Erstellt am 09. März 2015, 11:52

von APA/Red

Rund 50 Lawineneinsätze in Tirol in drei Tagen. Die zahlreichen Lawinenabgänge am vergangenen Wochenende in Tirol haben die Einsatzkräfte mehr als auf Trab gehalten.

Von Freitag bis Sonntag wurden "ziemlich genau 50 organisierte Einsätze" mit Hubschraubern und Rettern verzeichnet, sagte der Tiroler Lawinenexperte Rudi Mair, am Montag im Gespräch mit der APA. Mehr als 90 Prozent der Schneebretter wurden durch die Wintersportler selbst ausgelöst.

Mehrere teils Schwerverletzte

Die meisten Lawinenabgängen im Bundesland hatten zwar glimpflich geendet. Es gab aber auch mehrere teils Schwerverletzte. "Die vergangenen Tage waren ungewöhnlich, aber nicht überraschend", spielte Mair auf die Warnungen des Lawinenwarndienstes im Vorfeld an.

Der frische Neuschnee, "brutalster Wind", Schneeverwehungen und Triebschneeansammlungen auf lockerer Unterlage hätten vor dem Wochenende die Grundlage für lawinenintensive Tage vor allem in höheren Lagen ab 2.000 Metern gelegt. "Aber dass diese Lawinensituation über drei Tage anhält, ist ungewöhnlich viel. Normalerweise spitzt es sich an einem Tag zu", erklärte Mair.

Dazu sei gekommen, dass viele an einem relativ milden, schönen Wochenende "nicht zu bremsen" gewesen seien. Bei den Erkundungsflügen habe man aber auch gesehen, dass viele Tourengeher und sonstige Wintersportler zurückhaltend agiert hätten, brach der Chef des Lawinenwarndienstes eine Lanze für die Freizeit-Alpinisten.

"Es gibt immer welche, die für keinerlei Warnungen zugänglich sind. Aber der Großteil ist recht vernünftig", meinte Mair. Nicht jeder, der an solchen Tagen im freien Skiraum unterwegs ist, sei ein potenzieller Selbstmörder. Aber man müsse Warnungen ernst nehmen, etwa jene, nicht über 35 Grad steile Hänge zu befahren.

Bisher zwölf Lawinentote in Tirol

Mit bisher zwölf Lawinentoten in Tirol im heurigen Winter liege man überdies im 20-jährigen Schnitt, gab Mair zu bedenken. Dabei seien aber mindestens zehn Mal so viele Wintersportler in den Bergen unterwegs wie damals, nahm der Experte vor allem auf den Skitouren-Boom sowie auf neue Trendsportarten wie das Freeriden Bezug. "Relativ gesehen passiert weniger", schlussfolgerte Mair.

Der heurige Winter sei in Bezug auf die Lawinensituation jedenfalls denkbar schlecht und ungünstig verlaufen. Man sei schon mit einem schlechten Aufbau der Schneedecke in den Winter gestartet. "Dann gab es nur geringe Schneemengen und viel Wind", blickte der Experte zurück.

Die angespannte Situation habe so durchgehend angehalten. "Ich habe es in meiner 25-jährigen Tätigkeit noch nie erlebt, dass über eineinhalb Monate durchgehend Lawinenwarnstufe "3" herrschte", sagte der oberste Lawinenwarner Tirols.

Den weiteren Verlauf der Lawinengefahr könne man noch nicht genau einschätzen. Kurzfristig ging Mair aber von einer Entspannung aus. Im aktuellen Lagebericht prognostizierte der Lawinenwarndienst eine weitere Besserung der Situation. Am Montag herrschte in Tirol "mäßige Gefahr", also Stufe "2" der fünfteiligen Skala.

Die Lawinengefahr sei durch den Wärme- und Strahlungseinfluss der vergangenen Tage inzwischen zurückgegangen und könne am Vormittag unterhalb etwa 1. 600 Metern sogar als gering beurteilt werden, hieß es.