Erstellt am 19. November 2015, 13:46

von APA/Red

Mutmaßlicher Drahtzieher von Paris-Anschlägen ist tot. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist tot.

Das teilte die französische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Abaaoud sei bei der Razzia im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Bei dem Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis wurde nach Angaben der Ermittler möglicherweise ein neuer Anschlag verhindert.

Angesichts der Bewaffnung, der Organisationsstruktur und der "Entschlossenheit" der "neuen Gruppe von Terroristen" deute alles darauf hin, dass dieses Kommando zur Tat hätte schreiten können, so Staatsanwalt Francois Molins am Mittwochabend. Acht Verdächtige wurden festgenommen, zwei Tote konnten nicht sofort identifiziert werden.

Heftige Schießerei in Saint-Denis

Spezialeinheiten hatten am Mittwoch eine Wohnung in der nördlich von Paris gelegenen Vorstadt Saint-Denis gestürmt. Es gab heftige Schießereien, eine Frau sprengte sich in die Luft. Der Einsatz galt dem 28-jährigen Islamisten Abaaoud. Die Einsatzkräfte schlugen um 04.20 Uhr morgens zu, konnten aber die Sicherheitstür zu der Wohnung zunächst nicht öffnen, was den "Terroristen" Zeit zur reagieren gab. Die Verdächtigen lieferten sich ein rund einstündiges Feuergefecht mit den Beamten, die rund 5.000 Kugeln abfeuerten, fünf Polizisten wurden verletzt.

Die Wohnung wurde durch die Explosionen und Schüsse schwer zerstört, sogar der Fußboden brach ein. Die Frau, die bei der Erstürmung der Wohnung offenbar ihre Sprengstoffweste zündete, konnte zunächst nicht identifiziert werden. Gleiches gilt für einen von Kugeln "durchsiebten" Körper, den die Beamten in den Trümmern fanden. Unter dem Schutt könnten sich zudem noch weitere Leichen befinden, sagte Molins: Das schwerbeschädigte Gebäude sei "teilweise einsturzgefährdet", die Sucharbeiten der Ermittler kämen deswegen nur sehr langsam voran.

Verdächtige festgenommen

Bei dem Einsatz wurden in und außerhalb der Wohnung acht Verdächtige festgenommen. Der Einsatz ereignete sich fünf Tage nach den Anschlägen von Paris mit 129 Toten und mehr als 350 Verletzten. Die Polizei sucht unterdessen mit Hochdruck mindestens einen weiteren mutmaßlichen Angreifer, den 26-jährigen Salah Abdeslam, dessen Bruder unter den Selbstmordattentätern war. Videoaufnahmen deuten zudem auf die Existenz eines neunten Attentäters hin, seine Identität ist noch nicht bekannt.

Die französische Nationalversammlung billigte am Donnerstag die Verlängerung des Ausnahmezustands nach den Anschlägen von Paris auf drei Monate. Die von der Regierung erbetene Maßnahme muss noch vom Senat verabschiedet werden, bevor sie in Kraft treten kann. Eine entsprechende Sitzung wird für Freitag erwartet.

Die Vollmachten erlauben es der Polizei unter anderem, Verdächtige leichter festzunehmen und Razzien auszuführen. Bei dem Angriff der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" am Freitag vergangener Woche waren mindestens 129 Menschen getötet worden.

Warnung vor chemischen und biologischen Waffen

Frankreichs Premierminister Manuel Valls warnte unterdessen vor Anschlägen mit chemischen und biologischen Waffen. "Wir dürfen nichts ausschließen", sagte Valls am Donnerstag in der Nationalversammlung. "Es kann auch das Risiko chemischer oder bakteriologischer Waffen geben." Solche Aussagen müssten mit großer "Vorsicht" gemacht werden. "Aber wir wissen es, und es ist uns bewusst."

Nach den Anschlägen kalkuliert die französische Regierung für 2016 zusätzliche Sicherheitsausgaben von rund 600 Mio. Euro ein. Wie Finanzminister Michel Sapin am Donnerstag erläuterte, soll für die von Präsident Francois Hollande angekündigten Maßnahmen vor allem in den Zuständigkeitsbereichen des Innen-, des Justiz- und des Verteidigungsministeriums das Personal verstärkt werden.

Die aktuellen Planungen der Regierungen sehen 5.000 neue Stellen im Bereich des Innenministeriums in den Jahren 2016 und 2017 vor. Im Bereich des Justizministeriums soll es im gleichen Zeitraum 2.500 neue Stellen geben, beim Zoll weitere tausend. Im Verteidigungsministerium wird es laut Sapin keine neuen zusätzlichen Stellen geben, allerdings werde die Schaffung von 2.300 bereits eingeplanten neuen Stellen bekräftigt.

Messerattacke auf Lehrer

Unterdessen wurde im südfranzösischen Marseille ein Lehrer einer jüdischen Schule am Mittwochabend Opfer einer Messerattacke. Die Angreifer hätten sich als Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgegeben, berichtete der Sender France24 unter Berufung auf Ermittler. Der Geschichtslehrer wurde von drei Personen angegriffen, die antisemitische Parolen äußerten, wie die Polizei erklärte. Das Leben des Mannes jüdischen Glaubens, der die traditionelle Kopfbedeckung Kippa trug, ist nicht in Gefahr.

Früher am Tag hatte es in Marseille auch einen islamfeindlichen Übergriff gegeben. Dabei wurde eine junge Frau angegriffen, die einen Schleier trug, der das Gesicht freilässt. Französische Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, der Angreifer habe die Frau als "Terroristin" beschimpft und ihr einen Schlag versetzt, möglicherweise mit einem kleinen Messer, das sie leicht an der Brust verletzte. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht.