Erstellt am 01. Juni 2015, 16:27

Megastau nach Lkw-Unfall in Baustelle auf Wiener A23. Ein Lkw ist Montagfrüh auf einer Großbaustelle auf der Südosttangente (A23) beim Knoten Prater verunglückt und hat einen Megastau in Wien verursacht.

 |  NOEN, APA ( MA 68)

Verkehrsexperten sprachen von mehr als 30 Kilometer Stau im Stadtgebiet. Die Bergung des verletzten Lenkers dauerte fast eine Stunde, so schwer war die Fahrerkabine demoliert.

Der verunglückte Sattelschlepper fuhr laut Wolfgang Schererbauer von der Wiener Verkehrsabteilung gegen 5:00 Uhr in einem Pulk von drei litauischen Lastern Richtung Süden. Der Unfallort liegt kurz vor der Erdberger Brücke, wo Baustellen-bedingt zwei Spuren links geradeaus und zwei weitere rechts daneben über eine Ersatzfahrbahn führen. Der erste litauische Laster und ein weiterer, nicht zur Gruppe gehörender wechselten laut Schererbauer knapp davor die Spur - Lkw über 7,5 Tonnen müssen die Ersatzstrecke benützen.

Lenker im Kopf- und Beinbereich eingeklemmt

Für den nachfolgenden, von einem 26-jährigen Litauer gelenkten Laster näherten sich Baustelle und Ausweichspuren dadurch zu abrupt: "Er wurde nicht geschnitten, wie unsere Erhebungen ergeben haben, sondern hat durch das Wechseln der beiden Lkw vor ihm die Baustelle zu spät erkannt und verrissen." Vermutlich sei auch der Sicherheitsabstand zu den Vorderfahrzeugen zu gering gewesen, meinte Schererbauer. Hinter dem Fahrzeug des Unfalllenkers folgte noch dessen Vater mit einem weiteren Sattelschlepper.

"Der Lkw ist auf die Betonleitwand aufgefahren, umgekippt, auf die blecherne Leitschiene gefallen und gegen einen Lichtmasten geprallt", schilderte Brandrat Christian Feiler die Folgen. "Der Lenker war im Kopf- und im Beinbereich eingeklemmt." Sanitäter betreuten den nicht Deutsch sprechenden Litauer, der die ganze Zeit bei Bewusstsein war, während der Sattelzug zuerst mit Hilfe eines Spezialabschleppfahrzeugs einige Zentimeter weit bewegt werden musste, ehe das hydraulische Rettungsgerät zum Einsatz kommen konnte.

Rettungsaktion dauerte fast eine Stunde

Bis der Mann aus der Fahrerkabine befreit war, dauerte es fast eine Stunde. Nach Angaben eines Sprechers des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) hat er Prellungen erlitten und wird auf der Normalstation eines Wiener Spitals behandelt.

Die Folgen für das Verkehrsgeschehen waren weitreichend. Der Lkw lag quer auf den beiden linken Fahrsteifen Richtung Süden, Teile des Sattelschleppers ragen auf die Richtungsfahrbahn Norden. Auf der A23 stand alles still, viele Zufahrtsstraßen waren blockiert. Auf der Südautobahn (A2) Richtung Wien reichte die Kolonne zwischenzeitlich bis Guntramsdorf oder Wiener Neustadt, im Bereich der A23/S2 bis zur Hermann-Gebauer-Straße, auf der Ostautobahn (A4) bis zum Knoten Schwechat und auf der A22 (Donauuferautobahn) bis zur Floridsdorfer Brücke, so Schererbauer.

Fahrbahn erst zu Mittag wieder frei

Von Süden kommend, haben Autofahrer im Stau auf der Tangente zur Spitzenzeit wohl bis zu eineinhalb Stunden verloren, schätzte Schererbauer. Es gab noch mehrere kleinere Unfälle sowie Pannen, zum Beispiel Fahrzeuge, die sich im Stau überhitzten. Auf der A22 bei Strebersdorf sorgte ein in Brand geratener Pkw für Probleme. Dort staute es sich laut ÖAMTC über fünf Kilometer.

Die Feuerwehr rückte mit 46 Einsatzkräften und 15 Fahrzeugen aus, darunter zahlreiches Spezialgerät für die Bergung. Die Ladung des Lkw - 14 Tonnen Rindenmulch und Torferde in Säcken - entluden die Feuerwehrkräfte händisch, ehe der Laster mit einem Kran aufgestellt und weggeschleppt wurde. Erst zu Mittag waren laut Asfinag beide Fahrtrichtungen auf der A23 wieder frei. Zuvor mussten u.a. auf einer Strecke von rund zehn Metern im Unfallbereich neue Leitschienen angebracht werden.

"Da kommt es immer wieder zu bösen Aktionen"

Wolfgang Schererbauer sagte auf Nachfrage, es habe im Unglücksbereich schon mehrere kleinere Unfälle gegeben. "Die Asfinag hat wirklich alles getan und die Baustelle gut ausgeschildert. Ein Problem sind vor allem Lkw-Lenker aus dem Ausland, welche die Schilder nicht immer gut lesen können und auch sehr Navi-hörig sind. Da kommt es immer wieder zu bösen Aktionen."

Durch die Spurführung verwirrte Lenker würden sogar anhalten und aussteigen oder quer über alle Fahrstreifen wechseln. Auch der Einsatz von Polizisten habe sich nicht bewährt. Das habe dazu geführt, dass Lenker stehen geblieben und zu den Beamten gegangen seien, um sie um Rat zu fragen. Die Sanierung des Knoten Prater soll Anfang 2017 abgeschlossen sein.