Erstellt am 04. Mai 2014, 16:19

Mindestens 30 Tote durch Gewalt im Irak. Bei Angriffen und Anschlägen im Irak sind am Wochenende mindestens 30 Menschen getötet worden.

Die umkämpfte Stadt Falluja steht seit Samstagabend unter Beschuss, dabei kamen bisher mindestens elf Menschen ums Leben, wie ein Arzt am Sonntag sagte. Elf schiitische Pilger wurden bei einem Angriff auf ihren Bus getötet, im Südosten der Hauptstadt erschossen Unbekannte acht Mitglieder einer Familie.

Nach Angaben des Arztes Ahmed Shami wurden mehrere südliche Stadtteile von Falluja, das westlich von Bagdad liegt, beschossen. Wer hinter dem Angriff stand, war zunächst nicht klar. Falluja wird seit mehr als vier Monaten von sunnitischen Aufständischen gehalten. Diese kontrollieren auch Teile von Ramadi, der Hauptstadt der Provinz Anbar.

Räumung eines Protestlagers war Auslöser

Die Krise in Anbar war durch die gewaltsame Räumung eines Protestlagers der sunnitischen Opposition am Rande von Ramadi ausgelöst worden. Bis heute ist es der Armee nicht gelungen, die beiden Städte wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass Aufständische die Städte übernommen haben, die bereits nach der US-Invasion im Frühjahr 2003 eine Hochburg sunnitischer Rebellen und ein Hauptschauplatz der Kämpfe mit der US-Armee waren.

Bombe tötet Pilger

Nahe der Ortschaft Balad nördlich von Bagdad explodierte am Samstagabend eine Bombe am Straßenrand, als die Pilger in einem Bus vorbeifuhren, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Anschließend hätten unbekannte Bewaffnete das Feuer auf die Gläubigen eröffnet, die auf der Rückkehr von Samarra waren. 21 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Am Sonntag wurden die Opfer in der Provinz Missan bestattet.

Im Südosten der irakischen Hauptstadt wurden ebenfalls am Samstagabend acht Mitglieder derselben Familie erschossen. Die Polizei habe die Leichen im Haus der Familie in einem mehrheitlich von Sunniten bewohnten Viertel entdeckt, teilten Vertreter der Sicherheits- und Gesundheitsbehörden mit. Die Identität der Angreifer war in beiden Fällen zunächst nicht bekannt.

3.000 Tote seit Jahresbeginn

Seit Jahresbeginn wurden bei Anschlägen und Kämpfen landesweit bereits mehr als 3.000 Menschen getötet. Die Gewalt wird genährt von der Wut der sunnitischen Minderheit auf die schiitisch dominierte Regierung. Viele Sunniten werfen ihr vor, sie in Politik und Wirtschaft zu benachteiligen. Auch die Parlamentswahl am Mittwoch war von Anschlägen überschattet, dennoch lag die Wahlbeteiligung bei rund 60 Prozent. Die Ergebnisse werden Mitte Mai erwartet.