Erstellt am 16. April 2014, 10:42

Mercedes auch im Grand Prix von China Topfavorit. Mercedes wird immer mehr auch zum neuen Wortführer der Formel 1.

Vor dem vierten Saisonrennen am Sonntag in Shanghai bestimmt das überlegene Werksteam das sportliche Geschehen und tritt abseits der Strecke forscher denn je auf. "Die Mannschaft hat nun ein Niveau erreicht, bei dem der Erfolg kein Bonus mehr ist, sondern der Anspruch", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor dem China-GP.

Und auf diesem Weg scheut der WM-Spitzenreiter auch vor verbalen Seitenhieben in Richtung Konkurrenz nicht zurück. Das enorm gewachsene Selbstbewusstsein bekamen zuletzt die wankenden Branchenriesen Red Bull und Ferrari zu spüren. So trat der Mercedes-Anwalt zu Beginn dieser Woche bei der gescheiterten Berufung von Red Bull gegen die Disqualifikation des Australien-Zweiten Daniel Ricciardo schärfer auf als der Ankläger des Weltverbands.

Seine Forderung nach einer zusätzlichen Bewährungsstrafe für das Team des deutschen Vierfach-Champions Sebastian Vettel bis zum Saisonende fiel zwar bei den Richtern durch. Die messerscharfen Vorwürfe des Mercedes-Anwalts werden die Kraftprobe mit Red Bull um die Vormacht in der Formel 1 aber kaum entschärft haben.

Auch Ferrari, das wegen des völlig verpatzten Saisonstarts in China mit neuem Teamchef antritt, dürfte über die jüngste Belehrung durch Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda wenig begeistert sein. Österreichs F1-Ikone bezeichnete die Kritik von Scuderia-Boss Luca di Montezemolo an den neuen Regeln und Motoren laut italienischen Medien als "lächerlich" und warf den Italienern indirekt Neid auf die Stärke der Silberpfeile vor.

Nach vier Jahren mit vielen Rückschlägen ist Mercedes in diesen Tagen das Maß der Dinge in der Formel 1 und traut sich deshalb zunehmend auch die Rolle des Meinungsmachers zu. Auch die beiden Piloten fühlen längst, dass sie sich derzeit eigentlich nur selbst schlagen können. "Wenn ich durch die Box gehe, kann ich die positive Energie im Team richtiggehend spüren", sagte Lewis Hamilton. Nach den Siegen in Malaysia und Bahrain könnte der Engländer in Shanghai den ersten Hattrick seiner Karriere perfekt machen.

Stoppen kann ihn wohl erneut nur WM-Spitzenreiter Nico Rosberg. Der Auftaktsieger von Australien musste sich zuletzt zweimal mit Rang zwei hinter Hamilton begnügen, ein drittes Mal soll ihm das nicht passieren. Das zeigte auch das beinharte Duell, dass Rosberg mit seinem Stallrivalen im spektakulären Nachtrennen in Bahrain lieferte. "Diese Entschlossenheit zu siegen, kann man an jedem Tag und in jedem Bereich erkennen", schwärmte Rosberg von seiner Crew.

Vor zwei Jahren gewann der Deutsche auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit zum ersten Mal einen Grand Prix. Und die Verfolger wissen schon, was ihnen wohl auch am Sonntag wieder blüht. "Das sieht man als Blinder mit Krückstock, dass die im Moment unheimlich stark sind", sagte Titelverteidiger Vettel. Der Serien-Weltmeister ist derzeit nur WM-Sechster und hat schon 38 Punkte Rückstand auf Rosberg.