Erstellt am 26. November 2014, 10:29

von APA Red

Maierhofer auf Rapid-Schmähungen vorbereitet. Das zweite Spiel seit seiner Rückkehr in die Bundesliga ist für Stefan Maierhofer von besonderer Bedeutung: Der Stürmer des SC Wiener Neustadt trifft am Samstag im Happel-Stadion auf Rekordmeister Rapid, mit dem ihn eine Art Hassliebe verbindet.

Maierhofer wurde mit den Hütteldorfern 2008 Meister, ging ein Jahr später nach Wolverhampton und landete schließlich über Umwege bei Red Bull Salzburg. Beim kontroversen - und gleichzeitig meisterschaftsentscheidenden - 1:0-Auswärtssieg der Bullen im Frühjahr 2012 gegen Rapid erzielte er das Gold-Tor und war spätestens ab diesem Zeitpunkt großes Feindbild vieler grün-weißer Anhänger.

"Schimpfen motiviert mich zusätzlich"

Diese Antipathie hat sich bei einigen Fans bis heute nicht gelegt, vermutete Maierhofer im Gespräch mit der APA. Deshalb ist der Ex-Teamspieler auf Schmähungen des Rapid-Anhangs vorbereitet. "Die Leute sollen mich ruhig schimpfen, das motiviert mich zusätzlich. Dann bin ich eben nicht bei 100, sondern bei 110 Prozent", erklärte der Niederösterreicher.

Hoffnungen, dass die Rapid-Clubführung mäßigend auf die Fans einwirkt und damit Beschimpfungen verhindert, macht sich Maierhofer nicht. "Ich habe vor zwei Jahren vor dem Match mit Salzburg im Hanappi-Stadion Verantwortliche von Rapid angerufen, damit sie diesbezüglich im Stadion Durchsagen machen. Aber es ist nichts passiert."

Dass er bei vielen Rapid-Fans als Persona non grata gilt, empfindet Maierhofer als unfair. "Ich habe für diesen Verein immer alles gegeben, habe für ihn mit Nasenbeinbruch gespielt und bin mit ihm Meister geworden. Und Rapid hat mit mir auch noch zwei Millionen Euro verdient", meinte der 32-Jährige in Anspielung auf seinen Transfer in die Premier League zu Wolverhampton.

Rapid-Stadionprojekt "kommt zehn Jahre zu spät"

Kein Verständnis hat Maierhofer auch für die leidenschaftliche Abneigung zahlreicher Rapid-Anhänger gegenüber Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. "Warum muss man ihn als Hassfigur hinstellen? Er hat extrem viel bewirkt, auch für die Fußball-Jugendarbeit, hat in Leipzig eine tote Region zum Leben erweckt und viele Arbeitsplätze geschaffen", sagte Maierhofer.

Der Stürmer hat für kritische Rapid-Anhänger einen Ratschlag parat. "Die Fans, die Red Bull Salzburg wegen Kommerz beschimpfen, sollten sich hinterfragen. Was macht denn Rapid mit dem Verkauf des Stadionnamens? Ist das nicht auch Kommerz?"

Gleichzeitig betonte Maierhofer, er halte Rapids Stadionprojekt für extrem wichtig - nur sei es mit zu langer Verzögerung in Angriff genommen worden. "Es kommt zehn Jahre zu spät. Wenn man schon früher etwas riskiert hätte, wäre man vielleicht schon wie gewünscht unter den Top-50 Europas", meinte der Goalgetter.

Noch keine Pläne für den Fall des Torerfolgs

An der Clubführung von Rapid gibt es für Maierhofer noch mehr zu kritisieren als nur den Zeitpunkt des Stadionbaus. "Rapid hat in den letzten Jahren Spieler um Millionen verkauft. Wo ist das Geld? Was ist damit passiert?", fragte der 19-fache ÖFB-Internationale (1 Tor).

Die fehlenden finanziellen Mittel seien der Grund dafür, dass es bei Rapid derzeit nicht läuft. "Wenn ich immer nur sparen und auf junge Spieler setzen muss, dann muss ich der Mannschaft eben Zeit geben." Kritik an Trainer Zoran Barisic ist laut Maierhofer fehl am Platz. "Er holt aus den aktuellen Möglichkeiten das Beste heraus."

Zweimal hat Maierhofer bereits gegen Rapid getroffen - vor seinem Gold-Tor 2012 hatte er am 20. November 2011 beim 2:4 der Salzburger im Hanappi-Stadion gescort. "Bei meinem ersten Spiel gegen Rapid bin ich von den Fans beschimpft worden, habe aber beim Tor trotzdem nicht gejubelt. Beim zweiten Tor habe ich den Hass noch mehr gespürt, deswegen habe ich gejubelt", erzählte der 2,02-Meter-Stürmer.

Wie sich Maierhofer im Falle eines Torerfolgs am Samstag verhalten würde, weiß der Angreifer noch nicht. "Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wichtig ist nur, dass ich mit meiner Mannschaft erfolgreich bin." Allerdings schlage sein Herz auch noch für die Hütteldorfer. "Der Verein hat einzigartige Fans. Die eineinhalb Jahre bei Rapid waren einfach nur geil."