Erstellt am 18. September 2015, 09:33

von APA Red

Kroatien: Flüchtlinge strömen über grüne Grenze. Die kroatischen Behörden sind offenbar nicht in der Lage, den von Serbien kommenden Flüchtlingsstrom aufzuhalten.

 |  NOEN, APA (epa/Symbolbild))

Zahlreiche Flüchtlinge strömten am Freitag über Felder bei der serbischen Grenzstadt Sid nach Kroatien, nachdem die offiziellen Grenzübergänge in der Gegend geschlossen worden waren, berichteten Augenzeugen. Slowenien hat unterdessen 150 Flüchtlinge nicht ins Land gelassen.

Kroatien hatte sieben seiner acht Grenzübergänge nach Serbien geschlossen, nachdem seit Mittwoch 13.000 Flüchtlinge ins Land gekommen waren. Zagreb wollte die Flüchtlinge zunächst rasch über einen Korridor über Slowenien in Richtung Österreich weiterleiten, zog sich damit aber den Unmut seiner EU-Partner zu.

Kroatien machte daher seine Grenze zu Serbien dicht. Die Schließung betrifft sieben von acht Straßenübergängen, und zwar Tovarnik, Ilok, Ilok 2, Principovac, Principovac 2, Erdut und Batina. Der Grenzübergang Bajakovo an der Autobahn Zagreb-Belgrad steht nicht auf der Liste.

Auch Slowenien kontrolliert nun stärker. Dort kam am Donnerstagabend die erste größere Flüchtlingsgruppe an. Die Polizei holte am Grenzbahnhof Dobova 200 Flüchtlinge aus einem Zug aus Zagreb. 150 Flüchtlinge, die nicht über ausreichende Ausweisdokumente verfügten, sollten ins Nachbarland zurückgeschickt werden, doch verweigerte Kroatien die Rücknahme.

Den Flüchtlingen war die Einreise verweigert worden, weil sie keine Ausweisdokumente hatten. Laut Medienberichten zeigten sie nur eine Bestätigung der kroatischen Polizei, die ihnen auferlegte, das Land innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Sie wurden noch in der Nacht mit einem Sonderzug ins westslowenische Aufnahmelager Postojna gebracht. Insgesamt waren rund 200 Flüchtlinge im Zug. Einer kleineren Gruppe erlaubte die slowenische Polizei offenbar die Einreise.

Wie die slowenische Polizei weiter mitteilte, wurden weitere 100 Personen in der Nacht auf Freitag beim Versuch, über die grüne Grenze aus Kroatien ins Land zu kommen, festgenommen. Das slowenische Rote Kreuz erwartet die Ankunft von 5.000 Flüchtlingen bis Samstag.

Slowenien hat versichert, seiner Verantwortung als Hüter der Schengen-Außengrenze gegenüber den Westbalkan-Staaten wahrnehmen zu wollen. Flüchtlinge ohne entsprechende Dokumente werden demnach nicht ins Land gelassen. Wegen der Flüchtlingskrise ist am Donnerstagabend auch der internationale Zugverkehr zwischen Slowenien und Kroatien eingestellt worden.

Serbien will die Schließung der sieben von insgesamt acht gemeinsamen Grenzübergängen durch Kroatiens vor internationale Gerichte bringen. Er möchte Kroatien und jedes andere Land darauf aufmerksam machen, dass die Schließung von internationalen Wegen nicht infrage kommen, erklärte der serbische Arbeitsminister Aleksandar Vulin in einer ersten Reaktion auf die Entscheidung Kroatiens. Man werde vor internationalen Gerichten den Schutz von wirtschaftlichen und sonstigen Interessen Serbiens verlangen, kündigte Vulin gegenüber der staatlichen Presseagentur Tanjug an. "Wir werden nicht die Zeche für die Unfähigkeit anderer zahlen", so Vulin.

Ungarn errichtet indessen auch an seiner Grenze zu Kroatien einen Zaun, um weitere Flüchtlinge abzuhalten. Dies gab der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orban am Freitag in der Früh im staatlichen Rundfunk bekannt. "Letzte Nacht wurde mit dem Bau des Zauns an der kroatischen Grenze begonnen", sagte Orban. "600 Soldaten wurden zu dem 41 Kilometer langen Abschnitt beordert, weitere 1000 werden bis zum Wochenende eintreffen." Die Grenze des Landes zu Kroatien hat insgesamt eine Länge von 355 Kilometern.

Angesichts des Flüchtlingsansturms auf Europa drängt Frankreichs Präsident Francois Hollande auf eine Einbindung der Türkei in die Bemühungen zur Beilegung der Krise. Die Beteiligung Ankaras müsse eines der wichtigsten Themen beim bevorstehenden Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sein, sagte Hollande am Donnerstag bei einem Besuch in Rom.

Die mehr als eine Million syrische Flüchtlinge in der Türkei müssten die nötigen Bedingungen bekommen, "damit sie dort bleiben und warten können, bis die Situation in Syrien gelöst ist". Die Türkei hat nach offiziellen Angaben schon mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien aufgenommen. Die tatsächlichen Zahlen werden deutlich höher geschätzt. Viele der Menschen wollen in europäische Staaten weiterreisen.