der Belagerung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu entkommen.

Luftabwürfe von Nahrung und Wasser gehen weiter

Auch seien die Verfolgten nach Abwürfen von Nahrung und Wasser durch US-Militärs besser versorgt als noch vor einigen Tagen, teilte Pentagonsprecher John Kirby am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Eine Evakuierungsaktion sei nach den neuen Erkenntnissen demnach "viel weniger wahrscheinlich". Die Luftabwürfe von Nahrung und Wasser gingen aber weiter, sagte Kirby.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die US-Regierung erklärt, sie erwäge eine Luftbrücke oder die Einrichtung von Korridoren, um die bedrohten Menschen in Sicherheit zu bringen.

Etwa 20 US-Soldaten untersuchten daraufhin erstmals das Gebiet am Sinjar-Gebirge, in dem vor allem Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden (Jesiden) Zuflucht suchten. Zeitweise waren es nach UN-Informationen 20.000 bis 30.000 Menschen, die sich vor den IS-Kämpfern in das karge Gebirge zurückgezogen hätten.

Entführungen: Keine Bestätigung durch unabhängige Quellen

Der TV-Sender CNN zitierte einen hohen IS-Kommandant, die Milizen hätten etwa 100 Frauen und Kinder der Yeziden aus dem Sinjar-Gebirge entführt. Die Entführten befänden sich in der Stadt Mosul im Nordirak. CNN fügte allerdings hinzu, die Behauptung lasse sich nicht durch unabhängige Quellen bestätigen. Bereits am Dienstag hatte eine UNO-Berichterstatterin Entführungen von Hunderten Kindern und Frauen durch die IS berichtet.

Unterdessen setzte das US-Militär seine Luftangriffe gegen die radikal-sunnitischen IS-Milizen fort. Eine Kampfdrohne habe am Mittwochabend (Ortszeit) einen mit Waffen ausgerüsteten Lastwagen westlich von Sinjar angegriffen und zerstört, teilten die Militärs in Tampa (Florida) mit.

Die im Nordirak gegen die Extremisten kämpfenden Kurden sollen Militärhilfe aus Europa erhalten. Als erstes EU-Land kündigte Frankreich an, wie die USA Waffen an die Kurden zu liefern. Deutschland schließt inzwischen ebenfalls Waffenlieferungen nicht mehr aus.

Österreich konzentriert sich auf humanitäre Hilfe

Außenminister Sebastian Kurz bewertet die Luftschläge der USA gegen die irakische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) "durchaus positiv". Es sei notwendig gewesen, militärisch gegen die IS vorzugehen, um die Minderheiten in der Region zu schützen, sagte Kurz am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal. Österreich konzentriere sich aber auf humanitäre Hilfe - Luftangriffe alleine reichten nicht.

Auf die Frage, ob die Hilfe des Westens für den Irak derzeit ausreiche, meinte Kurz: "Angesichts der dramatischen Situation reicht wahrscheinlich gar nichts, was hier beigetragen wird." Der eingeschlagene Weg sei aber der richtige.

Zwei Dinge erachtet der Minister für wichtig - einerseits den Kampf gegen die Terroristen, die einen "Genozid" planten, zahlreiche Menschen vertrieben und "abgeschlachtet" haben. Andererseits brauche es humanitäre Versorgung. Österreich hatte am Dienstag bekannt gegeben, eine Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds für den Nordirak freigeben zu wollen.

Kurz-Warnung: Vorsichtig mit Waffenlieferungen umgehen

"Sehr vorsichtig" müsse man mit Waffenlieferungen einiger EU-Mitgliedsstaaten an kurdische Kämpfer umgehen, erklärte der Außenminister. In der Ukraine habe man gesehen, "was passieren kann, wenn Waffen in die falschen Hände kommen", sagte er mit Blick auf den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine (Flug MH17) im Osten des Landes.

Im Rahmen eines kurzfristig anberaumten Sondertreffens wollen die EU-Außenminister am Freitag über die Situation im Irak beraten. Ziel sei es, den Einsatz in dem Krisengebiet besser zu koordinieren und die Länder, die noch nicht "aktiv" geworden sind, an Bord zu holen, so Kurz.