Erstellt am 13. Juli 2014, 16:46

von APA Red

Kennaugh gewann Österreich-Rundfahrt. Pete Kennaugh hat sich am Sonntag vor dem Wiener Burgtheater im strömenden Regen als erster britischer Gesamtsieger der Österreich-Rundfahrt feiern lassen.

Zwei Österreicher schoben sich bei der 66. Auflage besonders in den Vordergrund: Patrick Konrad bestand als Gesamt-Vierter seine erste große Bewährungsprobe als Kapitän glänzend, Marco Haller jubelte über den ersten ÖRV-Etappensieg seit 2008.

Haller sorgte mit seinem Erfolg im Massensprint für einen grandiosen Schlusspunkt der Rundfahrt. Dem kraftvollen Antritt des 23-Jährigen hatten die Rivalen nichts entgegenzusetzen. "Vielleicht war ich auch bereit, am meisten Risiko zu nehmen", erklärte der erste heimische Sieger seit Rene Haselbacher 2008 in Bad Vöslau. "Mit einem Sieg abzuschließen ist das Genialste, das es gibt." Der Kärntner, der zuvor zweimal Dritter gewesen war, verwies Jacopo Guarnieri (ITA) auf den zweiten Platz.

Konrad hatte zuletzt die Oberösterreich-Rundfahrt gewonnen, nun mischte er auch bei der zwei Klassen höher angesiedelten Ö-Tour gegen Fahrer aus zehn ProTeams vorne mit. "Das war emotional eine wunderschöne Woche, das Trikot (des besten Österreichers, Anm.) gehört dem ganzen Team", sagte der Profi von Gourmetfein Wels.

Am Freitag und Samstag hatte der 22-Jährige die Strapazen der wohl schwierigsten Auflage gespürt, in der Königsetappe auf den Dobratsch etwas Zeit eingebüßt, aber im Zeitfahren in Podersdorf den vierten Rang zurückerobert. "Da ging es nur noch darum, vom Kopf her bereit zu sein, eine halbe Stunde voll zu belasten. Es war ein gutes Zeitfahren", betonte Konrad.

Auf den 24 Kilometern am Neusiedlersee büßte er im Fernduell mit Riccardo Zoidl um die Position des besten Österreichers zwar 41 Sekunden auf den Vorjahrssieger ein, behielt aber zwei Sekunden seines Guthabens. Die 4-Sekunden-Zeitgutschrift für den dritten Platz in St. Johann/Alpendorf wirkte sich da positiv aus, Zoidl verpasste diesen Bonus als Vierter auf den Dobratsch hinter Kennaugh.

Zoidl war mit seiner Vorstellung an den letzten sieben Tagen aber zufrieden, die Chance auf den neuerlichen Gesamtsieg hatte er bereits am ersten Tag (2:03 Minuten Rückstand) vertan. "Ich habe noch gezeigt, dass ich gut in Form bin, ich gehe positiv aus der Rundfahrt raus", sagte der 26-jährige Trek-Profi. Der Rückstand auf Konrad, seinen Nachfolger beim Welser Rennstall, schmerze ihn nicht. "Ich vergönne es Patrick, er hat eine tolle Saison. Es war eine gute Rundfahrt für uns Österreicher", betonte der Mühlviertler.

Ein Teilerfolg gelang auch dem 20-jährigen Gregor Mühlberger. Der Niederösterreicher vom Team Tirol Cycling sicherte sich den Titel des Glocknerkönigs, nach starken Saisonleistungen soll er ab August mit einem Vorvertrag bei einem Zweitliga-Rennstall fahren.

Der von der Insel Man stammende Kennaugh feierte im dem 1.217-km-Rennen (14.350 Höhenmeter) einen Start-Ziel-Sieg. Nach dem Auftakterfolg auf dem Sonntagberg hatte der 25-jährige Sky-Profi auch dank seines starken Teams jederzeit alles unter Kontrolle. Im Zeitfahren am Samstag litt auch er, gewann aber die Rundfahrt mit 63 Sekunden Vorsprung auf den Spanier Javier Moreno (Movistar) und 1:42 Minuten auf den Italiener Damiano Caruso (Cannondale). Konrad lag 2:50 Minuten zurück.

Der Gewinn des britischen Meistertitels eine Woche zuvor habe ihn enorm motiviert, sagte Kennaugh der APA. "Das hat definitiv viel dazu beigetragen, dass ich gleich am Sonntag so stark gefahren bin." Im Vorjahr war er die Tour de France im Team des siegreichen Chris Froome gefahren, die Enttäuschung über die heurige Nichtnominierung hielt sich in Grenzen. "Es war schön, dass ich hier in Österreich für mich selbst fahren konnte. Ich habe die Rundfahrt sehr genossen", betonte Kennaugh, der aus einer Radsportfamilie stammt. Vater, Mutter und sein jüngerer Bruder waren ebenso wie die Großeltern aktive Rennfahrer.