St. Pölten

Erstellt am 21. Dezember 2017, 10:44

von Anita Kiefer

kika/Leiner: Spekulationen über Insolvenz. kika/Leiner könnte in Österreich von den Problemen des südafrikanischen Mutterkonzerns betroffen sein. Marketingleiterin kann Gerüchte über eine mögliche Insolvenz „weder bestätigen noch dementieren“.

 |  NOEN, Foto: APA

Der Bilanzskandal bei der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe, zu der kika/Leiner in Österreich gehört, zieht immer weitere Kreise. Gegen den Steinhoff-Konzern mit niederländischer Rechtsform und südafrikanischem Firmensitz wird wegen Bilanzunregelmäßigkeiten ermittelt.

Der Konzern hat wichtige Führungspersonen ausgetauscht und verhandelt aktuell mit Banken um Kreditlinien. Laut Medienberichten steht der Steinhoff-Konzern nach seiner bisherigen Bilanz 2016 mit 16 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide.

An die NÖN wurde das Gerücht herangetragen, dass kika/Leiner in Österreich vor der Insolvenz steht. Gerhard Weinhofer, Sprecher des Kreditschutzverbandes Creditreform: „Wir prüfen aktuell die Rudolf Leiner Gesellschaft m.b.H. und die Kika Möbel-Handelsgesellschaft m.b.H. Beide Unternehmen sind unauffällig und derzeit in einer guten Bonität.“ Es gebe keine negativen Anzeichen einer Zahlungsunfähigkeit. Auch der Kreditschutzverband KSV1870 bestätigte, dass noch kein Insolvenzantrag gestellt wurde oder gar im Laufen sei.

Kika/Leiner-Marketingleiterin Sonja Felber, gefragt nach einer anstehenden Insolvenz von kika/Leiner in Österreich: „Das können wir weder bestätigen noch dementieren.“ Alle weiteren Fragen seien an die Konzernzentrale zu richten.

Auf Nachfrage, warum laut Firmenbuch einer der bisherigen Gesamtprokuristen der Rudolf Leiner Gesellschaft m.b.H. (Sitz: St. Pölten), Franz Fügerl, seit 14. Dezember 2017 nicht mehr Prokurist ist, reagierte Felber schriftlich: Man könne keine Auskunft geben. „Die Vertreter des Steinhoff-Konzerns verhandeln derzeit intensiv mit den kreditgebenden Institutionen über weitere Kreditlinien für den gesamten Konzern. Ergebnisse dieser Verhandlungen werden direkt vom Steinhoff-Konzern kommuniziert.“

Außerdem wurde in dem Mail auf Gunnar George, den CEO von kika/Leiner verwiesen: „Wir stehen bei kika/Leiner mitten im Weihnachtsgeschäft, das zu unserer Zufriedenheit läuft. All unsere Kräfte und unser Engagement sind darauf ausgerichtet.“

Fakt ist aber: Hinter kika/Leiner steht in Österreich ein dichtes und miteinander verwobenes Netz aus verschiedenen Unternehmen. An der Rudolf Leiner Gesellschaft m.b.H. und der KIKA Möbel-Handelsgesellschaft m.b.H. etwa ist zu je 99 Prozent die Genesis Investments Alpha GmbH mit Sitz in Brunn/Gebirge beteiligt.

Mit der Rudolf Leiner Gesellschaft m.b.H. sind direkt zwölf weitere Unternehmen verbunden, darunter die Steinhoff Europe AG mit Sitz in Brunn/Gebirge, die KIKA Immobilien GmbH, die Leiner Immobilien GmbH und die Lipa Möbelhandels GmbH.

Und: Innerhalb der zum Steinhoff-Konzern gehörenden Firmen gibt es hohe wechselseitige Forderungen und Verbindlichkeiten. Die Genesis Investments Alpha GmbH beispielsweise weist in ihrer letztverfügbaren Bilanz mit Stichtag 30. September 2016 Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro auf.