Erstellt am 09. November 2014, 09:48

von APA/Red

Mitterlehner rechnet nicht mit Sand im Getriebe. Der frisch gekürte ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner will nicht, dass die Parteitags-Ergebnisse von ÖVP (vom Samstag) und SPÖ (die Ende November ihren Chef Werner Faymann wiederbestellt) das Koalitionsklima beeinflussen.

Das "wäre blöd", sagte er nach seiner Bestellung mit 99,1 Prozent im Interview. Er räumte aber ein, dass der Druck auf Faymann wohl "nicht weniger" geworden ist. In seiner Rede am ÖVP-Parteitag hatte Mitterlehner von deutlichen Angriffen auf die politischen Gegner bzw. die SPÖ abgesehen. Dies will er als "Signal auch in Richtung einer politischen Kultur" verstanden wissen. Er wolle die ÖVP weiterhin als konstruktive Kraft positionieren, die dem Wähler eine "Orientierung, eine Lösung" bietet. "Ich habe absichtlich niemanden abqualifiziert, weil ich das nicht mag. Ich mache niemanden lächerlich, das wäre ja ein leichtes auf einem Parteitag. Andere bauen vielleicht auf Lacher gegen die Gegner. Das ist mir zu billig." Und einige "ironische" Seitenhiebe habe er ja durchaus eingebaut.

Und hat noch einen weiteren parat, doch ein wenig in Richtung SPÖ: "Wir positionieren uns mit Kompetenz und Leistung, und das ist eine klare Ansage in Richtung Publikum. Die anderen profilieren sich mit Umverteilung und sonstwas." Mitterlehner ist dennoch zuversichtlich, "meinen anderen Stil" weiter verfolgen zu können - selbst wenn auf die Koalition Kraftproben wie die Steuerreform und Landtagswahlen warten. "Ich möchte einfach den Krach gar nicht provozieren, sondern das Publikum überraschen, indem wir das lösen. Und den Streit erst einmal intern austragen."

 Rekordergebnis von 99,1 Prozent

Die ÖVP-Zentrale, die bis zum Sommer nicht nur im EU-Wahlkampf gern via Aussendungen in Richtung SPÖ austeilte, sich seit dem Obmann-Wechsel in der ÖVP aber in dieser Hinsicht ruhig verhält, habe er aber nicht zurückgepfiffen, versichert er auf eine entsprechende Frage. Das sei einfach "automatisch" passiert.

Nicht kommentieren will er die Einschätzung so mancher Kommentatoren, dass die SPÖ sich angesichts der guten Stimmung bei ÖVP und Mitterlehner selbst langsam Sorgen machen sollte, ob hier Faymann nicht das Wasser abgegraben werde. "Das müssen andere bewerten. Ich schätze ihn an sich ja."

Das Rekordergebnis von 99,1 Prozent habe er so nicht zu erhoffen gewagt - über 90 Prozent aber habe er schon angepeilt, so Mitterlehner. Die Stimmung in der Partei sei gut, dies habe sich schon vorher gezeigt, doch das klare Votum war "doch überraschend". Er führt dies aber auch darauf zurück, "dass ich die Stimmung mit meiner Rede genau getroffen habe. Die war punktgenau." Nämlich: Nicht "nur Inhalte mit Ideologie zu verbrämen, sondern auch ein bisschen mit Praxis". Und: Die Volkspartei könne eine Portion "Selbstironie, Humor" gut gebrauchen. Seine Lockerheit sei übrigens keine "besondere Masche von mir", versichert er: "So bin ich halt."