Erstellt am 09. September 2016, 12:14

ÖLV-Präsident Vallon trat zurück. Im österreichische Leichtathletikverband sind am Freitag wichtige Personalentscheidungen gefallen. Der seit 2011 als Präsident amtierende Ralph Vallon erklärte seinen Rücktritt.

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Der ehrenamtlich für den ÖLV arbeitende Geschäftsmann begründete den Schritt mit beruflichen und privaten Notwendigkeiten. Als neuer Sportdirektor wurde indes Ex-Athlet Gregor Högler bestellt.

"Es ist ein guter Zeitpunkt zu sagen, dass man neue Wege geht", sagte Vallon im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Er sah seine Aufgabe als erfüllt an: "Ich glaube, dass wir in den letzten fünfeinhalb Jahren sehr gute Ergebnisse hatten. Ich bin guter Dinge." Bis zur Neuwahl beim nächsten Verbandstag am 19. November übernimmt interimistisch Sonja Spendelhofer das Präsidentenamt.

Dass seine Entscheidung mit dem Hickhack der vergangenen Tage zu tun hatte, wollte Vallon nicht gelten lassen. Nach einem laut eigenen Angaben "in ein, zwei Dingen nicht ganz richtigen", weil auch nicht autorisierten Interview mit einer Wiener Bezirkszeitung hatte Vallon die Leistungen der Olympia-Starter Jennifer Wenth und Andrea Mayr in der Vorwoche kritisch hinterfragt. In den sozialen Netzen wurde er dafür heftig kritisiert, wobei sich wiederholt der ehemalige ÖLV-Trainer Wilhelm Lilge hervortat.

Mit besagtem Interview "hat er (Vallon, Anm.) aber den Rubikon überschritten und ist für den ÖLV absolut untragbar geworden", schrieb Lilge in seinem Blog. Vallons Replik: Lilge sei "heute hauptsächlich Facebook-Verantwortlicher". Als Trainer im Verband habe er es hingegen nicht geschafft, seine Athleten an die Spitze zu führen. Eine Breitseite bekam auch ein kritischer Journalist ab, der als "typischer Intrigant" bezeichnet wurde.

Noch einmal betonte Vallon - er hatte sich für seine Aussagen bereits entschuldigt - , dass er hinter jedem Athleten stehe. "Das habe ich die letzten fünfeinhalb Jahre gemacht und so soll es sein." Im kommenden März wäre er "aufgrund von Aufgaben, die anstehen" zur Wiederwahl ohnehin nicht mehr angetreten. Familie und Firma würden ihren Tribut zollen, meinte der 61-jährige Vallon. Die Weichen für eine sportlich erfolgreiche Zukunft seien jedenfalls gestellt.

Der ab 1. Oktober als neuer Sportdirektor arbeitende Gregor Högler soll die Aufgabenbereiche der Trainer in den Bundesländern und Vereinen besser koordinieren. "Klare Hierarchien" (Vallon) sollen geschafft werden. Der bisherige Sportdirektor Hannes Gruber soll den ehemaligen Speerwerfer als Sportkoordinator im administrativen Bereich unterstützen. Ex-Hochsprung-Weltmeisterin Inga Babakova wird künftig ebenfalls für den Verband tätig sein. Die Ukrainerin arbeitet bereits mit Siebenkämpferin Ivona Dadic zusammen.

Philipp Unfried wird indes nicht mehr als ÖLV-Cheftrainer arbeiten, sondern sich als spezieller Nationalcoach für Sprint, Hürden und Staffel annehmen. Er ist außerdem hauptverantwortlicher Koordinator des Teams für die EM-Dritte Dadic. Diskus-Hoffnungsträger Lukas Weißhaidinger verlegt seinen Trainingsschwerpunkt zu Högler nach Wien, wird aber nach wie vor auch mit seinem langjährigen Coach Josef Schopf arbeiten. Gehen wird indes Herwig Grünsteidl, der Zehnkämpfer Dominik Distelberger betreut, über dessen Training es zuletzt unterschiedliche Auffassungen mit dem Verband gab.

Stolz verwiesen Vallon und Generalsekretär Helmut Baudis auf den Fakt, dass nun zehn hauptamtliche Trainer für den Verband arbeiten. "Die Aufbauarbeit trägt definitiv Früchte", sagte Baudis. Diesbezüglich gelte es aber, sich noch besser aufzustellen, wobei vor allem in den Trainingsmöglichkeiten noch genug Luft nach oben sei. "Wir müssen mit dem Sportministerium und der BSO (Bundes-Sportorganisation) reden, wie wir das Umfeld noch verbessern können. Klar ist, wir haben ganz schlechte Bedingungen", meinte Baudis.

Für Vallon ist der eingeschlagene Weg naturgemäß der richtige. Dadurch könnte künftig auch Zählbares, sprich Medaillen, herausschauen. Den Talentierten soll es jedenfalls an nichts mangeln, Leistung belohnt werden. Vallon: "Wir machen nicht Breitenleistungssport, sondern Leistungsspitzensport."