Erstellt am 11. August 2015, 19:06

von APA/Red

Misshandlungsvorwurf gegen Wiener Polizisten. Die Wiener Wochenzeitung "Falter" und das Onlinemagazin "Vice" haben am Dienstag von einem mutmaßlichen Polizeiübergriff in Wien-Leopoldstadt berichtet.

 |  NOEN, APA

Ein von einem Zeugen gefilmtes Video zeigt, wie ein Mann bei seiner Festnahme am 28. Juli ohne ersichtlichen Grund mit dem Gesicht voran zu Boden geworfen wird. Im Polizeiprotokoll soll es dagegen heißen, der Verdächtige habe sich gewehrt.

27-Jähriger schlägt mit dem Kopf auf dem Asphalt auf

In dem Video, das auf falter.at sowie auf vice.com veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie der mutmaßliche Taschendieb ruhig auf eine Hauswand blickt. Die Hände des 27-Jährigen sind auf dem Rücken gefesselt. Dann reißt einer der beiden Polizisten den Festgenommenen kurz nach hinten, dreht ihn um und drückt ihn gegen die Wand. Sein Kollege packt den Mann am Hals und wirft ihn zu Boden. Da die Arme des 27-Jährigen fixiert sind, schlägt er mit dem Kopf auf dem Asphalt auf, ein Schrei ist zu hören. Kurze Zeit später setzen die Polizisten den Gefesselten mit dem Rücken zur Hausmauer auf den Gehsteig.

Anschließend wurde der Vorfall von den Beamten laut "Falter" falsch dokumentiert. Im Protokoll der Amtshandlung heißt es demnach, der Festgenommene habe sich gewehrt. Auch leichte Verletzungen wurden notiert, die sich der Betroffene beim "mit dem Kopf von der Wand Wegdrücken" zugezogen habe. Der 27-Jährige sei auf freiem Fuß wegen Diebstahls angezeigt worden, berichtete der "Falter" weiter.

Erste Konsequenzen für die Polizisten

Die Wiener Polizei zog am Dienstagabend nach der Sichtung des Handyvideos erste Konsequenzen. "Die Beamten wurden mit sofortiger Wirkung vom operativen Außendienst abgezogen und in den Innendienst versetzt", sagte Polizeisprecher Johann Golob. Es bestehe der "dringende Verdacht, dass Körperkraft unverhältnismäßig angewendet wurde".

Zu den vorläufigen Konsequenzen gehört laut Golob auch, dass der Akt der Personalabteilung zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens weitergeleitet wird. Die internen Untersuchungen führt das Referat für besondere Ermittlungen. Sämtliche Beweismittel und Aussagen werden der Staatsanwaltschaft zur Beurteilung durch die Justiz übermittelt, betonte der Sprecher.