Erstellt am 08. Oktober 2014, 09:48

Mindestens 14 Tote bei Anti-IS-Demos in Türkei. Bei Protesten in der Türkei gegen den Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf die syrische Grenzstadt Kobane in Nordsyrien sind nach Medienangaben mindestens 14 Menschen getötet worden.

Wie die Zeitung "Hürriyet" weiter schrieb, seien zudem zahlreiche Menschen verletzt worden. An den Auseinandersetzungen beteiligt waren die Polizei, pro-kurdische Demonstranten und Islamisten.

Die Demonstranten werfen Ankara vor, dem drohenden Fall der nordsyrischen Kurdenstadt Kobane an den IS tatenlos zuzusehen. Das Parlament billigte zwar jüngst den Einsatz der Armee in Syrien und dem Irak, doch startete die Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bisher keine militärische Intervention. Die Kurdenpartei HDP hatte deshalb zu den landesweiten Protesten am Dienstag aufgerufen, tausende Menschen folgten dem Appell.

In Diyarbakir und anderen kurdischen Städten im Südosten der Türkei wurden Regierungs- und Parteigebäude beschädigt, Fahrzeuge in Brand gesetzt sowie Banken und Geschäfte geplündert. Mindestens drei Tote wurden aus der Stadt Mardin gemeldet, zwei aus Siirt sowie jeweils einer aus den Städten Batman und Mus. In den kurdischen Provinzen Diyarbakir, Mardin, Siirt und Van wurden Ausgangssperren verhängt. Die Armee wurde erstmals seit Aufhebung des Ausnahmezustands vor zwölf Jahren wieder auf den Straßen eingesetzt.

Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt

Die Polizei setzte auch in der Metropole Istanbul und der Hauptstadt Ankara Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. In Istanbul wurde ein Demonstrant durch einen Schuss in den Kopf schwer verletzt. Mindestens 98 Menschen wurden laut der Nachrichtenagentur Dogan festgenommen. Proteste gab es auch in der Küstenstadt Antalya sowie in Mersin und Adana im Süden des Landes.

Die US-Regierung ist nach den Worten eines Washingtoner Regierungsbeamten wegen des zögerlichen Verhaltens der Türkei im Kampf gegen den IS zunehmend besorgt. "So sollte sich ein NATO-Verbündeter nicht verhalten, während einen Steinwurf von seiner Grenze entfernt die Hölle los ist", sagte ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter der "New York Times" am Dienstag.

Mehr als 180.000 Flüchtlinge aus der Stadt Kobane, die auch unter dem arabischen Namen Ayn al-Arab bekannt ist und direkt an der syrisch-türkischen Grenze liegt, suchten bereits Zuflucht in der Türkei. Im Kampf um die Stadt starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte bisher rund 400 Menschen.

Auf türkischem Territorium an der Grenze zu Syrien schlagen auch immer wieder Geschosse ein, während sich IS-Kämpfer und kurdische Kämpfer Gefechte liefern. Die Türkei und Syrien teilen eine rund 900 Kilometer lange Grenze.