Erstellt am 18. September 2015, 15:15

von APA/Red

Kroatien beginnt mit Transporten an ungarische Grenze. Kroatien hat am Freitag, wie von Ministerpräsident Zoran Milanovic angekündigt, mit dem Transport von Flüchtlingen nach Ungarn begonnen.

 |  NOEN, APA (epa/Symbolbild))

"Wir organisieren Transporte von Migranten (...) nach Ungarn", sagte ein Vertreter des Innenministeriums in Zagreb, der nicht namentlich genannt werden wollte.Seit Ungarn am Dienstag seine Grenze zu Serbien dicht machte, versuchen tausende Flüchtlinge durch Kroatien weiter nach Nordwesten zu gelangen. Die Lage ist chaotisch. Ungarn begann in der Nacht auf Freitag mit dem Bau eines Zauns auch an der Grenze zu Kroatien.

Wie das kroatische Außenministerium mitteilte, sind seit Mittwoch mehr als 14.000 Flüchtlinge nach Kroatien gekommen. Wegen des Zustroms entschloss sich das Land am Donnerstagabend, sieben der acht Grenzübergänge zu Serbien zu schließen. Der Nachtzug zwischen Belgrad und Ljubljana stoppte in der Nacht auf Freitag in der serbisch-kroatischen Grenzstadt Sid. Von diesen Maßnahmen ließen sich die Flüchtlinge aber nicht abhalten. Augenzeugen zufolge umgingen zahlreiche Menschen die geschlossenen Grenzstationen über die grüne Grenze.

Kroatien will Aufenthalt verbieten

Kroatien will nun den Flüchtlingen den Aufenthalt auf seinem Territorium verbieten. Sie würden Wasser und Nahrung erhalten sowie medizinische Behandlung, aber nicht in Kroatien bleiben dürfen, sagte Ministerpräsident Zoran Milanovic am Freitag vor Journalisten. Konkret kündigte er an, die Flüchtlinge an die ungarische Grenze transportieren zu wollen. Der Weg zur ungarischen Grenze sei nämlich der kürzeste, erläuterte er.

"Kroatien kann diese Zahl nicht aufnehmen, solange die anderen wegschauen", sagte Milanovic laut der kroatischen Nachrichtenagentur Hina mit Blick auf die EU-Partner. Daher müsse das Land "neue Methoden" anwenden, die sich aber von jenen Ungarns unterscheiden würden. "Die ankommenden Menschen werden sich nicht mehr in Kroatien aufhalten können, außer dass wir ihnen Wasser und Nahrung geben und sie behandeln, wenn sie krank sind", erläuterte der sozialdemokratische Politiker den "Plan B" seiner Regierung.

In Nordostbosnien Flüchtlinge erwartet

Eine klare Absage erteilte Milanovic Erwägungen, das jüngste EU-Mitglied zu einem "Hot Spot" für Flüchtlinge zu machen. "Das würde bedeuten, dass Kroatien das Sammelzentrum für Flüchtlinge und Migranten in Europa wäre", sagte er.

Nachdem Kroatien die Grenzübergänge zu Serbien geschlossen hat, werden nun auch in Nordostbosnien Flüchtlinge erwartet. Sicherheitsminister Dragan Mektic erklärte gegenüber der Tageszeitung "Nezavisne novine" am Freitag, dass Flüchtlinge am ehesten in der Region von Bijeljina und Zvornik bosnisches Gebiet betreten könnten.

Sein Land werde aber keine Flüchtlinge über seine Kapazitäten hinaus aufnehmen können, so der Minister, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Bosnien habe nicht die Möglichkeit 50.000 oder gar 100.000 Flüchtlinge aufzunehmen, meinte Mektic.

Der bosnische Minister stellte auch die Bildung einer Flüchtlingsroute in Aussicht, worüber die Flüchtlinge gleich nach dem Betreten des bosnischen Gebietes vom Osten des Landes in Richtung Westen in die Kantone Una- und Sana an der Grenze zu Kroatien geführt würden. Dies würde bedeutet, dass sie die Grenze zu Kroatien in der Region der Krajina betreten würden.