Erstellt am 15. Juni 2015, 21:57

Konzernchef Ametsreiter verlässt Telekom Austria. Die Telekom Austria braucht einen neuen Generaldirektor. Hannes Ametsreiter verlässt am 31. Juli 2015 nach fast 20 Dienstjahren, die letzten sechs als Vorstandschef, den teilstaatlichen Ex-Monopolisten. Ametsreiter habe um eine einvernehmliche vorzeitige Vertragsauflösung ersucht, bestätigte die Telekom am Montag Medienberichte.

 |  NOEN, APA

Laut "Kurier" verlässt Ametsreiter das Unternehmen freiwillig, laut "Presse" auf Druck des mexikanischen Mehrheitsaktionärs America Movil. Der zweite Kernaktionär, die Staatsholding ÖBIB, die den neuen Generaldirektor vorschlagen darf, ist bereits dabei, einen Prozess für die Nachfolgeregelung aufzusetzen, wie ein Sprecher der APA mitteilte.

Für Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) war der angekündigte Abgang von Ametsreiter "überraschend". Nun werde sich der Telekom-Aufsichtsrat um einen Nachfolger kümmern, sagte Schelling am Montagabend zur APA. Ametsreiter habe "einen guten Job gemacht".

Betriebsratschef Walter Hotz hat bereits zwei Namen parat: Siegfried Mayrhofer und Alejandro Plater. Aus seiner Sicht sollte die ÖBIB einen der beiden bisherigen Vorstände als Generaldirektor nominieren. Die Telekom Austria habe lange Zeit einen Zweiervorstand gehabt, so Hotz. Dies sei ausreichend.

Wer als Nachfolger von Ametsreiter nominiert wird, entscheidet gemäß Syndikatsvertrag die ÖBIB und damit deren neue Geschäftsführerin Martha Oberndorfer. Es ist ihre erste wichtige Entscheidung als ÖBIB-Chefin, nachdem sie erst vergangene Woche Rudolf Kemler abgelöst hat. Die ÖBIB ist dem Finanzministerium unterstellt. Die Nominierung sei aber Thema der ÖBIB, nicht des Finanzministeriums, erklärte die Sprecherin von Finanzminister Hans Jörg Schelling auf APA-Anfrage.

Sollte bis Ende Juli kein Nachfolger gefunden sein, würde der stellvertretende CEO, Alejandro Plater, interimistisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übernehmen, so ein Telekom-Sprecher zur APA. America Movil hatte den Argentinier erst vor gut drei Monaten als Chief Operating Officer (COO) installiert. America Movil hält 59,7 Prozent der Telekom-Anteile, die ÖBIB 28,4 Prozent.

Der Aufsichtsrat der Telekom Austria werde sich in seiner nächsten Sitzung mit der Nachfolge befassen, heißt es in der Aussendung des Unternehmens. Einen Termin gibt es noch nicht. Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung wäre erst kurz vor den Halbjahreszahlen geplant gewesen, also erst in gut einem Monat.

Die ÖBIB bedankte sich wie Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer für die Arbeit von Ametsreiter. Er habe das Unternehmen in herausfordernden Zeiten geführt, "auch in der Phase des Überganges der Telekom Austria Group zu einer Konzerngesellschaft der America Movil", so Ruttenstorfer.

Laut "Kurier" hat Ametsreiter ein besseres Angebot. Wohin der 48-Jährige wechseln wird, ist nicht bekannt. "Ich bitte um Verständnis, dass ich heute noch keine konkrete Aussage machen kann, welche Aufgaben das sein werden", erklärte Ametsreiter in einem der APA vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter.

Laut "Presse" war sein Abgang allerdings nicht freiwillig. Der Druck von America Movil sei zu groß gewesen. Es sei ein "offenes Geheimnis" gewesen, dass Ametsreiters Vertrag, der im kommenden Herbst zur Verlängerung angestanden wäre, aufgelöst wird, berichtete die Zeitung in ihrer Onlineausgabe.

Ametsreiter hatte fast seine gesamte bisherige Berufskarriere bei der Telekom Austria absolviert. 1996 wechselte er vom Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble zur damaligen mobilkom Austria AG, seit 2009 ist er Generaldirektor der Telekom Austria Group. Er ist der längstdienende Chef des Unternehmens seit dem Börsengang im Jahr 2000. Der gebürtige Salzburger studierte zunächst in seiner Heimatstadt Publizistik und Sport und absolvierte nach seiner Promotion ein MBA-Studium in Kalifornien.

Als Nachfolger von Boris Nemsic musste Ametsreiter einen guten Teil seiner Arbeitszeit den Aufräumarbeiten nach einer Korruptionsaffäre widmen. Nach wie vor nicht abgeschlossen sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien in der "Causa Burgtheater", auch gegen Ametsreiter selbst. Im Raum steht der Verdacht von Schmiergeldzahlungen.

Die Aktien der Telekom Austria reagierten auf den während des Börsenhandels bekannt gewordenen Abgang von Ametsreiter mit Verlusten. Die Aktie war allerdings schon davor in einem schwachen Umfeld im Minus. Aktuell kostet sie 5,75 Euro, das ist ein Minus von 3,68 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.