Erstellt am 09. April 2015, 13:54

von APA/Red

Wiener Staatsoper mit fünf Premieren in Saison 2015/16. Mit fünf Premieren wird die Wiener Staatsoper die kommende Spielzeit 2015/16 bestreiten - in einem breiten Bogen von Verdi und Puccini über Janacek und Humperdinck bis zu Eötvös.

Hinzu kommen eine Kinderopernuraufführung von Johanna Doderer sowie drei Ballettpremieren, wie Staatsoperndirektor Dominique Meyer am Donnerstag ankündigte.

Auftakt mit Giuseppe Verdis "Macbeth"

Den Auftakt der Neuproduktionen bestreitet am 4. Oktober mit Giuseppe Verdis "Macbeth" ein Klassiker. Hierbei wird Alain Altinoglu im Wechsel mit Simone Young am Pult stehen, während Christian Räth die Regie führt. Die Inszenierung folgt auf die 2009 gezeigte Arbeit von Vera Nemirova.

Am 19. November ist dann Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" im Haus am Ring zu hören, was nicht zuletzt dem verpflichteten Dirigenten zu verdanken ist. "Das war ein Wunsch von Christian Thielemann", unterstrich Meyer.

Folgerichtig wird der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle am Pult stehen. Auf der Bühne wird hingegen nicht wie ursprünglich geplant Elisabeth Kulman den Hänsel singen. "Sie hat mir mitgeteilt, dass sie keine Oper mehr singen möchte - sondern nur noch Konzerte", bedauerte Meyer: "Das ist sehr traurig." Er hoffe immer noch, sie eines Tages zu einer Rückkehr auf die Opernbühne überreden zu können.

Einen Monat später folgt am 13. Dezember die Fortsetzung des laufenden Janacek-Zyklus mit der Originalfassung von "Vec Makropulos", wobei Peter Stein die Regie übernimmt, während Jakub Hrusa dirigiert. Noch zeitgenössischer wird es dann im Jahr 2016, wenn am 6. März Peter Eötvös seine Fassung der "Drei Schwestern", "Tri Sestri", am Haus selbst dirigieren wird.

Anders als bei der Uraufführung werden die drei Schwestern dabei nur von einem Counter und zwei Sopranen anstelle von drei Countertenören gesungen. "Das war ein Wunsch von meiner Seite, denn ich möchte nicht, dass wir zeitgenössische Musik nur mit Gästen machen", so Meyer.

Giacomos Puccinis "Turandot" beendet Premierenreigen 

Schließlich wird der Premierenreigen am 28. April mit Giacomos Puccinis "Turandot" beendet, wobei die Neuinszenierung von Marco Arturo Marelli die Arbeit von Harold Prince aus 1983 ablöst. Am Pult wird dabei erstmals in der Staatsoper Gustavo Dudamel stehen.

Im Kinderopernbereich ist mit "Fatima" von Johanna Doderer eine Uraufführung angesetzt. Das neue Werk der österreichischen Komponistin, bei dem Henry Mason Regie führt, wird am 23. Dezember 2015 im Großen Haus Premiere feiern.

Zugleich hielt Meyer erneut ein Plädoyer für den neuen Kinderopernstandort Walfischgasse: "Wir haben dort die doppelte Kapazität." Und die Distanz von der Bühnentür zum Theater sei praktisch kürzer als die von der Bühnentür aufs Dach zum bald demontierten Kinderopernzelt.

Stars von Anna Netrebko bis Joseph Calleja

Die Zahl der Stars in der kommenden Saison kann sich dabei sehen lassen, reicht sie doch von Diana Damrau, Elina Garanca über Joyce di Donato, Edita Gruberova bis zu Anja Harteros und Anna Netrebko. Bei den Herren werden etwa Jonas Kaufmann, Bryn Terfel, Piotr Beczala, Placido Domingo oder Ildebrando D'Arcangelo und Joseph Calleja erwartet. "Es fehlen nicht viele", so Meyer.

Und schließlich wird auch das Ballett mit drei Premieren aufwarten. Den Beginn macht ein dreiteiliger Abend am 29.. Oktober, wenn Choreografien von Stephan Thoss, Christopher Wheeldon und Jerome Robbins zu sehen sind. Am 20. März 2016 wagt sich dann Ballettchef Manuel Legris als Choreograf mit "Le Corsaire" erstmals an ein abendfüllendes Handlungsballett. Und schließlich folgt am 26. Juni 2016 wieder die traditionelle Nurejew Gala.

Personell ist schließlich über eine mögliche Nachfolge des zurückgetretenen Generalmusikdirektors Franz Welser-Möst keine schnelle Entscheidung zu erwarten. "Viele große Dirigenten, die das machen können, sind nicht frei", so Meyer, der betonte, dass er den Abgang des einstigen Kompagnons noch immer bedauere.

Meyer: "Können auch ohne Musikchef leben"

Auch sei nicht klar, ob es mit Sicherheit einen Nachfolger auf dem Posten geben werde: "Ich sage nicht, dass wir keinen Musikchef haben werden - aber ich sage, dass wir auch ohne leben können."

Mit dem Blick auf die Finanzen zeigte sich Meyer zufrieden: "Es geht uns gut." Mit knapp 47 Prozent müsse man konstatieren, dass die Eigendeckungsquote rund beim Doppelten der Konkurrenz liege: "Wir haben in Europa die höchste Eigendeckung." Die 33,5 Mio. Euro Karteneinnahmen seien etwa 50 Prozent mehr als die der drei Berliner Opernhäuser zusammengenommen. "Man kann ja immer meckern, aber das ist schon beeindruckend", so Meyer.

Die Zahl der Besucher sank marginal von 417.845 auf 417.786, während die Auslastung von 98,93 Prozent auf 99 Prozent gesteigert wurde. Der Anstieg ist dabei dem Ballettbereich (98,52 Prozent Auslastung statt 97,54 Prozent) zu verdanken, während die Oper mit 99,46 Prozent ihren hohen Wert hielt. Und schließlich stieg die pro Vorstellung erlöste Summe von 113.710 auf 118.165 Euro.