Erstellt am 05. März 2015, 11:41

von APA Red

Lopatka gegen "krampfhafte" Weiterführung der NMS. ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka stellt die Weiterführung der Neuen Mittelschule (NMS) zumindest infrage.

"Warum soll man krampfhaft etwas weiterführen, wenn die Ziele nicht erreicht werden?", so Lopatka in der "Kronen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe). In den Bundesländern plädiert man dagegen für eine Weiterführung.

"Jede Systemänderung braucht Zeit, bis sie wirkt"

Die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) zeigte sich gegenüber der APA "weder überrascht noch erfreut"über das Ergebnis der Evaluierung. Die Ergebnisse seien natürlich "nicht erfreulich", aber sie seien auch "nicht aussagekräftig genug".

Sie halte es für bedauerlich, dass man bei der Evaluierung nur einen Blick auf die ersten beiden Generationen (G 1 und G 2) geworfen habe - also auf die Startphase -, aber nicht auf die folgenden Generationen.

Seit damals seien schließlich massive Änderungen passiert. Sie hätte sich "Zwischenevaluierungen" gewünscht, meinte Palfrader. "Jede Systemänderung braucht Zeit, bis sie wirkt", betonte die Landesrätin. Es gelte, dem Schultyp Neue Mittelschule Zeit zu lassen. Man wisse aber auch, dass einiges zu verbessern sei. Es brauche etwa Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen für Pädagogen.

Zudem sprach sich Palfrader für einen verstärkten Personalressourceneinsatz aus, um besser auf Begabungen und Neigungen der Schüler eingehen zu können. Die Schulen sollten überdies vor Ort im Sinne einer stärkeren Autonomie über zusätzliche Ressourcen entscheiden können.

Umbruch nicht "per Fingerschnippen" umzusetzen

Der steirische Bildungslandesrat Michael Schickhofer (SPÖ) bescheinigt der NMS gute Chancen: "Das Modell der Neuen Mittelschule hat auf jeden Fall Erfolgspotenzial - das zeigen alle Schulen, an denen die pädagogischen Konzepte wie das Teamteaching und Übungsbeispiele mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad in die tägliche pädagogische Arbeit eingeflossen sind".

In der Umsetzung habe sich aber herausgestellt, dass gerade Teamteaching die Pädagogen vor teilweise große Probleme stellt. Daher sei die Begleitung der Schulen im Qualitätsmanagement und die Fortbildung der Lehrer entscheidend für den Erfolg der NMS. "Da liegt noch viel Arbeit vor uns", so der Landesrat.

Für Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sollte das Ergebnis des Evaluationsberichtes zur Neuen Mittelschule "ein Weckruf für alle Beteiligten" sein. Die Bemühungen seien zu intensivieren, ein Umbruch jahrzehntelang eingefahrener Strukturen sei nicht "per Fingerschnippen" erfolgreich umzusetzen, die Neue Mittelschule sei jedoch ein erster richtiger Schritt.

Vorarlberger Kompatscher: "Haben langen Weg vor uns"

"Langfristig muss es das Ziel einer verantwortungsbewussten Bildungspolitik sein, das Angebot von Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht flächendeckend auszubauen", erklärte Kaiser auf Anfrage der APA.

Für Christian Kompatscher, den Koordinator der Neuen Mittelschule in Vorarlberg, ist der Evaluationsbericht "kein Grund für ein Freudenfeuer, aber ein Grund, den Weg weiterzugehen". Er habe von allem Anfang an nicht "diese hohen Erwartungen" gehegt, dass sich die schulischen Leistungen gleich stark verbessern würden. Dazu seien auch die Rahmenbedingungen für den Schulversuch zu schnell verändert worden.

Die Richtung aber - die leichte Tendenz zu weniger Risiko-, dafür mehr Spitzenschülern - stimme, "auch wenn wir noch einen langen Weg vor uns haben", so Kompatscher gegenüber der APA. Nicht optimal gelöst sei mit Sicherheit die Frage der Beurteilung. Weiters gelte es Instrumente zu erarbeiten, mit deren Hilfe man rasch erkennen könne, "wo Kinder Defizite beim Lernen haben".