Erstellt am 02. September 2014, 10:15

von APA/Red

Haselsteiner kauft Essl-Sammlung über Stiftung. Die Kunstsammlung von Karlheinz Essl, Gründer der angeschlagenen Baumarktkette bauMax, soll von NEOS-Unterstützer und Unternehmer Hans Peter Haselsteiner gekauft werden.

Karlheinz Essl und Hans Peter Haselsteiner  |  NOEN, APA
Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner übernimmt die Kunstsammlung von baumax-Gründer Karlheinz Essl. Abgewickelt werde der Deal Medienberichten zufolge über die seit Montag eingetragene "SE-Sammlung Essl GmbH", die zu 60 Prozent der ZMH GmbH gehört, hinter der die Haselsteiner-Privatstiftung steht. 40 Prozent halten zwei Essl-Familienstiftungen.

Den Gläubigerbanken sollen aus dem Deal über 100 Mio. Euro zufließen. Eine offizielle Bestätigung gab es vorerst nicht. Der gesamte österreichische Bestand der Sammlung dürfte erhalten bleiben. Besonders wertvolle Werke deutscher Künstler sollen bei einer Auktion in London im Oktober versteigert werden. Der Erlös soll zur Rettung der baumax-Kette beitragen.

Republik hatte Kauf abgelehnt

Trotz einer Ausgliederung in eine gemeinnützige Stiftung wurde die Kunstsammlung durch eine fünfjährige Nachhaftung in die finanziellen Schwierigkeiten der Baumarktkette involviert. Im Frühjahr hatte die Forderung von bauMax-Gründer Karlheinz Essl nach einem Ankauf seiner Sammlung durch die Republik Österreich für Aufregung gesorgt.

Im Rahmen eines Runden Tischs im Bundeskanzleramt hatte Essl sein Angebot schließlich zurückgezogen, als klar wurde, dass der erhoffte Ankauf durch öffentliche Gelder nicht durchzubringen war. Zuletzt war immer wieder von in Auftrag gegebenen Schätzungen durch Auktionshäuser die Rede gewesen, auch von einem bald bevorstehenden Verkauf von Sammlungsteilen in London. Offizielle Bestätigungen gab es dafür nicht.

Haselsteiner-Sprecherin bestätigt Kunst-Deal

Eine Sprecherin von Hans Peter Haselsteiner hat am Dienstag den Kauf der Sammlung Essl durch den Baumagnaten bestätigt. Es stimme, dass Haselsteiner über seine Familien-Privatstiftung "60 Prozent der Gesellschaft erworben hat, die Eigentümerin der Sammlung Essl ist", so Diana Klein, Sprecherin von Haselsteiners Baufirma Strabag. Auch die weiteren kolportierten Informationen seien korrekt.

Haselsteiner selbst steht Klein zufolge für weitere Auskünfte aktuell nicht zur Verfügung. Er befinde sich derzeit auf Kur. Im Essl Museum geht der Betrieb indes unverändert weiter. Schon am Donnerstag findet in Klosterneuburg die nächste Ausstellungseröffnung statt. Sie ist in Kooperation mit dem Forum Frohner Krems dem 2007 verstorbenen Künstler Adolf Frohner gewidmet.

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Mit dem Verkauf seiner berühmten Kunstsammlung an die Republik wollte bauMax-Gründer Karlheinz Essl Ende März seine angeschlagene Baumarktkette retten - und sorgte damit für Aufregung. Nun soll der Industrielle Hans Peter Haselsteiner laut Medienberichten die zuletzt auf bis zu 160 Mio. Euro Marktwert geschätzte Sammlung übernehmen.

Die Sammlung Essl in Klosterneuburg umfasst etwa 4.900 Positionen mit annähernd 7.000 Werken und zählt zu den größten und bedeutendsten privaten Sammlungen für zeitgenössische Kunst in Europa. Praktisch alle wesentlichen Kunstströmungen Österreichs sind mit Schlüsselarbeiten seit 1945 vertreten, aber auch internationale Pendants.

In den 1970er-Jahren beginnen Agnes und Karlheinz Essl, die einander in Amerika kennengelernt hatten, zeitgenössische Kunst zu sammeln. Werke von Friedensreich Hundertwasser und Kurt Moldovan markieren den Beginn. In den 1980er-Jahren wächst die Privatsammlung zur bedeutendsten Sammlung österreichischer Nachkriegskunst, den Kern bildet österreichische Kunst ab 1945 mit Werken u.a. von Maria Lassnig, VALIE EXPORT, Arnulf Rainer, Max Weiler, Markus Prachensky, Künstlern des Wiener Aktionismus wie Hermann Nitsch und Günter Brus, Malerei der 1980er-Jahre bis zur jüngeren Generationen wie Elke Krystufek und Clemens Wolf.

"Gäbe es die Sammlung Essl nicht, gäbe es keine Übersicht der österreichischen Kunstgeschichte der letzten sechzig Jahre", wurde Kunstexperte Otto Hans Ressler, der langjährige Geschäftsführer der Kunstauktionen im Kinsky in Wien, Ende März in einer Aussendung des Essl Museums zitiert. "In diesem Sinne ist die Sammlung nicht nur ein nationales Kulturgut, das höchsten Schutz genießt, sondern muss als geschlossenes Ganzes gesehen werden. Gäbe es die Sammlung Essl nicht, könnten österreichische Museen und andere staatliche Institutionen auch bei intensivster Bemühung und größtem finanziellen Aufwand diesen Teil künstlerischen Schaffens in Österreich nicht mehr rekonstruieren."

Positionen aus aller Welt

Die Ausstellungen der Sammlung finden sowohl im Essl Museum (Eröffnung 1999) als auch im Schömer-Haus, der Firmenzentrale von bauMax (Eröffnung 1987) in Klosterneuburg statt. Beide Häuser wurden vom österreichischen Architekten Heinz Tesar geplant. Seit Beginn der 1990er-Jahre wird auch verstärkt international gesammelt. Die Sammlung umfasst weiters Positionen zeitgenössischer Kunst aus Europa, den USA, Australien und Asien. Das zur Gänze privat finanzierte Museum versteht sich auch als Experimentierfeld für junge Kunst. Im Wechsel werden einmal jährlich "emerging artists", junge, am Markt noch nicht etablierte Kunst, und die Preisträger des "Essl Art Awards CEE" präsentiert.

Von Beginn an ist die Pflege der zeitgenössischen, elektronischen und experimentellen Musik durch Konzerte, Performances und Klanginstallationen in den Ausstellungsräumen integraler Bestandteil des Museumsprogramms. Damit hat sich ein international renommiertes Forum Neuer Musik im musealen Kontext etabliert. Seit 2011 bildet das Essl Museum auch eine Plattform für neue Literatur. In Lesereihen und Publikationen wird das Zusammenspiel von Literatur und zeitgenössischer Kunst ausgelotet.

Sammlung ist 130 bis 160 Mio. Euro wert

Über Besucherzahlen und finanzielle Details hielt sich das Sammlerpaar stets bedeckt. Im Zuge der bauMax-Krise hatte Karlheinz Essl die Sammlung der Republik angeboten, was vonseiten des Kulturministers Josef Ostermayer (SPÖ) nach einem Runden Tisch zur Situation jedoch abgelehnt wurde. Kolportiert wurde damals ein Buchwert von 86 Millionen Euro. Die internationalen Spezialisten von Sotheby's und Christie's kamen später bei einer Prüfung allein des internationalen Teils (1.700 Bilder) Kreisen zufolge auf einen Marktwert von über 100 Mio. Euro. Die 3.200 Werke österreichischer Künstler nahm das Dorotheum unter die Lupe. Insgesamt dürfte sich der Wert der gesamten Sammlung laut früheren Medienberichten zwischen 130 und 160 Mio. Euro bewegen.