Erstellt am 07. November 2016, 06:00

UNO-Klimagipfel soll Pariser Lücken füllen. Ein knappes Jahr nach Vereinbarung des historischen Klimavertrags beraten die Staaten der Welt in Marrakesch über die Umsetzung.

Die Erderwärmung soll auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden  |  APA/dpa

195 Länder hatten sich in Paris darauf verständigt, die gefährliche Erderwärmung mindestens auf "deutlich unter zwei Grad" im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Nun muss dieses Ziel in konkrete Schritte und Zeitpläne übersetzt werden.

Die Pariser Konferenz habe zwar Schwung in den Klimaschutz gebracht - aber das reiche nicht, warnte Frankreichs damaliger Außenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius. "Unser Haus brennt weiterhin. Es herrscht sogar Alarmstufe rot", sagte er der Zeitung "Journal du Dimanche". "Das Klima droht sich stärker und schneller zu verschlechtern als die meisten von uns sich das vorstellen." Auch die diesjährigen Gastgeber drängen auf eine "Klimakonferenz der Taten".

Die zweiwöchige Konferenz beginnt mit einer feierlichen Eröffnungssitzung, an der auch Patricia Espinosa, Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, und der marokkanische Außenminister Salaheddine Mezouar als Konferenzleiter teilnehmen. Während in der ersten Woche vor allem Experten verhandeln, werden in der zweiten Woche Politiker erwartet. Österreich wird durch Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) vertreten. Ein Aufgebot an Staats- und Regierungschefs wie in Paris ist in Marrakesch nicht zu erwarten - die großen politischen Beschlüsse sind schließlich gefasst.

In Marrakesch wollen die Delegierten nun Verfahren und Zeitpläne zur konkreten Umsetzung der Pariser Klimaziele ausarbeiten. Es geht unter anderem um die Frage, wie insbesondere arme Länder bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung unterstützt werden oder wie die ganz unterschiedlichen Klimaziele der Staaten verglichen werden können. Gastgeber Mezouar will bei dem Treffen besonders afrikanischen und Inselstaaten eine Bühne geben. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer leiden stark unter Wetterextremen.

Am vergangenen Freitag, also kurz vor Beginn der Konferenz, war der neue Weltklimavertrag offiziell in Kraft getreten. Das wurde möglich, weil große Staaten und Gemeinschaften wie China, die USA und die EU rasch ratifiziert haben. Damit können die USA auch im Falle eines Wahlsiegs des Klimawandelskeptikers Donald Trump nicht so leicht vom Abkommen zurücktreten. Genau genommen findet dieses erst nach 2020 Anwendung: Solange gilt noch der Vorläufer, das Kyoto-Protokoll.

Rupprechter kündigte im Vorfeld der Konferenz ein 100-Millionen-Euro-Paket für Österreichs Klima an. Das Förderpaket für 2017 und 2018 soll in den Klimaschutz investiert werden, sagte der Minister der "Kleinen Zeitung". E-Mobilität, erneuerbare Energieträger und thermische Sanierung sollen damit finanziert werden.