Erstellt am 14. Januar 2016, 16:04

von APA/Red

Kraft, Hayböck mit Medaillenchance bei Kulm-WM. Auch die fünfte Auflage von Skiflug-Weltmeisterschaften auf dem Kulm soll dem ÖSV eine Einzelmedaille bringen.

Österreichs Team bei der Skiflug-WM am Kulm  |  NOEN, APA (dpa)

Kandidaten auf der umgebauten Schanze bei Bad Mitterndorf/Tauplitz sind am Freitag und Samstag (13.00/14.00 Uhr/live ORF eins) Stefan Kraft und Michael Hayböck. Als Topfavoriten gelten nach ihren Bestweiten Peter Prevc (235,5), Anders Fannemel (233) und Titelverteidiger Severin Freund.

Stefan Kraft kam nach dem zweiten Vorjahrsrang im Weltcup mit gutem Gefühl zurück ins steirische Salzkammergut. "Ich weiß, dass ich das Fliegen ganz gut beherrsche", erklärte der 22-Jährige, der im zweiten Trainingssprung bei 216,5 m landete und danach als fix qualifizierter Springer bei schwierigen Bedingungen 211,5 folgen ließ.

"Das schaut schon sehr nach Skifliegen aus. Es ist sehr beruhigend, ich hatte drei Supersprünge. Für morgen ist sicher noch was drinnen, ich habe noch Reserven", meinte der Salzburger.

Sein Zimmerkollege Hayböck bewies, dass ihn der verpatzte Sprung am Sonntag in Willingen nicht aus dem Rhythmus gebracht hat. Der Tournee-Dritte landete gleich den ersten Flug bei 216 m, beim dritten kam er auf 193 m. Missgeschicke rasch abzuhaken sei seine Stärke, sagte Hayböck im Rückblick auf Willingen. "Ich fühle mich körperlich topfit, es ist sehr cool, hier zu springen", erklärte der Oberösterreicher. "Ich habe die Tournee so positiv abgeschlossen, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe. Ich werde es genießen."

Manuel Poppinger und Manuel Fettner mussten sich im Gegensatz zu ihren zwei Kollegen erst qualifizieren und sie schafften das als Siebenter (191 m) bzw. Neunter (186) souverän. Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch erlebte hingegen mit 134,5 m einen weiteren Tiefpunkt und schied aus.

Fettner gibt sich und Poppinger zwei weitere Tage, um noch besser in Fahrt zu kommen. "Wenn wir ehrlich sind, richtig wichtig wird es für uns im Team", erklärte der Tiroler, der bei der WM 2013 mit einem Balanceakt und Ausfahrt auf einem Ski Team-Gold für das ÖSV-Quartett gerettet hatte. Am Sonntag geht der Teambewerb in Szene.

Der Tournee-Gewinner und siebenfache Saisonsieger Prevc brillierte im Training mit 225 und 235,5 m (jeweils 1.) und kam da bis auf zwei Meter an den Schanzenrekord des Deutschen Severin Freund heran. Dass er danach schon bei 188,5 m zu Boden musste, störte den 23-jährigen Slowenen nicht.

Weltrekordler Anders Fannemel kam dem Saisondominator als überlegener Sieger der Qualifikation mit 233 m (vor Ex-Weltrekordler Robert Kranjec/207) am nächsten. "Ich werde mein Bestes versuchen, um Peter anzugreifen. Aber er ist eine Maschine", sagte der Schützling von Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl. Sein Teamkollege Kenneth Gangnes verpatzte nach gutem Training den dritten Flug (140 m).

Rar gemacht hat sich Noriaki Kasai, der Weltmeister von 1992 und Kulm-Sieger von 2014. Der 43-Jährige, der als einer von nur zwei Japanern angereist ist, begnügt sich vor dem Wettkampf mit dem Probedurchgang am Freitag.

Severin Freund nahm die Rolle des Titelverteidigers gelassen. "Der ganz gute Flug war noch nicht dabei", sagte der Bayer, der seinen weitesten Versuch bei 213 m landete. "Wenn's aufgeht, dann geht's auf, bei vier Sprüngen kann viel passieren."

Den schweren Sturz des Vorspringers Lukas Müller, der am Vortag einen Halswirbelbruch erlitten hatte, versuchten die WM-Teilnehmer so gut es geht auszublenden. "Ich wünsche ihm alles Gute, aber ich wollte gar nicht alle Details wissen, bevor ich zum Skifliegen kam", sagte Freund.

Kraft und Hayböck, die mit Müller in Rif bei Hallein trainieren, ging der folgenschwere Sturz näher. "Aber man muss versuchen, es auszublenden", sagte Hayböck. "Das ist echt grausig", meinte Kraft. "Wir haben unser Material nochmals genau durchgecheckt und wenn das Aufwärmen beginnt, dann muss man voll konzentriert sein."