Erstellt am 03. Juli 2014, 11:31

von APA Red

Lahm-Debatte setzt Löw unter Druck. Joachim Löw steht in Brasilien mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Scheideweg. In seinem 110. Länderspiel als deutscher Bundestrainer geht es gegen Frankreich am Freitag um mehr als den Einzug ins WM-Viertelfinale.

In seinem 110. Länderspiel als deutscher Bundestrainer geht es gegen Frankreich am Freitag um mehr als den Einzug ins WM-Viertelfinale. Die Debatten um Kapitän Philipp Lahm und das Spielsystem lassen die Partie im Maracana von Rio de Janeiro fast zu einem Schicksalsspiel für den 54-Jährigen werden.

Von Löws wichtigstem Spiel seiner bereits achtjährigen Amtszeit als Teamchef ist im Vorfeld die Rede. Der Badener selbst sieht dies anders. "Oh nein, um Gottes Willen", antwortete er im ARD-Hörfunk: "Da gab es schon Spiele, die genauso wichtig waren." Trotzdem dürfte ein negativer Ausgang im legendären Maracana für den bei 74 Länderspiel-Siegen haltenden Löw Konsequenzen haben.

Sein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorzeitig verlängerter Vertrag bis Mitte 2016 wäre dann kaum eine Jobgarantie. Ein Viertelfinal-Aus wäre nach dem EM-Finale 2008 und zwei Halbfinal-Teilnahmen bei der WM 2010 sowie der EM 2012 das schlechteste Ergebnis von Löw als Chefcoach.

Bereits nach dem K.o. im EM-Halbfinale vor zwei Jahren gegen Italien musste sich Löw Kritik von allen Seiten stellen. In Brasilien zeigte das mühsame 2:1 n.V. gegen Algerien im Achtelfinale nun ähnliche Wirkung.

Dem früheren Tirol- und Austria-Trainer wird mangelnde Flexibilität im Spiel vorgeworfen. Ganz Deutschland diskutierte über taktische Ausrichtung und Personalentscheidungen. Im Zentrum steht die Positionierung von Kapitän Lahm. Der Bayern-Profi ist für Löw im defensiven Mittelfeld gesetzt, Experten sehen ihn auf der Außenbahn.

Sogar Deutschland Bundesinnenminister Thomas de Maiziere schaltete sich in die Diskussion ein. "Ich bin einer von 80 Millionen Bundestrainern. Ich würde Lahm rechts hinten spielen lassen", sagte der auch für den Sport zuständige Minister, der das Algerien-Spiel in Porto Alegre live miterlebt hatte.

Michael Ballack, langjähriger DFB-Kapitän, sieht Lahm ebenso wie der langjährige Bundesliga-Trainer Felix Magath am besten links in der Viererkette aufgehoben. Für Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus ist die Besetzung der Außenpositionen mit gelernten Innenverteidigern ohnedies "ein großes Problem". Diskutiert wurde die Lahm-Rolle offenbar auch im engsten Führungszirkel des Trainerstabs.

So wurden angeblich vor dem Achtelfinale getätigte Aussagen von Löw, wonach Lahm nur "im Notfall" zurückrücken werde, vor dem Frankreich-Spiel wieder relativiert. "Natürlich wird kontrovers diskutiert", bestätigte Torhüter-Trainer Andreas Köpke. Bereits gegen Algerien musste der für seine Verhältnisse bisher unterdurchschnittlich agierende Lahm für den verletzten Shkodran Mustafi rechts hinten einspringen. Er scheint dort am Freitag die einzige Alternative zu sein.