Erstellt am 25. Juli 2016, 09:59

Warnung vor Personalengpass in Kunst und Werken. Der Berufsverband Österreichischer Kunst- und WerkerzieherInnen (BÖKWE) warnt vor einer Verschärfung des Personalmangels bei Zeichen- und Werklehrern durch die neue Pädagogenausbildung.

 |  NOEN, zVg

Schon jetzt gebe es zu wenig qualifizierte Fachlehrer. Die Reform führt nun nicht nur in Ost-, sondern auch Südösterreich zu weniger Ausbildungsplätzen. Das Bildungsressort sieht dennoch keinen Anlass zur Sorge.

Schon jetzt werde Bildnerische Erziehung, Textiles und Technisches Werken an den Neuen Mittelschulen (NMS) "in großem Ausmaß" von Lehrern ohne entsprechende Ausbildung unterrichtet, kritisiert der BÖKWE. Am Land und verstärkt in den südlichen und westlichen Bundesländern würden auch an den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) Fachlehrer fehlen.

"Großteil der Absolventen bleibt in Städten"

Der Grund: "Ein Großteil der AbsolventInnen der Kunstuniversitäten aus Wien, Linz und Salzburg bleibt in den Städten, verhältnismäßig wenige kehren in die Bundesländer zurück oder wechseln in den ländlichen Raum." So waren laut BÖKWE etwa für das kommende Schuljahr in der Steiermark nur sieben der 70 Bewerber für diese Fächer voll qualifiziert.

Die neue Lehrerausbildung führt nun dazu, dass zumindest vorübergehend in fünf der neun Bundesländer die Pädagogischen Hochschulen (PH) keine Kunst- und Werklehrer mehr ausbilden dürfen. Hintergrund: In der Reform ist vorgeschrieben, dass die PH in der Ausbildung von Sekundarlehrern (v.a. Neue Mittelschule/NMS, AHS, BMHS) künftig nur noch jene Studien anbieten dürfen, in denen sie mit einer (Kunst-)Universität kooperieren.

Im Cluster Nord-Ost (Wien, Niederösterreich) gibt es allerdings keine Kooperation mit Kunstunis, die sich um die Qualität ihrer Studien sorgen. Deshalb dürfen hier die PH vorerst keine Zeichen- und Werklehrer ausbilden, für Musiklehrer gibt es nur ein befristetes Quereinsteigerprogramm. Zusätzlich sind nun auch in der Region Süd-Ost (Steiermark, Kärnten, Burgenland) Probleme aufgetaucht: Dort ist zwar die Kunstuni Graz mit im Boot, diese bildet aber nur Musiklehrer aus. Zeichnen und Werken fehlen also.

Ursprünglich war im Verbund Süd-Ost für beide Fächer bereits ein Angebot geplant, wie Martin Polaschek, Vizerektor der Uni Graz, im APA-Gespräch erklärt. Beide sind aber derzeit nicht umsetzbar. Ein geplantes Quereinsteigerstudium für Zeichenlehrer, bei dem Kunstabsolventen das didaktische und erziehungswissenschaftliche Rüstzeug bekommen, sei an der Finanzierung gescheitert. In den nächsten Jahren soll nun in Kooperation mit einer anderen Kunstuni eine komplette Zeichenlehrerausbildung auf die Beine gestellt werden, mit der Kunstuni Linz gebe es bereits Gespräche.

Textiles und Technisches Werken kombiniert

Die Einführung einer regulären Werklehrerausbildung wurde verschoben: Ab 2021 sollen Textiles und Technisches Werken nämlich zu einem einzigen Pflichtgegenstand zusammengelegt werden. Man hätte laut Polaschek daher nur die Ausbildung für ein Fach, das es in dieser Form bald nicht mehr geben wird, anbieten können. Der Verbund will nun stattdessen abwarten, wie das neue Fach in der Praxis ausgestaltet sein soll. Im Herbst solle eine bundesweite Arbeitsgruppe zu dieser Frage starten.

Geht es nach dem Bildungsministerium, ist der Einsatz qualifizierter Absolventen auch ohne entsprechende Lehrerausbildung in allen Bundesländern sichergestellt. Man erwartet dort auch nicht, dass künftig mehr fachfremde Lehrer als bisher eingesetzt werden müssen. Immerhin würden sich gerade im künstlerischen Bereich Studienangebote für Quereinsteiger anbieten, es gebe genug Potenzial an qualifizierten Künstlern. Diese dürfen auch weiterhin mit Sondervertrag unterrichten, hieß es zur APA. Für die Zukunft gibt man sich im Ministerium optimistisch: Auch dort, wo es derzeit keine Zusammenarbeit von PH und Kunstunis gebe, würden die Institutionen "durchgehend Bereitschaft für eine Zusammenarbeit" zeigen.