Erstellt am 20. Juli 2014, 15:07

von APA/Red

Merkel und Co. drohen Putin mit harten Sanktionen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Francois Hollande und der britische Premierminister David Cameron haben Russland mit schärferen EU-Sanktionen gedroht.

Russlands Präsident Wladimir Putin müsse Druck auf die prorussischen Separatisten in der Ostukraine ausüben. Den Ermittlern müsse ein ungehinderter Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17 gewährleistet werden.

Sollte Russland nicht "unverzüglich die nötigen Maßnahmen ergreifen", werde dies beim EU-Außenministerrat am Dienstag Konsequenzen haben, hieß es in Paris weiter. Die britische Regierung erklärte in London, Cameron habe am Morgen mit Merkel und Hollande gesprochen. "Bei beiden Anrufen ging es um zwei wichtige Fragen: Den Zugang zur Absturzstelle und die Haltung der EU zu Russland in Anbetracht der Tatsache, dass alles darauf hindeutet, dass die Rakete von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde", sagte ein Sprecher. "Sie waren sich alle einig, dass die EU ihre Haltung zu Russland überdenken muss und dass die Außenminister bereit sein sollen, weitete Sanktionen gegen Russland zu verhängen, wenn sie sich am Dienstag treffen."

Experten der OSZE inspizierten Waggons

In der Ukraine haben am Sonntag OSZE-Beobachter in Begleitung von prorussischen Separatisten die Zugwaggons mit den Verunglückten inspiziert, die sich an einem etwa 15 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Bahnhof befanden. Zu sehen gewesen seien Leichensäcke, die man aber nicht habe zählen können, sagte der stellvertretende Leiter des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug.

Die Leichen Dutzender Insassen des über der Ukraine mutmaßlich abgeschossenen Passagierflugzeugs werden offenbar in Eisenbahn-Kühlwaggons aufbewahrt. Dort würden sie bleiben, bis klar sei, was mit ihnen geschehen solle", sagte der hochrangige Rebellenvertreter Sergej Kawtaradse am Sonntag. Ein Bahnmitarbeiter sagte, die Leichen seien in den Waggons über Nacht zu dem Bahnhof gebracht worden. Sie sollten in den nahe gelegenen Ort Ilowaisk gebracht werden.

Genaue Umstände weiter unklar

Das malaysische Flugzeug war aus bisher nicht geklärter Ursache am Donnerstag auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur unweit der ukrainisch-russischen Grenze abgestürzt. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Das Gebiet befindet sich in der Region, in der einander das ukrainische Militär und prorussische Separatisten heftige Kämpfe liefern. Es wird vermutet, dass das Flugzeug mit einer Rakete abgeschossen wurde.

Wer tatsächlich hinter dem Abschuss der Maschine steckt, war am Sonntag weiterhin unklar. Die Aufständischen im Osten der Ukraine sollen jedoch nach Informationen der "Washington Post" von Russland das Flugabwehrsystem Buk erhalten haben, das zum Abschuss der malaysischen Passagiermaschine am Donnerstag genutzt wurde. Nach dem Absturz der Maschine seien die verbliebenen Raketen in der Nacht auf Freitag wieder auf russisches Territorium geschafft worden.

Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter. Die US-Geheimdienste hätten vor gut einer Woche Hinweise darauf erhalten, dass die Boden-Luft-Raketen den prorussischen Rebellen zur Verfügung gestellt worden seien, berichtete das Blatt am späten Samstagabend online. Der ukrainische Geheimdienstchef Witali Najda habe berichtet, dass eine Batterie des Systems mit einer fehlenden Rakete am Freitag früh die Grenze nach Russland überquert habe.

Vernichtung von Beweisen befürchtet

Die Boeing der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 mit 298 Insassen war nach Einschätzung von US-Experten von einer Rakete getroffen worden, die aus dem von den Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert wurde. Die Maschine wurde demnach in einer Flughöhe von etwa 10.000 Metern getroffen, die von den Buk-Raketen erreicht werden kann. "Wir nehmen an, dass sie dabei sind, die Beweise für ihr Tun zu beseitigen", sagte ein US-Regierungsvertreter dem "Wall Street Journal". Der russische Präsident Wladimir Putin hatte dementiert, dass die prorussischen Separatisten von Russland aus militärisch unterstützt werden.