Erstellt am 27. Oktober 2016, 06:19

Verletzte und schwere Schäden bei Erdbeben. Nur zwei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ist die Region am Mittwochabend erneut von zwei schweren Erdstößen erschüttert worden. Ein erstes Erdbeben der Magnitude 5,4 wurde um 19.11 Uhr gemessen und war auch in Rom deutlich zu spüren. Das Epizentrum lag demnach nahe der Provinzhauptstadt Macerata in der Region Marken. Ein Mann verstarb an einem Herzinfarkt.

Italien wurde wieder schwer erschüttert  |  APA (AFP)

Wahrscheinlich in Folge des Erdbebens erlitt ein 73-Jähriger in Tolino einen tödlichen Herzinfarkt. Der Schock könnte den Infarkt ausgelöst haben, meldete die Nachrichtenagentur Ansa Donnerstagnacht unter Berufung auf die Carabinieri der Provinz Macerata. Er sei das erste "indirekte" Todesopfer des Bebens.

In der Gemeinde Visso gab es zwei Verletzte. Vor allem in der Provinz von Macerata in der Adria-Region Marken kam es zu Einstürzen von Häusern. Hier gab es auch Stromausfälle, die Telefonleitungen waren unterbrochen. Die Feuerwehren erhielten zahlreiche Anrufe verängstigter Bürger. Viele von ihnen rannten auf die Straße.

Das Erdbeben war auch in Amatrice deutlich spürbar. Die Berggemeinde am Apennin war bei einem Erdbeben am 24. August völlig zerstört worden. Laut Medienangaben wurden auch in Arquata Einstürze gemeldet, einer der beim Erdbeben im August am schwersten beschädigten Gemeinden. Zu Problemen kam es auf der Via Salaria, einer Konsularstraße, die Rom mit den Marken verbindet. Die Straße wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Um 21.18 Uhr sorgte ein noch stärkeres Erdbeben mit Magnitude 5,9 für weiteren Schrecken. Der Nachstoß wurde von Trentino bis Neapel wahrgenommen. Die Menschen rannten auf die Straße, viele von ihnen wollten die Nacht im Freien verbringen. Heftige Niederschläge erschwerten die Arbeit der Feuerwehrleute. Das Dorf Ussita in den Marken ist nach Angaben des dortigen Bürgermeisters schwer verwüstet. "Unser Dorf ist am Ende", sagte Marco Rinaldi dem Staatsfernsehen RAI. 25 Senioren seien aus dem Altersheim evakuiert worden. Der Bürgermeister hoffte aber, dass es keine Todesopfer geben werde, weil die meisten Bewohner nach den ersten Erdstößen um 19.11 Uhr ihre Wohnungen bereits verlassen hätten.

"Es wahr schrecklich, es war wie ein Bombenangriff. Ein Erdbeben, das kein Ende nehmen wollte", sagte der Bürgermeister der Ortschaft Serravalle del Chienti, die bereits bei einem Erdbeben in Umbrien 1997 schwere Schäden erlitten hatte. "Wir haben Gebäude einstürzen sehen, doch bisher gibt es keine Nachrichten von Verletzten oder Vermissten", sagte der Bürgermeister.

Zudem sei eine Kirche in der umbrischen Stadt Norcia beschädigt worden, der Geburtsstadt des Heiligen Benedikt (geb. 480). In der Kleinstadt waren auch nach dem Erdbeben vor zwei Monaten Sachschäden gemeldet worden. Zu spüren waren die Erschütterungen auch in Rom, wo es in einigen Vierteln zu kleinen Sachschäden bei Gebäuden kam. Das Außenministerium wurde aus Sicherheit evakuiert.

Wegen der Erdbeben bleiben am Donnerstag mehrere Schulen in mittelitalienischen Städten, darunter Perugia, Terni, Ascoli Piceno und Assisi, sowie L'Aquila geschlossen. Die Sicherheit aller Schulen müsse überprüft werden, berichtete der Bürgermeister von L'Aquila, Massimo Cialente. 2009 hatten Erdstöße Teile von L'Aquila verwüstet, damals gab es 306 Tote.

Laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) wurde das Erdbeben am Mittwochabend vereinzelt auch in südlichen Teilen Österreichs in höheren Stockwerken als langsames Schwanken des Gebäudes wahrgenommen.

Erst vor zwei Monaten war Mittelitalien von einem verheerenden Erdbeben erschüttert worden. Bei dem Beben am 24. August mit einer Magnitude 6,0 kamen 298 Menschen ums Leben. Mehrere Städte wurden komplett zerstört. Das Epizentrum lag damals im Ort Amatrice in der Region Latium.