Erstellt am 13. Dezember 2015, 15:03

von APA/Red

Kristoffersen gewann Val d'Isere-Slalom vor Hirscher. Dank eines fulminanten zweiten Durchgangs beim Weltcup-Slalom in Val d'Isere hat Marcel Hirscher am Ende über den zweiten Platz jubeln dürfen.

Deutlich schneller war am Sonntag aber der Norweger Henrik Kristoffersen, der nach der Halbzeitführung souverän seinen fünften Weltcup-Sieg ins Ziel brachte. Dritter wurde der Deutsche Felix Neureuther.

Kristoffersen hatte am Ende 1,09 Sekunden Vorsprung auf Hirscher, der nach dem ersten Durchgang nur Achter gewesen war. In der Entscheidung zündete der Salzburger aber ein Feuerwerk und fuhr eine überlegene Laufbestzeit heraus. Hirscher verpasste seinen vierten Sieg in Serie, baute seine Weltcup-Führung auf Aksel Lund Svindal aber auf 123 Punkte aus. Der Norweger ließ die Rennen in Frankreich aus gesundheitlich Gründen aus.

Die übrigen vier Österreicher in der Entscheidung landeten nicht im Spitzenfeld. Marc Digruber (3,81) war am Ende 15., Marco Schwarz (4,05) 18., Michael Matt (4,43) kam auf Platz 20. Reinfried Herbst (5,07), der seine Karriere nach dieser Saison wohl beenden wird, wurde 24. Manuel Feller, am Vortag im Riesentorlauf noch überraschender Vierter, schied wie Christian Hirschbühl und Wolfgang Hörl schon im ersten Durchgang aus.

"Ich war schon ein bischen nervös. Das war ein wirklich guter zweiter Lauf von Marcel", ließ Kristoffersen seine Gefühle im Starthaus Revue passieren. "Ich hatte ein paar kleine Fehler, aber es war schnell. Ich bin sehr zufrieden." Der 21-Jährige war am Vortag im Riesentorlauf als Halbzeit-Zweiter gestürzt und nahm vor dem Rennen daher eine Schmerztablette ein, wie er nach dem ersten Lauf verriet. Dennoch habe er "viel Spaß" gehabt, sagte der Blondschopf.

Kristoffersen kam mit den schwierigen Bedingungen auf der Face de Bellevarde am besten zurecht und ließ die Konkurrenz im ersten Durchgang weit hinter sich. Lediglich sein Landsmann Sebastian Foss-Solevaag konnte mit 0,31 Rückstand noch halbwegs mithalten. Der Franzose Alexis Pinturault lag 0,79 zurück. Mit der Entscheidung hatten die zwei aber nichts zu tun, beide fielen aus.

Hirscher konnte sich seinen großen Rückstand im ersten Durchgang von 1,66 nicht recht erklären. "Es war schwer, auf Zug zu kommen. Ich habe gefightet, habe Gas gegeben, aber das war zu wenig", meinte der Salzburger. In der Pause zwischen den beiden Läufen tüftelte er mit seinem Team am optimalen Setup. "Ich habe ein bisserl was probiert, das hat für den zweiten Durchgang super funktioniert." Was genau er veränderte, wollte der 26-Jährige freilich nicht verraten.

Dass es am Ende so aufging, stimmte Hirscher jedenfalls positiv. "So ist es auch für den Slalom mehr Gewissheit da." Der Weltcup-Führende wolle nun ein paar Tage Pause machen. "Dann freue ich mich auf die Südtirol-Rennen, und weiter geht's zum Christkind."

Hirscher sorgte mit Platz zwei auch dafür, dass eine bemerkenswerte Serie eine Fortsetzung fand: Inklusive der WM 2009 hat es in Val d'Isere fünf Slalom-Entscheidungen gegeben, und immer war zumindest ein ÖSV-Läufer auf dem Treppchen.

Groß war die Erleichterung bei Digruber, der erstmals seit dem Jänner 2014 in Bormio wieder Weltcup-Punkte sammelte. "Ich habe alles riskiert im zweiten Durchgang. Das war ein super Lauf, bis auf einen kleinen Hakler vor dem Ziel ist mir alles aufgegangen", sagte der Niederösterreicher. "Ich habe immer gewusst, ich habe es drauf. Das habe ich heute umgesetzt."

Herbst haderte nach einem verpatzten zweiten Lauf mit dem Material. "Ich muss irgendwas erwischt haben. Ich bin ja herumgerutscht wie auf dem Eislaufplatz und habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich ins Ziel komme. Aber die Welt geht nicht unter", meinte der 37-Jährige, der nach dem ersten Durchgang noch auf Position 17 lag.

Die Ski-Herren übersiedeln nun nach Italien. Ab dem kommenden Freitag stehen in Gröden, Alta Badia und Madonna di Campiglio fünf Rennen in fünf Tagen auf dem Programm.