Erstellt am 26. September 2014, 12:35

Morgenstern beendete Karriere. Dreieinhalb Wochen nach "Slalom-Königin" Marlies Schild hat am Freitag mit Thomas Morgenstern ein weiterer großer österreichischer Wintersportler sein Karriere-Ende bekannt gegeben.

Der Kärntner gab seinen Entschluss im Salzburger Hangar-7 bei einer Pressekonferenz bekannt. Der 27-Jährige setzte hinter eine Laufbahn einen Schlussstrich, in der er Triple-Olympiasieger, inklusive Skifliegen elfmal Weltmeister und zweimal Österreichs Sportler des Jahres geworden war.

"Es hat sich herauskristallisiert über den Sommer", machte Morgenstern klar, dass seine Entscheidung keine erst vor kurzem spontan getroffene war. "Ich habe eine sehr schöne und erfolgreiche Karriere hinter mir." Schwere Stürze im vergangenen Winter in Titisee-Neustadt und am Kulm hatten ihn eigentlich schon aus der Anlaufspur geworfen. Doch er raffte sich auf, schaffte seine dritte Olympia-Teilnahme und gewann in Sotschi Team-Silber.

"Positive Momente überwiegen"

"Ich möchte, dass die positive Momente überwiegen, und das tut es auch im Moment. Ich habe aus jedem Sturz das Positive mitgenommen." Dazu passend, sprach Morgenstern die Rücktrittsworte ohne große Emotionen aus. Seinen größten Erfolg hob er hervor. "Der schönste Moment war Turin (Anm.: Doppel-Olympiasieger 2006). Nicht nur, weil ich Olympiasieger geworden bin, sondern das ganze Drumherum. Diese Momente werde ich vermissen."

Viele Optionen für Zukunft

Morgenstern freut sich nun auf sein Privatleben. "Ich fühle mich befreit, es ist schon eine gewisse Last von den Schulter gefallen", erklärte der elffache Weltmeister und zweimalige Sportler des Jahres fast zwei Stunden nach seiner Bekanntgabe, nachdem der Interview-Reigen eine Ende gefunden hatte. "Es gibt viele Optionen", erklärte Morgenstern. "Weil das Skispringen bis jetzt für mich vorrangig war, hat kein Plan B für mich gegolten. Ich werde das finden, was mir am meisten Spaß mach. Ich habe eine gute Basis, ich habe alle Möglichkeiten vor mir. Langweilig wird es mir nicht werden."

Trainerrolle "unvorstellbar"

Als Trainer möchte er aber offenbar nicht in den Sport zurückkehren. "Nein, als Trainer - das ist im Moment, ehrlich gesagt, unvorstellbar", sagte der Kärntner. "Skispringen ist die Frage, aber Kinder generell: Mit ihnen arbeiten, trainieren, gewisse Erfahrungen weitergeben, das würde mir taugen." Eher dürfe man sich ihn als Co-Kommentator im Fernsehen vorstellen. "Das wird sich herauskristallisieren. Ich möchte schon irgendwas vielleicht in diese Richtung machen. Vielleicht gehe ich studieren (lacht)." Und er kann sich noch mehr mit seiner Tochter Lilly beschäftigen, die als Erste von seiner Entscheidung erfahren hat.

"Sie war die Erste, die ich informiert habe, noch vor dem Trainingskurs. Da war ich mir schon sehr sicher. Ich bin mit ihr am Boden gesessen und habe gesagt: 'Du, Lilly du wirst mich wahrscheinlich nie bewusst Skispringen sehen und ich werde jetzt bald aufhören'. Das war ein berührender Moment für mich, auch wenn sie es noch nicht mitgekriegt hat", erzählte Morgenstern.

Doppel-Olympiasieg in Turin war schönster Moment

Über seinen größten Erfolg musste er schon zuvor nicht lange nachdenken. "Der schönste Moment war Turin (Anm.: Doppel-Olympiasieger 2006). Nicht nur, weil ich Olympiasieger geworden bin, sondern das ganze Drumherum", sagte Morgenstern und erwähnte auch die Freundschaft zum damals "silbernen" Andreas Kofler.

Erreicht hat Morgenstern fast alles in seiner Karriere, finanziell hat er ausgesorgt. Wenn er suchen würde, dann würde er die Skiflug-WM-Bronzemedaille vom Kulm gerne gegen Gold austauschen. "Aber ich kann damit leben, dass ich halt nicht Skiflug-Weltmeister geworden bin."

ÖSV-Chefcoach Heinz Kuttin hatte den Entschluss des hinter dem Salzburger Felix Gottwald zweiterfolgreichsten österreichischen Olympia-Sportlers im Laufe des jüngsten Trainingscamps erfahren, aber schon geahnt. "Es ist in der Luft gelegen."ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori gab den von Morgenstern an alle in seinem Umkreis Beteiligten ausgesprochenen Dank gerne zurück. "Es war eine enorm tolle Zeit mit ihm. Er hat der Mannschaft einen positiven Stempel aufgedrückt."