Erstellt am 30. September 2015, 16:04

von APA/Red

Flüchtlingszustrom in der Stadt Salzburg spitzt sich zu. In der Stadt Salzburg hat sich am Mittwoch der Zustrom von Flüchtlingen zugespitzt. Am Vormittag hielten sich bereits 2.000 Menschen am Bahnhof, vor der Grenze oder auf dem Weg dazwischen auf.

Am Dienstag kamen etwa 7.000 Menschen im Burgenland an  |  NOEN, APA

Laufend kamen weitere aus dem Osten und dem Süden Österreichs an. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) appellierte erneut in diese Richtung, keine Flüchtlinge mehr zu schicken.

Der Abfertigungsbereich am Grenzübergang Saalbrücke war schon Mittwochvormittag mit 800 Flüchtlingen voll belegt. Parallel dazu ging der Ausbau der Infrastruktur an der Grenze weiter. Ein beheiztes Zelt, das rund 70 Menschen eine Notunterkunft bietet, war noch am Dienstag fertiggestellt worden, ein weiteres beheiztes Zelt für rund 90 Menschen befand sich am Vormittag im Aufbau. Weiters sollten im Laufe des Tages die sanitären Einrichtungen durch fünf WC und zwei Duschcontainer verbessert werden.

Die Infrastruktur ist aufgrund der räumlichen Verhältnisse für maximal 800 Flüchtlinge ausgelegt und somit derzeit an der Kapazitätsgrenze. Dies führt dazu, dass an der Grenze neu ankommende Flüchtlinge aufgrund der Abfertigungsgeschwindigkeit auf deutscher Seite derzeit nicht mehr in den Wartebereich eingelassen werden können.

Im gesamten Stadtgebiet hielten sich am Vormittag rund 2.000 Flüchtlinge auf. Gleichzeitig ist der Zustrom aus dem Osten und Süden Österreichs weiterhin sehr stark. Ein Sonderzug mit 348 Flüchtlingen verließ zwar Mittwochvormittag den Salzburger Hauptbahnhof. Für heute wurde jedoch mit keinen weiteren Sonderzügen nach Deutschland gerechnet.

Ein Bild von der Flüchtlingslage in Salzburg hat sich am Mittwoch auch der Österreich-Chef des UNO-Flüchtlingshochkommissariats, Christoph Pinter, gemacht. In einem Gespräch am Vormittag erläuterten Schaden, Magistratsdirektor Martin Floss und Einsatzleiter Michael Haybäck die dramatische Situation: Mit 1.500 Flüchtlingen am Bahnhof, 800 an der Grenze nach Freilassing und 600 in der alten Autobahnmeisterei "kommen wir an die Kapazitätsgrenze der Stadt", betonten sie.

"Nur dank der guten Kontakte zwischen Wien und Berlin gibt es noch Sonderzüge. Die brauchen wir wie einen Bissen Brot. Sonst droht die Lage aus dem Ruder zu laufen. Und die bislang so erfolgreiche humanitäre Hilfe aller Beteiligten für die Flüchtlinge kann nicht aufrechterhalten werden. Immer wieder melden wir der Wiener Verkehrsleitzentrale, dass niemand mehr geschickt werden darf - und dann kommen neue Flüchtlinge nach", sagte Schaden.

Der Salzburger Bürgermeister warnte erneut vor einer drohenden Sperre des Hauptbahnhofs: Bei 2.000 Personen muss dieser aus Sicherheitsgründen für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Der Bürgermeister fürchtet außerdem, dass viele Flüchtlinge nach Österreich zurückgeschickt werden, wenn die angekündigte "48-Stunden-Schnellabfertigung" der Deutschen kommt.

Die steirischen Transitlager für Flüchtlinge sind unterdessen leer, so die Landespolizeidirektion Mittwochmittag. Die Menschen wurden in Richtung Salzburg gebracht. Auch die Lage an der Grenze war ruhig, es kam zu keinen Übertritten. Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) pochte darauf, dass die rund 900 Asylwerber in der Schwarzl-Halle in Unterpremstätten in die steirische Asylquote einbezogen werden.

Am burgenländischen Grenzübergang Nickelsdorf sind derweil am Mittwoch seit Mitternacht rund 3.200 Flüchtlinge angekommen. Diese Zahl nannte die Polizei Burgenland Mittwoch früh auf Anfrage der APA. Die Ankünfte erfolgten mit zwei aus Ungarn kommenden Zügen. In Heiligenkreuz erreichten unterdessen 25 Menschen Österreich. Weitere 2.300 Menschen haben sich Mittwochfrüh in von den Hilfsorganisationen betreuten Einrichtungen an Bahnhöfen in Wien und Salzburg bzw. in der Sammelstelle bei Nickelsdorf befunden, sagte Bundesrettungskommandant Gerry Foitik vom Österreichischen Roten Kreuz der APA.

Im Bereich der beiden großen Wiener Bahnhöfe hielten sich am Mittwoch gegen Mittag insgesamt rund 1.450 Flüchtlinge auf, hieß es von der Landespolizeidirektion. "Am Hauptbahnhof sind es derzeit rund 1.200 Menschen, am Westbahnhof 250", sagte Polizeisprecher Christoph Pölzl.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) will unterdessen "anerkannte Flüchtlinge rasch in Arbeit bringen". Hundstorfer sagte nach Angaben der SPÖ-Delegation am Mittwoch bei einem Besuch der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament in Brüssel: "Das ist wichtig für die Integration." Gleichzeitig warnte Hundstorfer: "Aber es darf keinesfalls dazu kommen, dass diese dann weniger verdienen als andere Arbeitnehmer oder schlechteren arbeitsrechtlichen Schutz gewährt bekommen. Wir dürfen keine Zweiklassengesellschaft zulassen."

Auch in Ungarn hielt der Flüchtlingszustrom an. Am Dienstag kamen mehr als 6.600 Migranten. Wegen der Abriegelung der ungarischen Grenze zu Serbien am 15. September mit einem Grenzzaun führt die Flüchtlingsroute zumeist über Kroatien nach Ungarn. Von dort aus queren jeden Tag Tausende Menschen die Grenze zu Österreich. Die ungarische Regierung will indes mehr Geld für die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen einsetzen. Dazu seien 370 Millionen Forint (1,18 Mio. Euro) für zusätzliche Unterkünfte bereitgestellt worden.

In Kroatien sind unterdessen in den vergangenen zwei Wochen mehr als 88.500 im Land gezählt worden. Am Dienstag allein kamen mehr als 4.200 Flüchtlinge aus Serbien kommend in Kroatien an, wie das Innenministerium in Zagreb am Mittwoch mitteilte. Im Aufnahmelager in Opatovac, von wo die Flüchtlinge ununterbrochen an die ungarische Grenze gebracht werden, befanden sich Mittwoch früh rund 1.300 Menschen. Das Innenministerium erwartet auch am Mittwoch einen weiterhin großen Zufluss aus Serbien, hieß es.