Erstellt am 18. September 2014, 09:10

Kopf-an-Kopf-Rennen bei Schottland-Referendum. In Schottland hat das historische Referendum über die Unabhängigkeit des Landes begonnen.

Seit 08.00 Uhr bis 23.00 Uhr MESZ können die mehr als vier Millionen Stimmberechtigten für oder gegen eine Loslösung von Großbritannien votieren. Es wird mit einer sehr hohen Wahlbeteiligung gerechnet. In den letzten Umfragen lagen die Gegner einer Unabhängigkeit erneut knapp vor dem "Ja"-Lager.

Das Institut Ipsos sagte später 49 Prozent für die Befürworter voraus. "Das wird knapp", sagte der Politikwissenschafter John Curtice von der Universität Strathclyde im Interview der Zeitung "Scotsman". Obwohl die überwiegende Zahl der Erhebungen in den vergangenen Monaten eine Mehrheit für die Gegner ergab, ist der Vorsprung in den vergangenen Wochen immer weiter zusammengeschmolzen.

Ein letztes Mal wandte sich der schottische Regierungschef Alex Salmond am Mittwochabend öffentlich in Perth nördlich von Edinburgh an seine Landsleute und schwor sie auf ihre "Chance des Lebens" ein. In den letzten Umfragen vor dem großen Tag lagen die Gegner einer schottischen Unabhängigkeit erneut knapp vor dem "Ja"-Lager. Allerdings könnten die bis zuletzt unentschiedenen Wähler letztlich von Bedeutung sein. Salmond sicherte indes zu, das Ergebnis mit Würde zu tragen und zu akzeptieren, sollte es nicht zu seinen Gunsten ausgehen.

Obama für Verbleib Schottlands in Großbritannien

US-Präsident Barack Obama schickte am Mittwoch einen letzten Appell nach Großbritannien: Das Vereinigte Königreich sei ein "außergewöhnlicher Partner" der USA und eine zuverlässige Kraft in einer instabilen Welt, schrieb er im offiziellen Twitter-Profil des Weißen Hauses. "Ich hoffe, es bleibt stark, robust und vereint."

Die US-Regierung hatte bereits in den vergangenen Tagen ihre Unterstützung für einen Verbleib Schottlands in Großbritannien erkennen lassen. Gleichzeitig betonte sie aber, die Schotten hätten das Recht, darüber abzustimmen. Die USA und Großbritannien pflegen eine Sonderbeziehung. Washington befürchtet bei einer schottischen Unabhängigkeit aber, dass dann einer seiner wichtigsten Verbündeten militärisch und wirtschaftlich an Einfluss verlieren könnte.

Auch das "Nein"-Lager hatte am Mittwoch noch einmal eindringlich an die Schotten appelliert, im Königreich zu bleiben. So sagte der frühere britische Premierminister Gordon Brown bei einer Veranstaltung in Glasgow: "Wir haben gemeinsam zwei Weltkriege ausgefochten." Es gebe keinen Friedhof in Europa, auf dem Schotten, Engländer, Waliser und Iren nicht Seite an Seite liegen würden. Im Kampf sei die Herkunft auch nicht entscheidend gewesen.

97 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl registriert

Wie sehr die Frage die Schotten bewegt, zeigt sich darin, dass sich 97 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl registrieren ließen. Abstimmen dürfen alle offiziellen Einwohner Schottlands über 16 Jahren, darunter auch Bürger anderer EU-Länder. Schotten im Ausland sind vom Referendum dagegen ausgeschlossen.

Die Aussicht auf ein Auseinanderbrechen der sechstgrößten Volkswirtschaft und einer Atommacht mit ständigem Sitz im UNO-Sicherheitsrat, hat weit über die Insel hinaus Besorgnis ausgelöst. Nicht zuletzt Länder wie Spanien, in denen Regionen wie Katalonien ebenfalls mit einer Unabhängigkeit liebäugeln, sind alarmiert. Ministerpräsident Mariano Rajoy warnte, dass die Entwicklung Europa in seinen Grundfesten erschüttere.

Auf das Resultat wird Cameron nach dem Schließen der Wahllokale um 23.00 Uhr MESZ noch einige Stunden warten müssen: Pläne für Nachwahlbefragungen sind nicht bekannt. Mit ersten Ergebnissen wird am Freitag gegen 03.00 Uhr gerechnet. Der Wahlkommission zufolge dürfte "zur Frühstückszeit" ein landesweites Ergebnis feststehen.