Erstellt am 05. Januar 2015, 12:25

von APA Red

Kraft mit "Vollgas" ins Tournee-Finale. Nach der starken Vorstellung von Stefan Kraft in Innsbruck bestehen kaum Zweifel, dass er seinen ersten Vierschanzentournee-Triumph noch verspielen könnte.

Als "Back-up" für den siebenten ÖSV-Triumph en suite stünde Michael Hayböck bereit, der mit mehr als 20 Punkten Rückstand ins Finale am Dienstag (16.30 Uhr) in Bischofshofen geht. Dritter mit fast 30 Zählern Abstand ist der Slowene Peter Prevc.

"Zurückschrauben werde ich sicher nicht"

Der 21-jährige Kraft ist sich sicher, dass er auf seiner Heimschanze nichts mehr anbrennen lassen wird. "Der zweite Platz in Innsbruck ist auf jeden Fall so viel wert wie ein Sieg. Ich habe gesehen, dass ich auch ganz vorne mitmischen kann, wenn nicht beide Sprünge perfekt sind. Das beruhigt einen schon", meinte Kraft.

Der Pongauer war nach seinem Auftaktsieg in Oberstdorf auch in Garmisch und vor allem am Bergisel bestens mit dem Druck umgegangen. Er will auch zum Abschluss an seiner Marschroute festhalten und nicht dosieren. "Zurückschrauben werde ich sicher nicht, ich werde weiter Vollgas durchziehen. Ich fühle mich körperlich und mental topfit."

Außerdem gehe die Entscheidung ja auf seiner Heimschanze in Szene, die er in- und auswendig kenne und auf der er beispielsweise 2013 mit Platz drei schon sensationell abgeschnitten habe. "Es geht in die Heimat, das ist genial, so wünscht man es sich", sagte Kraft vor dem ausverkauften Heimspiel unweit seiner Heimat Schwarzach.

Coach Kuttin: "Er springt auf sehr hohem Level"

Das Schanzenprofil komme zudem nicht allen Konkurrenten entgegen, merkte Kraft an. Von Prevc kann man das aber wohl nicht behaupten. Der Slowene wurde im Vorjahr beim Sieg von Thomas Diethart Zweiter. "Ich will es in Bischofshofen besser als in Innsbruck (Anm.: 11.) machen. Ich glaube aber, dass Kraft derzeit definitiv zu stark ist, aber ich werde weiterkämpfen", bekräftigte der Mann aus Kranj.

Rund acht Punkte hinter Prevc lauert der japanische Dauerbrenner Noriaki Kasai auf einen weiteren Ausrutscher des Tournee-Vierten des Vorjahres.

Kraft war 2014 auf einer seiner Lieblingsschanze nur 20. geworden. Damals war von der aktuellen Topverfassung des Pongauers aber auch noch keine Rede. Auch sein Cheftrainer Heinz Kuttin ist von der aktuellen Nervenstärke und der anhaltenden Höchstform des Spitzenreiters überzeugt.

"Er springt auf sehr hohem Level", betonte Kuttin, der sich nicht mit möglichen Rechenspielen auseinandersetzen will. "Darüber denken wir gar nicht nach. Wir werden eine ähnliche Stimmung wie am Bergisel haben und darauf freuen wir uns", betonte der Kärntner, der vor dem Tag der Entscheidung seinen 44. Geburtstag feierte.

Auch Hayböck könnte noch einmal angreifen

Mit Hayböck hätte Kuttin aber ohnehin eine Reserve in der Hinterhand. Der Oberösterreicher fasst beim Abschluss aber nur noch die Absicherung seiner Position ins Auge. "Meine Aufgabe wird sein, ihm den Rücken freizuhalten und den zweiten Platz abzusichern. Er hat sich einen super Vorsprung herausgesprungen", meinte der in Innsbruck sechstplatzierte Hayböck.

Kraft ist jedoch vor seinem Zimmerkollegen gewarnt. "Michi hat zwar gesagt, er blockt die anderen ab, aber ich glaube, er greift schon noch einmal an. Gegessen ist noch nichts. Ich werde versuchen, zwei Bomben hinunterzuhauen, das wird es auch brauchen", kündigte der Spitzenreiter an.

Der Lokalmatador streitet aber nicht ab, dass er und sein Zimmerkollege ausgezeichnete Karten für den siebenten ÖSV-Gesamterfolg in Serie haben. "Drei Viertel sind geschafft. Es ist eine perfekte Situation. Und wir können wieder im Gleichschritt marschieren."

Gelingt ihm der Sieg, würde ein "Riesentraum" in Erfüllung gehen, ergänzte Kraft, der für den erst zweiten Salzburger Tournee-Erfolg sorgen kann. Den ersten hatte Josef "Bubi" Bradl bei der Premiere der Veranstaltung 1953 gefeiert.