Erstellt am 20. Januar 2015, 12:38

von APA Red

Lehrer erwarten nicht viel von Bildungsreform. Die Lehrer-Vertreter erwarten von der am Donnerstag startenden Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung eher wenig.

"Ich sehe das weder zu optimistisch noch zu pessimistisch. Meine Erwartungen sind in einem sehr pragmatischen Bereich", formulierte es der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger, gegenüber der APA.

"Man darf sich keine Weltwunder erwarten", meinte Kimberger. "Man sollte sich jedenfalls den Themen widmen, die Eltern, Lehrern und Kindern wichtig sind: Wie können wir die Finanzierung der Schulen bzw. die Qualität sicherstellen? Wie können wir die Schulen von der Dauerbevormundung des Minoritenplatzes (Sitz des Bildungsministeriums, Anm.) und der Landesschulräte befreien, also eine wirkliche Schulautonomie angehen?"

Auch in Sachen Frühkind- und Elementarpädagogik sollte es neue Initiativen geben, meinte Kimberger. Gleiches gelte für den Kampf gegen Radikalisierung und Jihadismus. Umgekehrt sollte man sich nicht mehr "ideologisch gefärbten Diskussionen um die Schulorganisation" widmen. Auch von "Machtspielen oder Vorschlägen, die man sich eigentlich ersparen kann - siehe Mindestgrößen für Schulen" solle man die Finger lassen.

Ebenfalls keine großen Änderungen erwartet sich der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin - wobei das aber nicht so tragisch sei. "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis", meinte er in Richtung Arbeitsgruppe. "Die Politik ist im Moment ein Opfer ihrer selbst. Sie redet ständig die Notwendigkeit einer Bildungsrevolution herbei und treibt sich damit in eine Reformspirale - obwohl es ohnehin funktioniert."

Bestes Beispiel sei die jüngste Schulverwaltungsreform mit der Abschaffung der Bezirksschulräte, so Quin: "Das hat nichts an Einsparung gebracht, und am Schluss sieht es eigentlich aus wie vorher."Ähnliches werde auch die Arbeitsgruppe als Ergebnis bringen: "Wenn ich tatsächlich etwas anders machen will, müsste ich nämlich Geld in die Hand nehmen. Wenn ich kein Geld habe, muss ich etwas halt anders nennen."

Aufgrund der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe aus Bundes- und Landespolitikern erwartet Quin vor allem Diskussionen um die Schulverwaltung, wobei es dort aber kaum Einsparpotenzial gebe: "Wenn zwei Prozent der Mittel dorthin fließen, werden sie keine großen Summen rausquetschen können. Bei den Gesprächen geht es um mehr Einfluss - nicht im Sinne von Postenschacher, sondern bei der Umsetzung eigener Vorstellungen. Das ist jetzt auch gar nicht negativ konnotiert."

Insgesamt sei es relativ egal, wer jetzt Dienstgeber der Lehrer sei, meinte Quin. "Für eine effiziente Verwaltung braucht man Dinge wie eine Buchhaltung oder eine Rechtsabteilung. Da man nicht alles vom Minoritenplatz machen kann, wird es auch in Vorarlberg irgendeine regionale Behörde geben müssen. Aber ob das jetzt eine Landes- oder eine Bundesbehörde ist, ist vollkommen gleich."

Natürlich könne und solle man immer an einigen Stellschrauben drehen, so der Gewerkschafter. So sei es etwa nicht nötig ,dass im Bundesschulbereich ein Akt zur Bestellung eines Direktors über Stellen an der Schule, im Land und im Ministerium bis hinauf zum Bundespräsidenten gehe und auf dem Weg - manchmal aus durchaus nachvollziehbaren Gründen - liegen bleibe. Auch Dinge wie die Ernennung von Oberstudienräten müssten nicht unbedingt von der Ministerin unterschrieben werden. Da könne man überlegen, ob nicht die Unterschrift eines Landesvertreters reicht. "Man muss und soll aber nicht gleich alles niederreißen. Im Großen und Ganzen funktioniert es ja recht gut."

Ebenfalls wenig von einer großen Verwaltungsreform-Diskussion halten die Eltern- und Schülervertreter. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, Theodor Saverschel, will vielmehr bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrer sowie bei den Lehrplänen ansetzen.

"Wir sollten einmal die Lehrpläne überarbeiten und etwas spezifizierter gestalten", so Saverschel zur APA. "Ansonsten ist zu viel Lehrplan da für zu wenige Stunden." Auch in die Ausbildung der Pädagogen müsse man investieren. "Da haben wir noch immer Schwierigkeiten - auch universitär, nicht nur bei den Pädagogischen Hochschulen (PH). Es heißt zwar immer, da sind wir so gut, das stimmt aber nicht."

Auch eine stärkere Verlegung der Lehrer-Weiterbildung in die Ferienzeit solle einmal angegangen werden, da noch immer deshalb zu viele Supplierstunden anfielen. "Die PH sagen, sie machen in der Ferienzeit nichts, weil es keine Nachfrage der Lehrer gibt. Die Lehrer sagen umgekehrt, sie würden ja gern, nur es gibt kein Angebot."

Darüber hinaus müsse sowohl das Personal im pädagogischen bzw. im Unterstützungsbereich angehoben werden, meinte Saverschel. Zusätzliche Sozialarbeiter und Psychologen, aber auch Schulwarte würden die Lehrer entlasten. Ganz sicher nicht brauche man dagegen eine neue Gesamtschul-Diskussion, so der Elternvertreter. "Es liegt so viel im Argen, aber man versucht, Strukturen zu ändern, die sekundär sind." Wenig Freude hat Saverschel mit den "sogenannten Experten, die sicher wieder als Berater in der Arbeitsgruppe auftauchen und die das, was sie beschließen, nicht ausbaden müssen".

Der Verband der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen erwarte sich von der Arbeitsgruppe eine Klarstellung und einige Verbesserungen. Zunächst müsse der Besuch der öffentlichen Pflichtschulen kostenlos bleiben, so Vorsitzender Christian Morawek zur APA. Außerdem müssten "versteckte Schulkosten" wie Kopier- oder Bastelgeld wegfallen und Elternbeiträge etwa für Mittagessen oder Nachmittagsbetreuung bundesweit einheitlich gestaltet und sozial gestaffelt werden. Außerdem sollten kostenlose Stütz- und Förderkurse an allen Schulen angeboten und die Beihilfen laufend der Inflation angepasst werden.

Aus einer Diskussion um eine Verländerung der Lehrer will sich der Verband heraushalten. "Das ist nicht unsere Sache", so Morawek. Er persönlich sei für eine Beibehaltung der bisherigen Kompetenzverteilung, da diese im Großen und Ganzen funktioniere.

Auch Bundesschulsprecher Lukas Faymann appelliert an die Arbeitsgruppe, ideologiebehaftete Struktur- und Verwaltungsfragen auf das Nötigste zu beschränken. "Man sollte sich eher fragen 'Ist die Stundenverteilung in Ordnung?' oder 'Ist die Fächerverteilung in Ordnung?'", so Faymann zur APA. Außerdem müssten auch akute Probleme wie die Kürzung der Vorbereitungsstunden für die neue mündliche Matura angesprochen werden.