Erstellt am 14. Mai 2014, 12:56

Mahnmal für Euthanasie-Opfer in Salzburg zerstört. In der Stadt Salzburg reißen die Beschädigungen von Denkmälern zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus nicht ab.

In der Nacht auf Mittwoch wurde im Kurgarten beim Schloss Mirabell ein Mahnmal für Euthanasieopfer von Unbekannten zerstört. "Eine äußerst abstoßende Schandtat und ein Anschlag auf die Mitmenschlichkeit", empörte sich Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ).

Mitarbeiter des Gartenamtes hatten die Zerstörung der rechteckigen Stele entdeckt. "Hinweise auf die Täter gibt es derzeit nicht", sagte Polizei-Sprecher Ortwin Lamprecht. Das Landesamt Verfassungsschutz und die Tatortgruppe der Polizei haben Ermittlungen aufgenommen. "Wie ein kurzfristig durchgeführter Lokalaugenschein ergab, wurde die Glasfläche durch massive Gewalteinwirkung vermutlich mit einer Spitzhacke eingeschlagen", erklärte der Büroleiter des ressortzuständigen Vizebürgermeisters Harald Preuner (ÖVP), Bernd Huber.

Euthanasie-Opfern des Jahres 1941 gewidmet

Das Mahnmal des Linzer Künstlers Otto Saxinger wurde 1991 zu Allerheiligen enthüllt. Es ist den Euthanasie-Opfern des Jahres 1941 gewidmet. Damals wurden rund 500 Patienten der "Landesheilanstalt für Geistes- und Gemütskranke" im Rahmen der Aktion "T4" nach Schloss Hartheim bei Linz verschleppt und getötet. Im Juni 1987 appellierte der Salzburger "Arbeitskreis Psychiatrie" an die Politiker, ein Mahnmal für die Opfer zu errichten. Rund 100 Vorschläge wurden eingereicht. Aus dem künstlerischen Wettbewerb ging Otto Saxinger als Sieger hervor. Die Stele beseht aus einem Granitsockel, auf dem ein Glaskörper aufgesetzt ist.

Als erste Maßnahme wird das schwerbeschädigte Kunstwerk abgedeckt, um die darin enthaltene Sand-Asche-Schüttung vor Nässe zu schützen. "Besonders weh tut mir, dass hier symbolisch nochmal auf eine besonders verletzliche Opfergruppe des NS-Terrors hingehauen wurde. Nämlich auf Hunderte Patienten der damaligen Salzburger Nervenheilanstalt, die von NS-Schergen mitleidlos getötet wurden", erklärte Schaden.

"Abscheulich und nicht tolerierbar"

Vizebürgermeister Preuner zeigte sich ebenfalls sehr betroffen: "So etwas ist abscheulich und nicht tolerierbar. Offensichtlich haben manche aus der Geschichte nichts gelernt. Wir werden hier ein ganz deutliches Zeichen setzen und dieses Mahnmal so rasch wie möglich wieder instand setzen. Ich hoffe, dass die Täter rasch dingfest gemacht werden können." Bürgerliste-Gemeinderätin Ingeborg Haller - sie ist Mitglied des Personenkomitees "Stolpersteine" - forderte die Polizei zum raschen Handeln auf. "Nazi-Schmierereien, zuletzt auch im KZ-Mauthausen, gehören beinahe zur Tagesordnung. Das muss ein Ende haben."

Unklar war vorerst, ob ein möglicher Zusammenhang des Vandalismus-Aktes mit dem für heute um 17.30 Uhr angemeldeten Treffpunkt der Kundgebung "Gemeinsam gegen rechte Hetze" im Kurgarten besteht. Die Veranstaltung gilt als Gegendemonstration zu einer FPÖ-Kundgebung mit Parteichef Heinz-Christian Strache und dem Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Harald Vilimsky, im Stieglkeller.

Nazi-Schmieraktionen immer häufiger

In den vergangenen Monaten war es in der Stadt Salzburg immer wieder zu Nazi-Schmieraktionen und Schändungen von Denkmälern gekommen. Im Zeitraum von 1. bis 7. Mai seien erneut "Stolpersteine" beschmiert worden, sagte Hermann Rechberger vom Landesamt Verfassungsschutz. Die Täter habe man noch nicht ausgeforscht. Die Pflastersteine erinnern an jüdische Salzburger, die während der NS-Zeit vertrieben wurden und dann umkamen. Seit rund einem Jahr sind die Gedenksteine Ziel von rechtsextremen Attacken. Zwei hauptverdächtige Burschen im Alter von 20 und 21 Jahren wurden im Vorjahr ausgeforscht, gegen sie läuft ein Strafverfahren.

Ebenfalls Anfang Mai wurde auf die Türe der Notschlafstelle der Caritas, wo Bettler untergebracht werden, das Wort "KZ" (Konzentrationslager, Anm.) geschmiert. Auch hier wird noch nach den Tätern ermittelt. Der rechtsextremen Aktion war eine Hetze gegen Roma-Bettler in Salzburg auf Facebook vorangegangen. "Diese Facebook-Seite wurde mittlerweile geschlossen", sagte Rechberger.

Probleme anderer Art gibt es mit einem geplanten Denkmal zum 70. Jahrestag des Anschlags durch die "SS" auf eine Gruppe Wehrmachtsdeserteure in Goldegg im Salzburger Pongau. Am 2. Juli 1944 wurden die Männer in ihrem Versteck aufgespürt. Mindestens 14 Menschen starben, zahlreiche Gemeindebürger wurden in Konzentrationslager gebracht. Da Uneinigkeiten über den Standort für den Gedenkstein herrschen, wird das privat finanzierte Denkmal vorerst nicht aufgestellt.

Der Bürgermeister des Ortes plädierte für eine Aufstellung beim Böndlsee, wo sich die Deserteure versteckt hielten. Eine Angehörige des damaligen Widerstandkämpfers Karl Rupitsch sprach sich hingegen für einen Standort im Hof des Schlosses Goldegg aus, weil der Böndlsee zu abgelegen sei. Der Grüne LAbg. Cyriak Schwaighofer, Obmann des Kulturvereins Goldegg, schlug einen breiten Dialog-Prozess zur Aufarbeitung der Geschehnisse vor, um dann einen würdigen Gedenk-Platz zu finden.