Erstellt am 16. April 2015, 09:43

von APA/Red

Häupl erntet weiter schlechte Noten für Arbeitszeit-Sager. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hat auch einen Tag nach seiner Aussage über die diskutierte Erhöhung der Unterrichtszeiten für Lehrer Kritik dafür einstecken müssen.

Sogar rote Lehrervertreter zeigten sich "bestürzt". Dem Bürgermeister wurde unter anderem ein Schulbesuch nahegelegt.

Eine derartige Meldung schmerze, weil Häupl prinzipiell als schul- und lehrerfreundlich gelte, befand der Vorsitzende des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreichs (SLÖ), Patrick Wolf. Die Äußerung sei nicht witzig und stoße alle Lehrer vor den Kopf. Der SLÖ empfahl all jenen, die "ernsthaft der Meinung sind", dass Lehrer nur 22 Stunden arbeiten, einen Besuch in einer Schule oder Gespräche mit Pädagogen.

GÖD-Vizechef Peter Korecky (FSG) spricht im Donnerstag-"Kurier" von einem "intellektuellen Probelauf für eine rot-blaue Koalition". Er empfiehlt der SPÖ, sich zu überlegen, "mit welchem Spitzenkandidaten sie in die Wien-Wahl geht", wenn Häupl diesen populistischen Stil beibehält.

Schon auf Twitter hatte er zu "keinerlei Wahlkampfunterstützung für eine Häupl-SPÖ" aufgerufen, weil der Bürgermeister "FPÖ-Populismus" probe. Korecky fühlt sich an Häupls Wehrpflicht-Schwenk kurz vor der Wahl 2010 erinnert.

Damals habe der Wiener Bürgermeister "nicht nur den damaligen Verteidigungsminister Darabos desavouiert, sondern auch über Bord geworfen, was für die SPÖ lange Zeit gegolten hat - um billig ein paar Stimmen zu gewinnen". Beim jetzigen "Lehrer-Bashing" habe Häupl "den selben Hintergedanken: Billig Stimmen zu holen".

"Enorm schädigend für Lehrer"

Etwas deftiger formuliert es Heinrich Himmer, der sozialdemokratische Vizevorsitzende der Gewerkschaft der BMHS-Lehrer, im "Standard": "Dass er mediale Rülpser loslässt, passiert ja nicht das erste Mal. Es ist ja bekannt dafür, dass er jeden Kalauer, der herumliegt, egal ob er Leute in der Partei oder außerhalb triff, aufnimmt."

Wobei in diesem Fall die Folgewirkung auf Kosten aller Lehrer "enorm schädigend" sei. Die FSG will Häupl nun "einladen, in Schulen zu kommen und sich das anzuschauen" - und den Kollegen in einem Brief dessen Meinung darstellen. Denn viele Kollegen würden den Parteiaustritt oder die Niederlegung ihrer Gewerkschaftsfunktion überlegen.

Die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-LehrerInnen im BSA (Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen) distanzierten sich ebenfalls. Eingemahnt wurde ein wertschätzender und sachlicher Ton.

"Arbeitszeiten nicht nur in der Klasse"

"Darüber hinaus möchten wir festhalten, dass die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer nicht nur aus der Anwesenheit in den Klassen besteht, sondern auch andere Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts als Arbeitszeit veranschlagt werden müssen", wurde in einer Aussendung erläutert. Wenn der Bürgermeister bei Politikern die volle Arbeitszeit einberechne, müsse das auch für Lehrer gelten.

Dass Häupl Lehrern kollektiv Faulheit unterstelle, zeige seine geringe Wertschätzung für den "wichtigsten Rohstoff, den wir haben", rügten der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka und die schwarze Landtagsabgeordnete Isabella Leeb: "Populistische Sager und die Desavouierung eines gesamten Berufsstandes bringen uns im Ringen um ein besseres Bildungssystem nicht weiter", hielten sie in einer Aussendung fest.

Häupls "Entgleisung" ist objektiv widerlegbar - davon ist die FPÖ überzeugt. Wiens FP-Bildungssprecher Dominik Nepp verwies in einer Aussendung ebenfalls auf das Gesamtpensum: "Unsere Pädagogen machen einen Knochen-Job. Nur die Zeit, die sie in der Klasse verbringen, als ihre Leistung zu werten, ist extrem unfair und purer Populismus. Das ist billiges Wahlkampf-Getöse auf dem Rücken einer Berufsgruppe."

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