Erstellt am 18. November 2014, 13:48

Mammut-Schau im Naturhistorischen Museum. Manni war vielleicht blond. Das rötliche Mammutfell, wie man es vom Hauptdarsteller im Trickfilm "Ice Age" kennt, geht auf Veränderungen der Farbstoffe im Laufe der Jahrtausende zurück.

Das zeigt sich auch bei vielen Exponaten der neuen Schau "Mammuts - Eismumien aus Sibirien" im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien, die ab Mittwoch spektakuläre Funde aus Sibirien, aber auch Wien zeigt.

Die Schau kann mit einigen sensationellen Objekten aufwarten, viele davon sind Originale und stammen aus dem Zoologischen Museum der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Hauptattraktionen sind etwa das imposante "Adams-Mammut", der erste Fund eines kompletten Mammut-Skeletts aus dem Jahr 1799, oder ein mindestens 45.000 Jahre altes Mammut-Baby, das tiefgefroren im sibirischen Permafrostboden überdauert hat und in einer speziellen Kühlvitrine gezeigt wird.

Mammut-Funde aus dem Wiener Raum

Überraschend sind die zahlreichen Mammut-Funde aus dem Wiener Raum. Neben vielen Backenzähnen findet sich darunter auch der sogenannte "AEIOU"-Knochen, der Oberschenkelknochen eines Mammuts, der bei Aushubarbeiten für den Nordturm des Stephansdoms gefunden und mit den Buchstaben AEIOU sowie der Jahreszahl 1443 beschriftet wurde. Man hielt den Knochen für Reste von Riesen und hängte ihn beim Haupttor des Doms auf - das möglicherweise daher seinen Namen "Riesentor" hat.

Drei von vermutlich insgesamt zehn existierenden Mammut-Arten lebten auf dem heutigen Gebiet Österreichs: der Südelefant, das Steppenmammut und das Wollhaarmammut, das ob seiner Kälteanpassung wie dem dichten, fast einen Meter langen Fell als Prototyp dieser Elefanten-Gattung steht. Ihren Ursprung hatten die Mammuts vor rund fünf Millionen Jahren in Afrika, von wo sie über den Nahen Osten nach Europa und Asien wanderten. Letzter Spross der Familie war das Wollhaarmammut, das vor etwa 150.000 Jahren Europa erreichte.

"Mammut-Steppe" quer durch Europa

Die letzten europäischen Mammuts lebten vor rund 12.000 Jahren in Frankreich und Großbritannien, bis vor 10.000 Jahren im westlichen Russland. Auf der sibirischen Wrangelinsel überlebte eine Restpopulation von Zwergmammuts bis vor 3.700 Jahren - also zu einer Zeit, als die Cheops-Pyramide schon 1.000 Jahre alt war.

Wesentlicher Faktor für ihr Verschwinden war die Erwärmung nach der letzten Kaltzeit, die zur Veränderung der Vegetation und damit der Lebensgrundlage der Pflanzenfresser führte. "Denn die Tiere lebten nicht im ewigen Eis", betonte Ausstellungskuratorin Ursula Göhlich, die dieses falsche Bild in der bis Anfang März geöffneten Schau u.a. mit einem riesigen Haufen Original-Elefantendung zurechtrücken will. "Das soll zeigen, dass die Tiere jeden Tag riesige Mengen an Pflanzen fressen mussten, um zu überleben." Möglich sei dies nur in der sogenannten "Mammut-Steppe" gewesen, die sich quer durch Europa zog und wo eine reichhaltige Vegetation mit krautigen Pflanzen die Tiere versorgte.

Auch wenn es einige direkte Nachweise gibt, dass der moderne Mensch Mammuts gejagt hat, glaubt Göhlich nicht, dass er für das Aussterben der Tiere verantwortlich war. Dazu sei die Bevölkerungsdichte damals viel zu gering gewesen. Zudem seien zahlreiche andere jagdbare Tiere zur Verfügung gestanden.

Mammuts "ikonische Tiere" wie Dinosaurier

Die große Faszination der Urzeittiere erklärt sich NHM-Direktor Christian Köberl damit, dass es "ähnlich ikonische Tiere wie Dinosaurier sind". Die größten Vertreter der Familie in Europa waren Südelefant und Steppenmammut mit bis zu vier Metern Schulterhöhe, die meisten Individuen der Wollhaarmammuts waren zwischen 2,7 bis drei Meter groß und vier bis sechs Tonnen schwer. Auf Inseln wie Sardinien oder Kreta wurden auch Überreste von Zwergmammuts gefunden, die nur wenig größer als ein Meter waren.

Die an "Jurassic Park" erinnernden Bemühungen, aus den Mammut-Mumien intakte DNA zu gewinnen und über Eizellspende und Leihmutterschaft der nächsten Verwandten, der Asiatischen Elefanten, die Tiere wieder zum Leben zu erwecken, könnten laut Köberl grundsätzlich in Zukunft möglich sein. Göhlich meint aber, dass man "noch weit davon entfernt ist, das vollständige Genom der Tiere zu kennen". 2008 wurden 70 Prozent der Genomsequenz des Wollhaarmammuts entschlüsselt. Es stelle sich dabei aber auch die Frage, warum man das tun sollte, wenn der Lebensraum der Mammuts nicht mehr existiere, so Köberl.

Was man aber bereits aus der DNA der Mammuts weiß, ist, dass sie so wie die meisten Säugetiere kleine Abschnitte im Genom haben, die für verschiedene Haarfarben verantwortlich sind. Manni könnte also blond gewesen sein - vielleicht war aber auch seine Freundin Ellie eine schwarzhaarige Schönheit.