Erstellt am 01. Juli 2015, 14:53

Mikl-Leitner will "auch Tätern Hilfe zukommen lassen". Nach der Amokfahrt in Graz und der geplanten verpflichtenden Rechtsberatung im Falle einer Wegweisung hat sich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) für mehr Auseinandersetzung mit Tätern ausgesprochen.

 |  NOEN, APA

"Das Ereignis zeigt uns, dass wir auch Tätern Hilfe zukommen lassen müssen", sagte sie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) über Gewaltprävention.

Bei diesem verpflichtenden Gespräch mit speziell ausgebildeten Beamten ginge es darum, dem "Täter die Konsequenzen bewusst zu machen." Im Jahr 2014 wurden insgesamt 7.587 Wegweisungen ausgesprochen. Die Innenministerin kündigte hierzu weitere Schritte in den nächsten Wochen an, wobei aber die Rechtsberatung, die verpflichtend im Sicherheitspolizeigesetz verankert werden soll, nicht die einzige Maßnahme bleiben könnte.

So sagte Mikl-Leitner, auf das Konzept "Krisenhilfe für weggewiesene Männer" des Vereins für Bewährungshilfe Neustart angesprochen, dass es zudem auch eine psychische Betreuung für Täter brauche, um die Gewaltspirale zu beenden, "hier braucht es eine Ist-Analyse und ein Konzept für ganz Österreich", sagte die Innenministerin.

Ansonsten stand jedoch der Opferschutz, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, im Mittelpunkt. "Polizeiarbeit wird in erster Linie als Aufklären von Verbrechen gesehen, aber erst in zweiter Linie, dass sie auch Opferarbeit und Opferschutz bedeutet", betonte Mikl-Leitner, die dazu mehrere Projekte vorstellte. Bei der "komplexen Opferarbeit" ginge es etwa darum, Polizisten zu sensibilisieren.

Unterstützung biete eine auf wissenschaftlichen Kriterien basierende Checkliste mit einem Ampelsystem, etwa um Fälle von Verwahrlosung oder Vernachlässigung zu definieren. Erwähnt wurde auch das Pilotprojekt MARAC (Multi-Agency Risk Assessment Conference), bei dem in Fallkonferenzen Behörden und Institutionen zeitnah den Opferschutz gemeinsam zu optimieren versuchen.

Hier komme neben der Exekutive unter anderem auch Pädagogen eine Verantwortung zu, ergänzte dann Karmasin, die unter anderem den im Vorjahr vom Familienministerium herausgegebenen Leitfaden "Gewalt am Kind erkennen und helfen" als Mittel zur Sensibilisierung dieser Berufsgruppe hervorhob.

Karmasin betonte zudem, dass Österreich nach Schweden, Norwegen und Finnland 1989 der weltweit vierte Staat gewesen ist, in dem die körperliche Züchtigung von Kindern gesetzlich verboten wurde. "Das ist nicht selbstverständlich, denn in den USA ist das etwa nicht der Fall", sagte die Familienministerin.

Eine weitere Maßnahme zur Prävention wurde vom "Kuratorium Sicheres Österreich" (KSÖ) präsentiert, dessen Präsident Erwin Hameseder dazu die im vorigen Herbst gestarteten Lehrgänge des Instituts für Gewaltprävention und Konfliktmanagement in Familien (IFGK) vorstellte.

Die von dem gemeinnützigen Verein angebotenen Lehrgänge wenden sich an Personen die mit Prävention im weitestens Sinne zu tun haben, also an Lehrer, Polizisten oder Sozialarbeiter. Die 15 Absolventen des zweiten Lehrgangs bekamen nach Abschluss der Pressekonferenz von den beiden Ministerinnen ihr Diplom überreicht.