Erstellt am 27. September 2016, 12:47

14 Jahre Haft für Überfall auf Querschnittgelähmten. Nach einer sehr kurzen Urteilsberatung hat ein 34-Jähriger in Korneuburg nach einem Raubüberfall auf einen Querschnittgelähmten und dessen Betreuerin im Jänner in Moosbrunn (Bezirk Wien-Umgebung) 14 Jahre Haft erhalten.

Täter Costel Tabacaru  |  Jutta Hahslinger

Wegen eines brutalen Raubüberfalls auf einen Querschnittgelähmten (72) und seine Betreuerin im Jänner in einem Haus in Moosbrunn (Bezirk Wien-Umgebung) ist ein 34-Jähriger am Dienstag in Korneuburg zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. "Sie haben die Hilflosigkeit des Opfers schamlos ausgenützt", das rechtfertige eine derart hohe Strafe, sagte der Richter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Richter Manfred Hohenecker  |  Jutta Hahslinger

Der 34-Jährige war seinen Angaben zufolge von seinem Mittäter angeworben worden. Der Komplize hatte einen Tipp bekommen, wonach ein Querschnittgelähmter im Safe seines Hauses in Österreich 20.000 Euro aufbewahre. Daraufhin war das Duo von Rumänien nach Moosbrunn gefahren, wo die Männer - mit Sturmhauben maskiert und einem Messer bewaffnet - am 12. Jänner gegen 4.00 Uhr im Haus mehrere Räume auf der Suche nach einem Tresorschlüssel durchsucht hatten, bevor sie ins Schlafzimmer des 72-Jährigen eindrangen, der Zeitung las.

 

 

DNA-Treffer überführte Täter

Einer der beiden Täter schlug mit der Faust auf den Mann ein, der 34-Jährige drückte dem Pensionisten mehrere Sekunden lang einen Kopfpolster ins Gesicht. Als die rumänische Betreuerin (43) zu Hilfe kommen wollte, wurde sie vor dem Schlafzimmer mit Faustschlägen attackiert. Aufgrund der heftigen Gegenwehr der Opfer flüchteten die Täter schließlich, die Beute betrug einige hundert Euro Bargeld aus der Geldbörse der Frau. Der 34-Jährige wurde schließlich durch einen DNA-Treffer in einer Datenbank ausgeforscht und im Mai nach Österreich ausgeliefert.

Den Tipp zum Tresor hatte laut der Aussage eines anonymen Zeugen, aus der der Richter am Dienstag zitierte, eine ehemalige Betreuerin des Pensionisten gegeben. Demnach hätte der rumänische Zeuge selbst für diese Home-Invasion angeworben werden sollen, lehnte aber ab.

15 Vorstrafen in mehreren Ländern

Anklägerin Elisabeth Gratzl-Böhm  |  Jutta Hahslinger

Der 34-Jährige wurde wegen gewerbsmäßigen Diebstahls durch Einbruch und schweren Raubes verurteilt. Der Richter sprach von einer "beachtlichen kriminellen Karriere" des Angeklagten und einem "Urteil mit Augenmaß". Erschwerend wirkten sich vor allem die 15 Vorstrafen des 34-Jährigen in mehreren europäischen Ländern aus, in Österreich sei es seine erste Home-Invasion gewesen. Der Strafrahmen betrug aufgrund eines Rückfalls bis zu 20 Jahre. Das Urteil "soll sich bis Rumänien durchsprechen", sagte der Richter und verwies auf mehrere Tätergruppen mit ähnlicher Vorgehensweise.

Mildernd wirkten sich das reumütige Geständnis des Angeklagten und der Umstand aus, dass er den Opfern der Home-Invasion einen Auftritt als Zeugen vor Gericht erspart hatte. Ob es einen dritten Täter gegeben habe, verneinte der Rumäne. Dass er den Namen seines Komplizen nicht nannte, habe sich nicht erschwerend ausgewirkt, so der Richter: "Ich halte es für möglich, dass sie Todesangst vor den Mittätern haben." Der 34-Jährige erbat Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.