Erstellt am 14. Oktober 2015, 12:27

Migrationsbewegung befördert Menschenhandel. Über 30 Milliarden US-Dollar (26 Mrd. Euro) werden nach Angaben des Innenministeriums weltweit pro Jahr durch Menschenhandel erzielt. Die derzeitige Migrationsbewegung befördere die Ausbeutung von Menschen.

 |  NOEN, APA (AFP)

"Die beschränkten Einreisemöglichkeiten führen dazu, dass noch mehr Personen zu Opfern werden", betonte der Strafrechtsexperte Andreas Schloenhardt bei einer Diskussion am Mittwoch in Wien.

Die prekäre Situation in den Transitländern würde dazu beitragen, dass der momentane Flüchtlingsstrom nicht weniger, sondern eher anwachsen würde, hieß es bei der Diskussion, die anlässlich des EU-Tages zur Bekämpfung des Menschenhandels am 18. Oktober geführt wurde.

Angesichts mangelnder Alternativen in ihrer Heimat müssten sich immer mehr Menschen an scheinbar vertrauenswürdige Schlepper wenden, die sie am Weg nach Europa und auch nach der Ankunft ausbeuten würden. "Besonders die hohe Anzahl unbegleiteter Minderjähriger ist besorgniserregend. Sie sind den Gefahren der Ausbeutung, Gewalt und Bedrohung besonders ausgeliefert", erklärte Schloenhardt.

Auch Elisabeth Tichy-Fisslberger, nationale Koordinatorin zur Bekämpfung des Menschenhandels und Sektionsleiterin im Außenministerium, betonte die spezielle Schutzwürdigkeit der minderjährigen Migranten. "Wir sehen, dass viele gezwungen werden, einen Asylantrag zu stellen und die Zeit während des Verfahrens genutzt wird, um sie auszubeuten. Es ist auch bekannt, dass Menschen auf mysteriöse Art und Weise aus Flüchtlingslagern verschwinden", sagte sie.

Weltweit werden vor allem Frauen und Mädchen als Opfer des Menschenhandels identifiziert. "Sie stellen einen Anteil von 70 Prozent der Opfer, 21 Prozent von ihnen sind noch minderjährig", berichtete Schloenhardt. Mehr als die Hälfte der weltweit gehandelten Menschen würde sexuell ausgebeutet. 40 Prozent der Opfer von Menschenhandel - tendenziell eher Männer - werden in der Arbeitsausbeutung identifiziert. In Österreich sei zudem speziell die Zwangsbettelei ein Problem, betonte der Strafrechtsexperte.

"Die Art und Weise, wie die Migrationsmöglichkeiten heute gestaltet sind, ist die Grundlage dafür, dass diese Menschen so massiv ausgebeutet werden", sagte Evelyn Probst, Leiterin von LEFÖ-IBF, der Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels. Die Schaffung legaler Migrationswege sei laut den Experten der Diskussion daher eine Möglichkeit, der Ausbeutung von Menschen entgegen zu wirken.

"Wir müssen der Bekämpfung des Menschenhandels höchste Priorität einräumen", sagte Franz Einzinger, Sektionsleiter im Innenministerium. Diesen Kampf könne aber kein Land alleine gewinnen, die internationale Zusammenarbeit habe hier einen hohen Stellenwert. "Viele Opfer fühlen sich nicht als Opfer, weil sie finanziell von den Menschenhändlern abhängig sind und in ihrem Leben nichts anderes als Demütigung erlebt haben. Hinter ihnen steht keine Lobby, daher kann ihre aussichtslose Situation nur von außen aufgelöst werden."