Erstellt am 22. Oktober 2014, 12:30

von APA Red

Lockvogel ließ Neffentrick-Betrüger auffliegen. Ein couragierter 74-jähriger Pensionist hat der Polizei in Oberösterreich geholfen, einen mutmaßlichen Neffentrick-Betrüger aus dem Verkehr zu ziehen.

Der 19-jährige Pole sitzt derzeit in Linz in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zu den Hintermännern laufen, wie die Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in einer Pressekonferenz mitteilten.

"Besonders perfide und niederträchtige" Betrugsmasche

Für Landeskriminalamts-Leiter Gottfried Mitterlehner ist diese Betrugsmasche "besonders perfide und niederträchtig", weil meist ältere, gutgläubige und hilfsbereite Opfer geschädigt werden. Die Täter suchen sich anhand des Telefonbuchs ihre Opfer aus, bevorzugt Frauen mit altmodisch klingenden Vornamen.

In einem Anruf suggerieren sie ihnen, Verwandte zu sein, von denen die Betroffenen schon lange nichts mehr gehört haben. Sie berichten von einem finanziellen Engpass, etwa weil sie sich angeblich eine Wohnung kaufen wollten und eine Überweisung dafür nicht geklappt habe, und appellieren an die Hilfsbereitschaft der Opfer, ihnen größere Summen zu "leihen". Leider könne man das Geld nicht selbst abholen, weil man z.B. gerade beim Notar sitze, man schicke einen Freund, schilderten die Kriminalisten einen typischen Ablauf.

Ermittlungen erweisen sich meist als schwierig

Hinter dem vermeintlich Hilfe suchenden Verwandten stehen meist mindestens drei Personen, erklärte Bezirksinspektor Rupert Ortner vom Landeskriminalamt: Der "Keiler" ruft an und hält über Telefon Kontakt mit dem Opfer. Der "Logistiker" teilt dann einen "Abholer" ein.

Die Ermittlungen sind meist schwierig, weil es so gut wie immer einen Auslandsbezug gebe, schilderte Staatsanwalt Philipp Christl. Meist sei davon auszugehen, dass die Täter gewerbsmäßig handeln, so Ortner, allerdings ist das schwer nachzuweisen. Ein Instrument dafür ist die umstrittene Vorratsdatenspeicherung: "Es wäre eine Katastrophe, wenn man uns dieses Werkzeug wegnehmen würde", warnte der Kriminalist.

Betrogener Pensionist als Lockvogel ein "Glücksgriff"

Im aktuellen Fall wandte sich ein Pensionist Mitte Oktober an die Polizei. Bei ihm hatte ein mutmaßlicher Betrüger angerufen. Der 74-Jährige, der laut Ortner "sehr gut in Hollywood als Schauspieler Platz finden würde", entpuppte sich für die Polizei als Glücksgriff und spielte den Lockvogel. Vor der Übergabe von 24.000 Euro wurde er vom "Keiler" in einer regelrechten Schnitzeljagd durch Linz gelotst.

Schließlich musste er das Geld einem Taxler aushändigen, der mit der Sache laut Polizei nichts zu tun hatte. Er hatte lediglich den Auftrag, ein Paket abzuholen und an die Ecke Landstraße/Bismarckstraße zu bringen. Dort übernahm der "Abholer" das Geld. Dabei klickten für den 19-jährigen Polen die Handschellen.

Wie Walter Rothländer, Fachbereichsleiter Betrug im LKA, berichtete, ist die Zahl derartiger Betrügereien zuletzt - auch Dank der verstärkten Zusammenarbeit mit Banken und Medien - zumindest in Oberösterreich stark zurückgegangen. 2012 waren im Bundesland 228 Fälle angezeigt worden, in elf davon bekamen die Täter tatsächlich Geld.

2013 sank die Zahl der Anzeigen auf 74, heuer auf bisher 21 Anzeigen. 2014 gab es noch keinen einzigen bekannten Geschädigten, womit Oberösterreich "eine Insel der Seligen" sei. Die Dunkelziffer ist allerdings unbekannt. Der Schaden belief sich bundesweit 2012 auf 3,5 Millionen Euro, 2013 auf 12,3 Millionen und heuer bisher auf eine Million Euro.