Erstellt am 17. Juni 2014, 11:47

Klinsmann sieht für USA noch viel Luft nach oben. Jürgen Klinsmann ist das Glück beim Comeback auf der WM-Bühne hold gewesen.

Die USA gingen in ihrer Auftaktpartie gegen Angstgegner Ghana mit dem ersten Torschuss nach nicht einmal einer halben Minute in Führung, mit dem letzten fixierten die Amerikaner den 2:1-Erfolg in Natal. Nach dem schmeichelhaften Sieg sah Klinsmann bei seinem Team aber noch viel Luft nach oben.

"Das Spiel hat gezeigt, dass es noch einige Bereiche gibt, in denen wir besser werden müssen", betonte der Deutsche mit Blick auf die zweite Gruppenpartie. Da treffen die USA in der Nacht auf Montag in Manaus auf Portugal. Die Iberer sind nach der herben Pleite gegen Deutschland auf Wiedergutmachung aus. Die Ghanaer, vor vier Jahren in Südafrika im Viertelfinale, sind gegen Gruppenfavorit Deutschland bereits gefordert.

US-Kapitän Clint Dempsey avancierte mit seinem Tor zum fünftschnellsten WM-Torschützen aller Zeiten. Der ehemalige England-Legionär (Fulham, Tottenham) ist damit der erste Amerikaner, der bei drei verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Andre Ayew (82.) glich für die Westafrikaner in einer spannenden Schlussphase zwar aus, "Joker" John Brooks (86.) sorgte auf der US-Bank mit Assistenztrainer Andreas Herzog aber für Freudensprünge.

Revanche geglückt

"Wir hatten noch etwas offen mit Ghana. Sie haben uns zweimal aus der WM geschmissen", meinte Dempsey in Erinnerung an die Pleiten im finalen Gruppenspiel 2006 sowie im Achtelfinale 2010. "Aber dieser Sieg bedeutet nichts, wenn wir darauf nicht aufbauen", betonte der Offensivspieler, der im Finish einen Nasenbeinbruch erlitt. Sein Coach Klinsmann war davon nicht beunruhigt.

"Meine ist drei oder vier Mal gebrochen. Er wird in ein paar Tagen wieder bereit sein", sagte der Deutsche, der im fünften WM-Auftaktspiel als Spieler oder Trainer zum fünften Sieg kam. Weit weniger entspannt musste Klinsmann zur Kenntnis nehmen, dass die Endrunde für zwei seiner Schützlinge schlimmstenfalls schon wieder vorbei ist. Stürmer Jozy Altidore erlitt ebenso wie der für Torschütze Brooks zur Pause ausgetauschte Matt Besler eine Muskelverletzung im Oberschenkel.

Für Klinsmann war der Erfolg am Ende auch einer über seine Kritiker. Mit dem 21-jährigen Hertha-Profi Brooks traf ein in Berlin geborener und Zeit seines Lebens in Deutschland spielender Akteur. Mit Jermaine Jones und Fabian Johnson überzeugten zwei weitere Deutsch-Amerikaner, der auf Island aufgewachsene Aron Johannsson rackerte im Sturm. Dabei muss sich Klinsmann seit Monaten der Kritik von unter anderem Ex-Teamchef Bruce Arena stellen, wonach er zu sehr auf nicht in den USA sozialisierte Kicker baut.

Gesprächsbedarf bei den "Black Stars" 

Bei Ghana verließ ein Profi mit Berliner Background das Stadion hingegen mit saurer Miene. Kevin-Prince Boateng wurde von Teamchef Kwesi Appiah überraschend auf die Bank gesetzt. Der Schalke-Profi kam erst nach einer Stunde zum Einsatz, ebenfalls spät eingewechselt wurde Michael Essien vom AC Milan. "Ich habe mich auch gewundert, dass ich nicht gespielt habe. Mehr möchte ich dazu nicht sagen", meinte Boateng - der Gesprächsbedarf bei den "Black Stars" scheint aber hoch zu sein.

Ghana ging schlussendlich auch aufgrund einer schlechten Chancenauswertung als Verlierer vom Platz. 21 Schüsse Richtung US-Tor fanden nicht das Ziel. "Auf diesem Niveau wird jeder Konzentrationsfehler böse bestraft. Wir hatten genug Möglichkeiten und haben sie im Unterschied zur USA nicht genutzt", meinte Appiah. Der schnelle Gegentreffer habe sein Team zusätzlich verunsichert. Appiah bemühte sich aber naturgemäß, Optimismus zu verbreiten: "Wir haben noch zwei Spiele, da werden wir besser sein.