Erstellt am 03. Juli 2014, 15:25

von APA/Red

Kolumbien wird Brasiliens große WM-Prüfung. Es ist die vielleicht schwerste Prüfung, die Gastgeber Brasilien auf dem Weg zum sechsten Fußball-WM-Titel bisher bevorgestanden ist.

Die "Selecao" trifft am Freitag (22.00 Uhr MESZ) im WM-Viertelfinale in Fortaleza auf Kolumbien. Die Kolumbianer um Shooting-Star James Rodriguez haben sich als einziges Team im Turnierverlauf bisher wirklich souverän präsentiert.

Bei den Brasilianern dagegen bedarf es einer Steigerung, will man den Traum von der "Hexacampeao" am Leben erhalten. Im Achtelfinale gegen Chile mussten Neymar und Co. bereits bis ins Elfmeterschießen zittern. Das dritte Viertelfinal-Aus in Folge wäre ein böses Erwachen für den favorisierten, bisher aber nicht wirklich überzeugenden Rekordweltmeister.

2006 in Deutschland war unter Teamchef Carlos Alberto Parreira im Viertelfinale gegen Frankreich Endstation, 2010 in Südafrika unter Carlos Dunga gegen die Niederlande. Beide Gegner erreichten in weiterer Folge das Endspiel. "Weniger Herz und mehr Fußball", forderte Teamchef Luiz Felipe Scolari nach den heftig diskutierten Gefühlsausbrüchen seiner Spieler gegen Chile.

"Kolumbien hat eine starke Mannschaft"

Einzig Neymar scheint dem Druck bisher gewachsen. Vier WM-Tore hat der Barcelona-Stürmer bereits erzielt, Kolumbiens ebenfalls 22-jähriger Jungstar sogar bereits deren fünf. "James Rodriguez ist ein exzellenter Spieler. Aber ich hoffe, dass sein Zeitalter bei der WM jetzt zu Ende geht", erklärte Neymar. "Kolumbien hat eine starke Mannschaft, die bisher alle Spiele gewonnen hat."

Der Respekt vor dem kleinen Nachbarn ist groß. "Es geht nicht darum, einfach nur James zu stoppen. Kolumbien ist ein Team, das ruhigen und gut organisierten Fußball spielt", betonte Scolari, der Brasilien bereits 2002 den bisher letzten WM-Titel beschert hat. Nun ist "Felipao" erneut als Taktiker gefragt, gilt es doch die Abhängigkeit von Neymar einzudämmen.

Zu durchschaubar wirkten die Brasilianer, hat sich Spielmacher Oscar doch zuletzt nicht in Bestform präsentiert. Dazu fehlt im "Castelao" von Fortaleza mit Luiz Gustavo auch noch der Stabilisator im defensiven Mittelfeld. Anstelle des gelbgesperrten Wolfsburg-Legionärs dürfte Tottenhams Paulinho beginnen. Weitere Optionen wären Hernanes (Inter Mailand) oder Ramires (Chelsea). Letzterer weiß: "Wir werden das Spiel nicht gewinnen, weil wir Brasilien sind."

Kolumbien bei Verwertung von Torschüssen top

Die Kolumbianer stehen erstmals im Viertelfinale, träumen aber von mehr. "Wir sind dabei, Geschichte zu schreiben", sagte James Rodriguez. Elf Tore hat sein Team in Brasilien bereits erzielt, nur zwei erhalten. Die Kolumbianer haben zudem 31 Prozent ihrer Torschüsse verwertet - die höchste Quote aller WM-Teams. Dabei fehlt ihnen Stürmerstar Radamel Falcao wegen eines Kreuzbandrisses.

Begleitet werden die "Cafeteros" bei ihrer historischen Mission vom Andenken an eine Tragödie. Diese Woche jährte sich die Ermordung von Andres Escobar zum 20. Mal. Der Verteidiger war nach einem Eigentor bei der WM 1994 in den USA erschossen worden. Kapitän Mario Yepes und Ersatztorhüter Faryd Mondragon haben noch mit ihm gespielt. "In ihnen und in der Mannschaft lebt der Geist von Andres weiter", erklärten Escobars Geschwister, die in Fortaleza im Stadion sitzen.

Teamchef Jose Pekerman versprach ihnen ein großes Spiel. "Es wird eine Partie auf gutem technischen Niveau, mit schönen Toren. Die Leute werden es genießen", meinte der Argentinier. Neymar dagegen stellte die Show nicht in den Mittelpunkt: "Wir sind hier, um zu gewinnen. Wir sind nicht hier, um ein Spektakel zu zeigen und auszuscheiden." Immerhin stellen sich in einem möglichen Halbfinale auch noch Deutschland oder Frankreich in den Weg.