Erstellt am 02. September 2014, 11:23

von APA Red

Marlies Schild beendete ihre Karriere. Die "Slalom-Königin" tritt ab. Marlies Schild beendete nach vier Olympia- und sieben WM-Medaillen ihre aktive Karriere.

Wie die Salzburgerin am Dienstag in Wien erklärte, hätten sich die Prioritäten in ihrem Leben nach fast 20 Jahren im Skirennsport verändert. "Ich habe meinen Traum, den ich als kleines Mädchen hatte, gelebt. Ich denke, es ist an der Zeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen."

"Habe mir gründlich Zeit genommen darüber nachzudenken"

In ihrer Lieblingsdisziplin ist die Slalom-Weltmeisterin von 2011 mit 35 Weltcup-Erfolgen die Rekordhalterin. Mit ihrem Erfolg in Lienz am 29. Dezember 2013 machte sie sich vor der Schweizerin Vreni Schneider zur Nummer eins. Insgesamt holte Schild in 212 Weltcuprennen 37 Siege. Die 33-Jährige berichtete nun von einem "Wendepunkt im Leben".

"Ich habe mir gründlich Zeit genommen darüber nachzudenken, wie die Zukunft ausschauen wird und über die Vergangenheit, was ich geleistet habe. Es war eine sehr schöne, intensive Zeit", erklärte Schild. Sie erinnerte an ihre schweren Verletzungen und das Bestreben, wieder in die Weltspitze zurückzukehren. Nun hätten sich die Prioritäten in ihrem Leben verändert.

"Der größte Wunsch ist, eine Familie zu gründen"

"Es gibt Pläne und Wünsche. Der größte ist, eine Familie zu gründen", meinte Schild. Sie freue sich jedenfalls auf eine nun ruhigere Zeit. "Ich habe sie nur unterstützen können in ihrer Entscheidung. Ich habe immer gesagt, du musst das selbst entscheiden, musst das spüren", sagte ihr Lebensgefährte Benjamin Raich.

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum dankte einer "außergewöhnlichen" Sportlerin "für viele unglaubliche Momente". ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bezeichnete Schild als die größte Slalomathletin im Skisport: "Sie hat für Österreich viele Siege geholt, viel mehr geht nicht. Schade, dass sie aufhört. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft."

Schild, die alle ihre Erfolge auf der Skimarke Atomic einfuhr, liegt auch in anderen Bestenlisten zumeist in den Top-Ten. In der von Annemarie Moser-Pröll mit 62 Siegen angeführten Allzeit-Liste der Damen ist sie Sechste, mehr Siege in einer Disziplin haben nur der Schwede Ingemar Stenmark im Riesentorlauf (46) und Slalom (40) sowie Moser-Pröll in der Abfahrt (36).

Beim Comeback Kraft durch Lebensgefährte Raich erhalten

Schild ist also eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. Und das, obwohl ihre Laufbahn wegen zumindest sechs Knieoperationen mehrmals unterbrochen war und am 9. Oktober 2008 nach einem Trainingsunfall in Sölden fast überhaupt zu Ende gegangen wäre.

Nach einem Trümmerbruch und einer Fraktur des Schienbeinkopfes im linken Unterschenkel verlor sie eine ganze Saison. Kraft gab ihr beim Kampf zurück ihr ebenfalls im Skisport sehr erfolgreicher Lebensgefährte Benjamin Raich, mit dem die Salzburgerin seit zehn Jahren liiert ist und auch das Lieblingshobby Klettern teilt. Mit dem Tiroler hat sie sich im Pitztal längst auch ein gemeinsames Zuhause geschaffen.

Nach dem Weltcup-Debüt im Dezember 2001 feierte Schild ihren ersten Slalom-Weltcupsieg - bereits als aktuelle Vize-Weltmeisterin - auch deshalb "erst" mit fast 23 Jahren am 13. März 2004 in Sestriere, weil sie schon als 19-Jährige auf fünf Knie-Operationen bzw. Kreuzbandrisse zurückblickte.

Dennoch fuhr die einstige Stams-Schülerin in der Folge im Weltcup zeitweise alle Disziplinen. Eine Kristallkugel in der Super-Kombination, Weltcup-Siege in Riesentorlauf und Super-Kombination (je 1) sowie Podestplätze in Abfahrt und Super-G (je 2) unterstrichen ihr skifahrerisches Allround-Talent.

Weltcup-Gesamtsieg und Olympia-Gold bleiben als "Lücken"

Der Traum vom Gesamtsieg ging sich aber ebenso knapp nicht aus wie Gold bei Olympia, wo Schild dafür aber in Turin 2006 (Kombi), Vancouver 2010 und Sotschi 2014 (jeweils Slalom) insgesamt drei Mal Silber holte. In der Saison 2006/07 gewann sie insgesamt acht Weltcuprennen, davon sieben von neun Slaloms, und führte bis zwei Rennen vor Schluss, ehe ihr Teamkollegin Nicole Hosp in einem dramatischen Finale noch die große Kristallkugel wegschnappte.

Dafür wurde Schild im Slalom immer stärker. Im Folgewinter wurde sie mit fünf zum Teil überlegenen Siegen zum zweiten Mal Slalom-Weltcupsiegerin, ehe die schwere Trainingsverletzung von Sölden alles auf den Kopf stellte. Ein Jahr später kam sie zurück und fuhr im Slalom bald stärker denn je. Speed-Disziplinen ließ sie ab da aber ebenso links liegen wie den Riesentorlauf in Sölden.

Rücktritt mit insgesamt 37 Weltcuperfolgen

Was folgte, waren die wahrscheinlich stärksten Jahre der Marlies Schild. "Carpe Diem", also "Nutze den Tag" lautete ihr Leitspruch, dennoch hatte sie oft mehr ihrem eigenen Ehrgeiz als mit den Gegnerinnen zu kämpfen.

Ihren bis dahin 18 Slalom-Triumphen ließ die Saalfeldenerin 17 weitere, den Weltmeistertitel 2011 sowie noch zwei Slalom-Weltcupkugeln folgen. Wegen einer neuerlichen Knie-Verletzung verpasste sie ausgerechnet im Winter 2012/13 mit der Heim-WM in Schladming aber erneut fast eine ganze Saison.

Schild tritt nun mit insgesamt 37 Weltcuperfolgen (35 Slalom, 1 Riesentorlauf, 1 Kombination) und fünf kleinen Kristallkugeln ab. Sie eroberte elf Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2003 bis 2014, darunter WM-Gold im Slalom 2011 in Garmisch-Partenkirchen. In 212 Weltcuprennen hat sie 68 Podestplätze erobert, davon 56 im Slalom, 5 in der Kombi, 3 im Riesentorlauf sowie jeweils 2 in Abfahrt und Super-G.