Erstellt am 18. April 2014, 11:33

Kulturgutdiebstähle lukratives Geschäft. Der Handel mit gestohlenen Kulturgütern ist ein lukratives Geschäft, der Diebstahl der Objekte ein einfacher Weg.

 |  NOEN, LPD NÖ
Viele Kunstgegenstände sind nämlich in österreichischen Kirchen zu finden, deren Türen vor allem in der Osterzeit weit geöffnet sind. Heiligenfiguren und Engelsstatuen haben es Kriminellen besonders angetan, wie Kunstfahnderin Anita Gach vom Bundeskriminalamt erzählte.

2013 wurden laut Gach in Österreich 185 einschlägige Diebstähle angezeigt. Einen Höhepunkt hatte es 2004 mit 397 Fällen gegeben. Dazu beigetragen hatten mehrere Serien von Sakralkunstdiebstählen aus Kirchen. Seither war die Anzahl der Fälle rückläufig, seit 2009 steigen sie wieder an.

Zuletzt hatten es die Diebe vor allem auf Gemälde und Statuen abgesehen. Besonders beliebt sind bei den Abnehmern jedoch Engelsfiguren und Heiligenstatuen. "Die schauen lieb aus", so Gach. Tatorte waren großteils Kirchen sowie private Wohnhäuser bzw. Wohnungen. "Es hat sich herumgesprochen, dass man damit Geld machen kann", sagte Gach. Meist stecken Gelegenheitsdiebe dahinter, große Auftraggeber im Hintergrund gibt es kaum.

Kirchen am Land besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind vor allem Kirchen am Land, wo die Räumlichkeiten offen, aber weniger besucht sind. Dort verschwinden sakrale Kunstwerke öfter als in einer belebten Stadtkirche. Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Ravelsbach (Bezirk Hollabrunn) in Niederösterreich hat etwa den Altarbereich mit einem Gitter absperren lassen und alarmgesichert - eine Maßnahme, die in Gotteshäusern äußerst selten ist.

Gach wäre schon froh, wenn die Kunstgegenstände mittels Fotografie und Beschreibung dokumentiert wären. Aus diesem Grund hat das Bundeskriminalamt vergangenes Jahr einen Informationsfolder zum Schutz von Kulturgütern herausgegeben und steht mit den Diözesen in Kontakt, um die Verantwortlichen von kirchlichen Einrichtungen in Kriminalprävention zu schulen. "Jeder, der Kunstgegenstände hat, kann sich vom kriminalpolizeilichen Beratungsdienst Tipps holen", so Gach.

Dass man vor dreisten Dieben jedoch nie gefeit ist, zeigte ein Fall in St. Pölten, bei dem von der Mariensäule am gut einsichtigen Herrenplatz zwei barocke Engelstatuen entwendet wurden. Im Plastiksackerl verstaut wurden die Figuren wenig später in einem Gebüsch gefunden. Dem Dieb dürfte die Ware aufgrund der medialen Berichterstattung zu heiß geworden sein.

"Würde mir wünschen, dass Leute mehr fragen, wenn sie so etwas kaufen"

Ein Engerl im Supermarktsackerl ist kein Einzelfall: Gach wurde einmal ein in Oberösterreich gestohlener Engel im Billa-Sackerl überreicht. Ein Mann hatte die Statue auf einem Flohmarkt gekauft und war durch die Fahndung der Polizei darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich bei dem erstandenen Barockengel um Diebesgut handelt.

"Ich würde mir wünschen, dass die Leute mehr fragen, wenn sie so etwas kaufen", sagte die Leiterin der Abteilung für Kulturgutfahndung. Die meisten würden sich mit Ausreden wie "die Statue stammt von der Kapelle meiner Oma" zu schnell zufriedengeben. "Bei jedem Ei kennt man den Bauern, dem die Henne gehört, aber von Engeln, die 10.000 Euro kosten, weiß man von der Herkunft nichts."

Die Abteilung von Gach durchforstet regelmäßig Internetforen und Verkaufsportale, um auf die Spur möglicher gestohlener Kunstgegenstände zu kommen. Was sich jedoch als schwierig erwiesen hat: Auf der Auktionsplattform Ebay Österreich etwa gibt es unter der Rubrik "Antiquitäten und Kunst" meist 700.000 Angebote.

"Da haben wir die Ressourcen nicht", so Gach. Neben dem Internet werden regelmäßig Kunsthändler, Antiquitätenhändler, Flohmärkte und Kunstforen kontaktiert. Eine große Hilfe war die Internetfahndung von Kunstgegenständen auf der Seite des Bundeskriminalamtes. Auch Interpol bietet in Sachen weltweite Vernetzung u.a. eine eigene Kunstdatenbank an. Vor einigen Jahren ist sie öffentlich zugänglich gemacht worden.