Erstellt am 08. September 2014, 16:28

von APA Red

Mutter von abgelegtem Baby ausfindig gemacht. Beamte des Landeskriminalamtes Wien haben die Mutter eines Säuglings, der am Samstag in Neubau ausgesetzt wurde, ausfindig gemacht.

In einer ersten Einvernahme gab die junge Frau an, erst sehr spät die Schwangerschaft bemerkt zu haben. So habe sie auch nicht zugenommen. Schließlich habe sie einen Arzt aufgesucht, der ihr mitgeteilt hatte, dass die Geburt bereits in drei Wochen sei, schilderte Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Die 23-Jährige war von der Situation offenbar überfordert, erzählte weder ihrem Freund noch der Familie von ihrer Schwangerschaft. "Sie hat auch ganz normal weitergearbeitet", sagte der Sprecher.

Mutter gestand die Aussetzung

In der Nacht auf Samstag brachte die Frau den Säugling in der Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrem Freund lebt, allein zur Welt. Im Polizeiverhör gab sie an, dass sie das Baby ins Krankenhaus bringen wollte. Die Geburt habe sie allerdings körperlich so mitgenommen, dass sie das Mädchen auf dem Weg ins Spital bei einem Kellerabgang in einem Haus in der Kaiserstraße abgelegt habe, sagte Keiblinger. Dort wurde der bereits leicht unterkühlte Säugling am Samstagnachmittag von zwei 15-jährigen Mädchen entdeckt. Das erst wenige Stunden alte Kind war in ein graues T-Shirt und eine braune Jacke gewickelt gewesen.

Bereits am nächsten Tag ging die Mutter wieder ganz normal arbeiten, auch gab sie an, die Wohnung allein gereinigt zu haben. Kriminalisten forschten sie am Montag aus und suchten sie gegen 13.30 Uhr an ihrem Arbeitsplatz auf. Die 23-Jährige wurde zur Einvernahme auf eine Polizeiinspektion gebracht, wo sie die Aussetzung gestand. Dafür drohen laut Paragraf 82 im Strafgesetzbuch (StGB) bis zu fünf Jahre Haft.

Dem Baby geht es unterdessen laut Jugendamtssprecherin Petra Mandl gut. Sie ging davon aus, dass das Mädchen "nicht mehr allzu lange im Spital bleiben wird". Sobald es entlassen wird, kommt es zu Adoptiveltern, wo es ein halbes Jahr in unentgeltlicher Pflege bleibt. Denn in der Regel dauert es sechs Monate, bis die Adoption rechtskräftig wird. Bis dahin ist eine Rückführung an die leiblichen Eltern theoretisch möglich.

Jugendliche entdeckten Säugling

Entdeckt wurde der Säugling von zwei 15-jährigen Mädchen am Samstagmittag in einem Kellerabgang eines Hauses in der Kaiserstraße. Das erst wenige Stunden alte Kind war in ein graues T-Shirt und eine braune Jacke gewickelt gewesen.

Das weggelegte Mädchen wäre in einer Babyklappe besser aufgehoben gewesen. Eine solche gibt es in Wien beim Wilhelminenspital. Dort können Neugeborene anonym und straffrei abgegeben werden. Das Jugendamt übernimmt auch in solchen Fällen die Obsorge für das Kind und bringt es nach der Entlassung aus dem Spital bei Adoptiveltern unter. Im Vorjahr wurde ein Säugling in die Babyklappe gelegt. Seit 2001 wurden in Wien insgesamt 26 Neugeborene im Babynest Glanzing im Wilhelminenspital abgegeben.

Neben der Babyklappe gibt es in Österreich auch die Möglichkeit der anonymen Geburt. Sie wird von Frauen viel häufiger in Anspruch genommen. Laut Mandl kamen 2013 in Wien 19 Säuglinge anonym zur Welt, seit 2001 waren es insgesamt 166, also jährlich rund 13. Die Entbindung erfolgt kostenfrei im Spital, unter Betreuung von Ärzten. Eine Studie der MedUni Wien aus dem Jahr 2012 ergab, dass die Einführung der Möglichkeit der anonymen Entbindung in Österreich im Jahr 2001 zu einer starken Senkung - mehr als Halbierung - der Rate der Kindstötungen geführt hat.

Erst im April hatte in Wien ein Findelkind-Fall für Aufsehen gesorgt. Ein Bub war in Hietzing auf einer Wiese ausgesetzt worden. Das Kind befindet sich seither bei Adoptiveltern, die Adoption ist noch nicht rechtskräftig. Die Mutter hat sich laut Jugendamt bisher nicht gemeldet.