Erstellt am 20. Juni 2016, 11:22

von APA/Red

Mehr als 65 Mio. Menschen auf Flucht. Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie im Vorjahr. Das stellte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in einem am Sonntag in Genf veröffentlichten Jahresbericht fest.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Demnach stieg die Zahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen (IDPs) und Asylsuchenden von 2014 auf 2015 von 59,9 Millionen auf 65,3 Mio. Menschen. Dies sei "ein drastischer Anstieg".

Die Gesamtzahl von 65,3 Mio. entspricht etwa der Bevölkerung Großbritanniens oder Italiens. "Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 Menschen pro Minute - das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug", hieß es.

Laut UNHCR gab es bisherige Höchstzahlen in den Bereichen IDPs (Internally Displaced Persons) und Asylwerber: Die Zahl der Menschen, die im Vorjahr innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, gab die Organisation mit 40,8 Millionen an, die Zahl jener, die auf die Entscheidung ihres Asylantrages warteten mit 3,2 Millionen. Bei den Flüchtlingen waren mit 21,3 Millionen noch nie so viele zu verzeichnen wie seit Anfang der 1990er-Jahre.

Die Flüchtlingszahlen seien in den vergangenen 20 Jahren in den meisten Regionen stetig gestiegen. "In den vergangenen fünf Jahren jedoch schnellten die Zahlen rasant nach oben", geht aus dem Statistikbericht "Global Trends" hervor.

Langzeitkonflikte sind die Gründe

Als Gründe dafür nennt das UNHCR: Flüchtlingssituationen dauerten aufgrund von Langzeitkonflikten wie in Afghanistan länger an. Seit Ende des Kalten Kriegs ließen Friedenslösungen immer länger auf sich warten. Neue und wieder aufflammende Konflikte wie in Syrien oder dem Jemen nähmen gleichzeitig zu.

"Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen und das allein ist höchst beunruhigend. Doch auch die Faktoren, die Flüchtlinge in Gefahr bringen, steigen um ein Vielfaches", betonte Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi.

"Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht." Die Bereitschaft von Staaten, nicht nur für Flüchtlinge sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten, werde momentan herausgefordert. Ein "einender Geist" werde "dringend gebraucht".

Besonders viele Flüchtlinge kamen 2015 aus drei Ländern: Syrien - 4,9 Millionen, Afghanistan - 2,7 Millionen und Somalia - 1,1 Millionen. Der Syrien-Konflikt bleibe weiterhin die Hauptursache für Flucht und Vertreibung und dem damit verbundenen Leid.

Überraschender "1. Platz" bei der Binnenflucht

Kolumbien ist das Land mit der größten Zahl an Binnenvertriebenen: 6,9 Millionen. Dahinter folgen Syrien und der Irak mit 6,6 Millionen und 4,4 Millionen IDPs. Am meisten neu im eigenen Land entwurzelt wurden Menschen im Jemen. Ihre Zahl belief sich auf 2,5 Millionen.

Während die Flüchtlings-, Migrations- und Asylpolitik die europäische Politik dominiert, hält der UNO-Bericht fest, dass sich über 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit außerhalb Europas aufhalten - meist nahe an den Konfliktherden, denen sie entkommen sind. Die meisten Flüchtlinge kommen aus den Groß-Regionen Naher Osten/Nordafrika Sub-Sahara-Afrika.

Die meisten Flüchtlinge aus dem Ausland hat (in absoluten Zahlen) die Türkei aufgenommen: 2,5 Millionen. Pro Einwohner gerechnet ist der Libanon Spitzenreiter unter den Aufnahmeländern: Auf 1.000 Libanesen kommen 183 Flüchtlinge.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren konnten, war dem UNHCR zufolge 2015 "niedrig". Sie betrug trotz einer gewissen Zunahmen gegenüber 2014 201.400. In Europa kommen die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine: 593.000.