Update am 24. August 2016, 10:46

Erdbeben forderte dutzende Todesopfer. Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien steigt und steigt: Laut einer Zählung der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Mittwochnachmittag sind durch die Erdstöße in der Nacht 63 Menschen - unter ihnen auch Kinder - ums Leben gekommen.

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Offenbar gibt es hunderte Verletzte, tausende Menschen wurden obdachlos. Für sie werden Zeltstädte errichtet und Sporthallen geöffnet.

Die Orte Amatrice und Accumoli wurden praktisch völlig zerstört. Schwerste Schäden richtete das Beben auch in der kleinen Gemeinde Arquata an. Das Beben in einer Tiefe von vier Kilometern hatte nach Angaben der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) in Wien eine Magnitude von 6,2. Es war vereinzelt sogar in grenznahen Regionen von Kärnten und der Steiermark zu spüren. Dem ersten Beben um 3.36 Uhr folgten mehrere zum Teil heftige Nachbeben - zuletzt eines am Nachmittag mit einer Magnitude von 4,9.

Panik riefen die Erdstöße auch in der umbrischen Stadt Norcia hervor. In der Geburtsstadt des Heiligen Benedikt (geb. 480) wurde der Dom in Mitleidenschaft gezogen. Zu spüren waren die Erdstöße auch im rund 140 Kilometer vom Epizentrum entfernten Rom, wo Menschen aus dem Schlaf gerissen wurden. Das Kolosseum in Rom soll auf mögliche Schäden überprüft werden.

"Amatrice existiert nicht mehr, unsere ganze Gemeinde liegt in Trümmern", sagte Bürgermeister Sergio Pirozzi. In dem Ort mit seinem mittelalterlichen Zentrum, der sich auf der Liste der schönsten Dörfer Italiens befindet, haben viele Römer ihre Urlaubsdomizile. Amatrice galt als Gastronomie-Hochburg und ist Namensgeber der Pasta all' Amatriciana. Fast 2.600 Einwohner wurden obdachlos.

"Es ist eine Tragödie wie in L'Aquila vor sieben Jahren", sagte der Bürgermeister der Stadt in den Abruzzen. Dort kamen bei einem Erdbeben 2009 fast 300 Menschen ums Leben. Nach Angaben der ANSA vom Mittwochnachmittag starben allein in Amatrice 35 Menschen. "Jeder kennt jeden in Amatrice, viele Bekannte von mir haben Angehörige verloren", sagte die Lehrerin Lia Capriccioli. Die Frau aus Rom hielt sich in ihren Ferienhaus auf, als die Erde bebte, und kam dann im Hauptquartier des Zivilschutzes unter.

Der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2.500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar. "Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren", sagte Petrucci. "Obwohl August ist, herrschen hier nachts zehn Grad." Laut ANSA starben in Accumoli mindestens elf Menschen. In Arquata del Tronto wurde eine junge Familie ebenfalls in ihrem Ferienhaus verschüttet. Die Eltern überlebten, die eineinhalb Jahre alte Tochter starb. Tragischer Aspekt: Die Mutter hatte das vor sieben Jahren das verheerende Erdbeben in L'Aquila überlebt und war dann aus Furcht vor weiteren Beben aus der Stadt weggezogen.

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi und Präsident Sergio Mattarella haben den Opfern des Erdbebens bereits Hilfe zugesagt. Aus vielen Ländern gingen Zusagen für Unterstützung ein. "Wir bieten unsere bestmögliche Unterstützung an", schrieb Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) auf Twitter an seinen italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni. Auch österreichische Hilfsorganisationen leisteten über italienische Partnerorganisationen Unterstützung.

Eines der Probleme in der gebirgigen Region ist die schlechte Erreichbarkeit der Dörfer. Straßen waren zum Teil durch Steinschlag verlegt. Auf dem Weg nach Amatrice war eine Brücke teilweise eingestürzt. Das Beben führte auch zu einem Stromausfall, von dem Zehntausende Haushalte betroffen waren. Verletzte - ihre Zahl stand vorläufig nicht fest - mussten in weiter entfernte Spitäler gebracht werden. In Amatrice stürzte das kleine Krankenhaus zwar nicht ein, war aber großteils unbrauchbar. 15 Patienten mussten das Gebäude in der Nacht in aller Eile verlassen.

Italien gehört zu den besonders erdbebengefährdeten Ländern Europas. Ein Beben mit einer Stärke wie jetzt in Latium und den Marken kommt in Italien durchschnittlich alle zehn Jahr vor. Unter dem Land bewegt sich ein etwa tausend Kilometer langer Keil der afrikanischen Platte mehrere Meter im Jahrhundert nach Norden und Westen und drückt gegen die Alpen und den Apennin. Dabei bauen sich Spannungen im Untergrund auf. Werden diese Spannungen zu groß, kommt es zu einem Bruch und die Erde bebt.