Erstellt am 02. Juli 2014, 11:13

"Können erhobenen Hauptes heimfahren". Mit dem Ausscheiden des US-Teams ist die Fußball-WM auch für Österreichs Rekord-Teamspieler Andreas Herzog zu Ende gegangen.

"Klar sind wir jetzt enttäuscht, aber wir können erhobenen Hauptes die Heimreise antreten", sagte der Assistent von US-Teamchef Jürgen Klinsmann am Dienstagabend in Salvador da Bahia nach der 1:2-Achtelfinal-Niederlage nach Verlängerung gegen Belgien.

"Viele Fußball-Fans haben uns ja gar keine Chance gegeben, die Gruppe zu überstehen. Aber wir sind weitergekommen, für unseren Charakter und unsere Mentalität belohnt worden", erinnerte Herzog daran, dass der vermeintliche Außenseiter in der schweren Gruppe G hinter Titelanwärter Deutschland auf Platz zwei - noch vor Portugal mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Ghana, einem WM-Viertelfinalisten von 2010 - den Einzug in die K.o.-Runde geschafft hatte.

Ausgleichschancen nicht genützt

In dieser kam nun nach einem aufopfernden Kampf über 120 Minuten das Aus. Kevin De Bruyne (93.) und Romelu Lukaku (105.) stellten in der mitreißenden Verlängerung die Weichen auf Sieg für den Geheimfavoriten Belgien. "Joker" Julian Green (107.), der erst zwei Minuten vor seinem Treffer eingewechselt worden war, ließ aber noch einmal Hoffnung im Klinsmann-Team keimen. Allerdings ließen die US-Amerikaner ihre Ausgleichschancen ungenützt.

"Man muss ehrlich sagen, dass die Belgier heute die bessere Mannschaft waren. Und nach dem 2:0 hat alles danach ausgeschaut, dass die Partie entschieden ist, aber wir sind noch einmal zurückgekommen und hatten die Chance, uns zumindest ins Elfmeterschießen zu retten. Das ist die Qualität unserer Mannschaft. Sie hat einfach einen unglaublichen Charakter, ist topfit und glaubt bis zum letzten Augenblick immer an sich, das ist das Schöne", betonte Herzog, dass man vor allem durch Physis und Kampfgeist in der Lage gewesen sei, Topteams auf Augenhöhe zu begegnen und bis zum Schluss zu fordern.

Der 45-Jährige Wiener weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss, damit die USA bei einer WM eine noch gewichtigere Rolle einnehmen können. "Ich denke, dass wir uns spielerisch weiterentwickeln müssen, wenn wir eben solche Kaliber wie Belgien, Portugal oder Deutschland auf einem anderen Niveau, also auch noch spielerisch bezwingen wollen", erläuterte Herzog, dass diesbezüglich noch "ein weiter Weg" vor dem Team liege.

"Ich habe hier meinen Traum leben können"

Ob er diesen weiterhin als Mitglied des Betreuerstabes mitgehen wird, ließ Österreichs 103-facher Internationaler offen. "Man muss jetzt abwarten, was mit dem Jürgen Klinsmann nach der Weltmeisterschaft passiert. Ich denke, dass wir uns gut auf die WM vorbereitet haben, doch jetzt ist das Kapitel leider zu Ende", sagte Herzog nach dem für ihn "extremen Abenteuer". "Es war wunderschön, ich habe jeden Tag genossen. Ich habe hier meinen Traum leben können und natürlich gehofft, dass wir noch ein paar Tage hierbleiben in Brasilien."

Bezüglich eines WM-Favoriten wollte sich Herzog nicht festlegen. "Ich muss ganz ehrlich sagen, momentan ist keine Mannschaft gut genug, dass sie Weltmeister werden sollte. Alle haben gröbere Probleme", merkte der langjährige Deutschland-Legionär an. "Die europäischen Mannschaften haben vor allem das Glück, dass sich die Südamerikaner untereinander rausschmeißen, so wie Brasilien Chile oder Kolumbien Uruguay. Und jetzt spielt Brasilien gegen Kolumbien. Das ist ein Vorteil für die Europäer, weil die Südamerikaner hier schon verdammt stark sind, sogar der vermeintliche Underdog Kolumbien."