Erstellt am 17. September 2014, 13:19

von APA/Red

Listerien-Quargel: Käse wurde irrtümlich entsorgt. Der Prozess rund um den Listerien-Quargel ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Als Zeugin wurde die Tante jenes Mannes gehört, der seit dem Genuss des kontaminierten Käses im Rollstuhl sitzt.

Sie schilderte, dass die Familie auf Geheiß eines unbekannten Anrufers alle angebrochenen Lebensmittel weggeworfen hatte. Eine Beweissicherung war dadurch nicht mehr möglich.

Die fünf Angeklagten sowie die Firma Prolactal müssen sich wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Eines der mutmaßlichen Opfer fiel Anfang 2010 ins Koma, nachdem es den Käse gegessen haben will. Seitdem sitzt der Arzt im Rollstuhl und kann nur schwer sprechen. Er wohnt bei seinen Eltern, die sich mit 87 bzw. 90 Jahren nun um den Sohn kümmern müssen. Die Tante des Mannes schilderte, wie die Familie zwei Tage nachdem der Mann ins Koma gefallen war, einen Anruf bekommen habe: "Jemand hat gesagt, wir sollen alles aus dem Kühlschrank, das nicht originalverpackt ist, wegwerfen." Die Angehörigen taten das auch - und vernichteten damit vermutlich wichtige Beweise, die so nicht mehr sichergestellt werden konnten.

Prozessfortsetzung am Donnerstag

Am Wort war vor Gericht auch nochmals der Sachverständige Rudolf Bliem, der erneut erklärte, es seien etliche Chargen des Quargels in den Verkauf gekommen, die gesperrt bzw. rückgeholt hätten werden müssen. Besonders zwei Chargen Ende 2009 seien "hochbelastet" gewesen, so der Gutachter. Eine davon dürfte dem Arzt zum Verhängnis geworden sein, er soll kurz nach Weihnachten von dem verseuchten Käse gegessen haben.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, dann sind zwei medizinische Sachverständige am Wort. Ein Urteil ist für Freitag (19.9.) angekündigt.