Erstellt am 20. Februar 2015, 12:45

Russische Panzer überquerten Grenze zur Ukraine. Mehr als zwanzig russische Panzer haben nach Angaben eines ukrainischen Militärsprechers die Grenze zur Ukraine überquert.

Sie näherten sich der von prorussischen Separatisten besetzten Stadt Nowoasowsk südöstlich von Mariupol, teilte der Sprecher am Freitag weiter mit. Trotz der vereinbarten Waffenruhe nahmen sich indes die Kontrahenten in der Ostukraine offenbar erneut stark unter Feuer.

Auch zehn Raketenwerfersysteme und mehrere Busse mit Kämpfern seien über die Grenze gebracht worden. Trotz der vereinbarten Waffenruhe sei in den vergangenen Tagen militärische Ausrüstung aus Russland in die Ukraine transportiert worden, fügte der Militärsprecher hinzu.

Die Küstenstadt Mariupol ist von strategisch wichtiger Bedeutung. Sie liegt zwischen der Grenze und der von Russland annektierten Krim. Bereits im vergangenen Jahr hatte die ukrainische Regierung gewarnt, die Separatisten könnten mit russischer Hilfe versuchen, eine Landverbindung zu der Halbinsel erobern.

Dutzende Verstöße gegen die Kampfpause

Unterdessen habe es im Konfliktgebiet innerhalb von 24 Stunden rund 50 Verstöße gegen die Kampfpause gegeben, teilte die Militärführung in Kiew am Freitag mit. Auch die Aufständischen warfen den Regierungstruppen Dutzende Angriffe vor. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bestätigten, dass sie am Donnerstag mehrfache Artilleriesalven in der Separatistenhochburg Donezk gehört hätten. Bei den Beschüssen sei eine Frau getötet worden, teilte der Stadtrat mit.

Nach dem Rückzug der ukrainischen Soldaten aus dem Verkehrsknotenpunkt Debalzewe kündigten die Separatisten an, sie seien zu einem Gefangenenaustausch in den kommenden Tagen bereit. Zur Versorgung der notleidenden Menschen unter anderem in Debalzewe schickte Russland erneut einen seiner umstrittenen Konvois mit Hilfsgütern ins Konfliktgebiet.

Nach Angaben des Zivilschutzes überquerten 30 Lastwagen mit insgesamt rund 200 Tonnen Hilfsmitteln die Grenze. Frühere Lastwagenkolonnen waren deutlich größer. Die Ukraine kritisiert die Lieferungen als Verletzung ihrer Souveränität und befürchtet, dass Russland den Separatisten Waffen liefern könnte.

Internationaler Friedenseinsatz

Mit einer internationalen Friedensmission will der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Westen stärker in die Konfliktlösung für die Ostukraine einbinden. Eine EU-Polizeimission unter UNO-Mandat wäre die beste Form eines internationalen Friedenseinsatzes, sagte Poroschenko am Donnerstag in Kiew.

Auch die prorussischen Aufständischen sprachen sich für eine internationale Friedensmission in der Ostukraine aus. Diese müsse sich aber auf das Grenzgebiet zwischen ihrem Territorium und den von der Führung in Kiew kontrollierten Regionen beschränken, sagten sie.

Am Freitag gedenkt die Ukraine der Opfer der Ausschreitungen auf dem Maidan vor einem Jahr. Bei prowestlichen Massenprotesten gegen den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch waren rund 100 Menschen erschossen worden. Die Umstände wurden bisher nicht aufgeklärt. Die Proteste hatten zur Flucht von Janukowitsch geführt. Nach dessen Sturz kam die proeuropäische Führung um Poroschenko an die Macht.