Erstellt am 17. April 2014, 23:08

Krawalle bei Präsidentenwahl in Algerien. Bei der Präsidentenwahl in Algerien ist es am Donnerstag vereinzelt zu Krawallen und Protesten gegen Amtsinhaber und Favorit Abdelaziz Bouteflika gekommen.

 In zwei Dörfern östlich der Hauptstadt Algier lieferten sich Polizei und Jugendliche, die die Abstimmung stören wollten, Auseinandersetzungen. In der Region, die als Hochburg der Opposition gilt, wurden mehrere Wahlurnen angezündet.

Die Polizei setzte Tränengas gegen Randalierer ein. Die Wahllokale schlossen am Abend, mit ersten Ergebnissen wurde frühestens am Freitag gerechnet. Es wurde weithin erwartet, dass der 77-jährige Bouteflika nach 15 Jahren Amtszeit für weitere fünf Jahre wiedergewählt wird. Seine Nationale Befreiungsfront (FLN) beherrscht die Politik in dem ölexportierenden Land. Mehrere Oppositionsparteien, darunter die islamistische MSP, boykottierten die Wahl.

2009 hatte Bouteflika eine Mehrheit von 90 Prozent erreicht. Unter seiner Ägide wurde Algerien ein Partner der USA im Kampf gegen militante Islamisten in der Region und ein zuverlässiger Lieferant von Erdgas an Europa. Doch Bouteflika ist nach einem Schlaganfall im vergangenen Jahr geschwächt. Nur selten zeigte er sich in der Öffentlichkeit. Seinen Wahlzettel gab er im Rollstuhl sitzend ab.

Die angeschlagene Gesundheit des Präsidenten und die Frage nach einem Nachfolger nähren die Sorge um die Stabilität in einem Land, das an Libyen und Tunesien grenzt, wo nach den Revolutionen im Arabischen Frühling noch längst keine Ruhe eingekehrt ist.

Unter politischen Beobachtern und Oppositionellen ist die mittlerweile vierte Kandidatur Bouteflikas umstritten. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, Teil eines korrupten Staatsapparates zu sein, der auch vor Wahlfälschung nicht haltmache. Mehrere Parteien haben zu einem Boykott der Wahl aufgerufen. Nach ersten Zwischenergebnissen war die Beteiligung zunächst allerdings höher als 2009. Damals hatte die offizielle Wahlbeteiligung bei 75 Prozent gelegen.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International werfen dem autoritären Regime seit langem die Missachtung der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit vor. In der Hauptstadt Algier sind beispielsweise seit 2001 Protestaktionen unter freiem Himmel verboten. Damals hatte es bei Demonstrationen gegen die Regierung Bouteflikas Tote und Verletzte gegeben.