Erstellt am 10. September 2015, 13:11

von APA/Red

Tausende weitere Flüchtlinge durchqueren Österreich. Hunderte Flüchtlinge sind seit der Nacht auf Donnerstag aus Ungarn in Nickelsdorf und Wien eingetroffen. Am Vormittag hielten sich noch 3.700 Flüchtlinge in Nickelsdorf und 2.000 in Wien auf.

Warten auf Weiterreise am Grenzübergang Nickelsdorf  |  NOEN, APA

Das Innenministerium erwartet noch Tausende mehr. Die ÖBB stellten aufgrund der "massiven Überlastung" den Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn vorübergehend ein.

"Wir haben eine Situation wie zum Wochenende", sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Die Busflotte zum Transport der Flüchtlinge soll verstärkt und zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit geschaffen werden. Dass diesmal weniger Züge zur Verfügung stehen, sei auf "organisatorische Nachwehen" vom Wochenende zurückzuführen, sagte Grundböck. "Daher müssen wir verstärkt auf Busse setzen." In Nickelsdorf seien am Vormittag 18 Fahrzeuge des Unternehmens Dr. Richard eingetroffen. Damit werde man nicht auskommen.

Am Wiener Westbahnhof kam am Donnerstagvormittag nach einem Sonderzug ein erster regulärer Zug an und danach wieder ein Sonderzug. An Bord befanden sich jeweils mehrere hundert Flüchtlinge, von denen die meisten nach Deutschland wollen. In den Vormittagsstunden kamen wesentlich mehr Flüchtlinge am Westbahnhof an, als ihn wieder verließen, weil die ÖBB und die Westbahn stets nur einigen wenigen Migranten erlaubte, an Bord der Züge Richtung Westen zu gehen.

"Auch wir erfahren erst 10 bis 15 Minuten vor Abfahrt , wieviele Flüchtlinge mitgenommen werden", sagte ein Caritas-Mitarbeiter am Bahnhof. "Sie zählen zuerst durch und schauen, wieviele Plätze frei bleiben."

Privatpersonen wollen Flüchtlinge zum Westbahnhof bringen

Mit Privatfahrzeugen wollen indes Aktivisten Flüchtlinge vom Bahnhof Györ in Ungarn zum Wiener Westbahnhof bringen. "Wir bitten, die Behörden in Ungarn und Österreich, uns bei diesem humanitären Auftrag nicht zu behindern", sagte ein Initiator der Aktion. "Am Bahnhof Györ müssen jede Nacht viele Familien mit Kleinkindern übernachten. Deswegen organisieren wir heute einen Spontan-Konvoi um möglichst viele gratis und sicher nach Wien zu bringen", hieß es in einer Aussendung.

Das sei "auch die effektivste Maßnahme", um Flüchtlinge vor Schlepper zu bewahren. Der Konvoi trifft sich demnach um 18.00 Uhr am Parkplatz vor dem Ernst-Happel-Stadion (Meiereistrasse). Bereits am Sonntag war es zu einer ähnlichen Aktion gekommen.

Von rund 270 Flüchtlingen, die Donnerstagvormittag in der Grazer Messe vorübergehend untergebracht wurden, sind kurz vor Mittag 150 mit Bussen zum Hauptbahnhof gebracht worden. Sie konnte mit einem regulären Zug nach Deutschland weiterreisen. Die übrigen 120 Schutzsuchenden sollen ebenfalls mit Zügen weiterreisen. Lediglich eine vierköpfige Familie stellte einen Asylantrag.

An der Grenzstation in Nickelsdorf waren Migranten in der Nacht von Helfern des Roten Kreuzes empfangen worden. Auch das Bundesheer war im Einsatz. Per Durchsagen von Dolmetschern wurden die Flüchtlinge aufgerufen, Geduld zu haben, weil nicht genügend Busse zu Verfügung stünden, erklärte der Einsatzleiter am Grenzübergang, Christian Knopf. Die Menschen seien sehr ruhig, bei der Ankunft hielten sie sich an den Händen und seien in erster Linie "sehr froh, dass sie in Österreich sind", so Knopf.

Meisten Flüchtlinge möchten nach Deutschland

Die Flüchtlinge seien vor allem müde und erschöpft, hieß es vonseiten des Roten Kreuzes. Wichtig sei daher, dass sie sich ausruhen könnten. Seit dem späten Abend trafen laufend Gruppen von Flüchtlingen am Grenzübergang ein. Zwischen ein und zwei Uhr in der Nacht seien allein mit einem Zug rund 1.000 Menschen am ungarischen Grenzort Hegyeshalom eingetroffen. Die B10 von Ungarn nach Österreich blieb daher die gesamte Nacht aus Sicherheitsgründen weiter gesperrt.

Die meisten Flüchtlinge wollten wie bisher weiter nach Deutschland. Nur einige Familien stellten in der Nacht einen Asylantrag, laut Polizei gab es bis in die frühen Morgenstunden rund 20 Anträge.

Laut Polizei kommen die meisten Flüchtlinge derzeit innerhalb eines Tages von der serbischen Grenze nach Österreich. Von Röszke würden die meisten nach Budapest fahren und von dort mit dem Zug nach Hegyeshalom kommen.

Verschärfte Einwanderungsbestimmungen ab 15. September

Hilfsorganisationen erwarten in den kommenden Tagen weiter eine große Anzahl von Flüchtlingen. Da am 15. September verschärfte Einwanderungsbestimmungen in Kraft treten, versuchen zahlreiche Menschen noch vorher Ungarn Richtung Österreich zu durchqueren. Das umstrittene neue ungarische Einwanderungsgesetz sieht unter anderem Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren für alle vor, die den von Budapest an der Grenze zu Serbien errichteten Stacheldrahtzaun überwinden.

Am Wochenende hatten insgesamt 15.000 aus Ungarn kommende Flüchtlinge die Grenze nach Österreich passiert. In den vergangenen Tagen hatte der Zustrom vorübergehend deutlich nachgelassen.